Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 9 (28.2.1862)
- Date
- 1862-02-28
- Page
- Seite 76 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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76 war daselbst auch dem Becken ein Platz angewiesen 2. M. 40, 7. Maim. das. 1, 6. ״Die dritte Halle enthielt von reinem Golde eine Lade," — so sagt der Redner. Die Thora sagt aber: dies ist nicht wahr! Die Lade war aus Holz, und äußerlich und innerlich nur mit Gold belegt: 2. M. 25, 10. 1t.! Wie gefällt Ihnen nun dieser orthodore Rabbiner, der mir nichts dir nichts dem Worte Gottes widerspricht? — Und doch ruft er wehe über die ״leidenschaftlichsten Reformatoren," von denen er gewisse Reden ״brüstend prassen" hört (S. 10.)! Von dem Zustande seiner Synagoge sprechend, sagt er wörtlich: ״Dies mißfiel seiner Heiligkeit, und sein Zornblick traf das Haus (S. 5)." In dem kurzen Schlußgcdichte zeigt der Verfasser seine hohe poetische Begabung; ich führe bloß die zwei letzten Zeilen an: ״Mit Liebe d e n Erdenrund umfassen , Nicht Treue prassen und im Busen hassen." Wer erkennt hier nicht sogleich einen zweiten Nückert? x. Pest, 27. Feber. Hr. Leon Pollak, Mitglied der Kultus- Sektion, hat so eben veröffentlicht: ״Eingabe an den ehrsamen Vorstand der Pestcr isr. Kultuögemeinde, enthaltend Vorschläge zu rituellen Verbcsserungcn." (Druck von Joh. Herz, 8. 44). Der Vrf., ein würdiger, allgemein geachteter Mann von reformistischer Gesinnung, meint, ״daß das Beten mit entblößtem Haupte in der Muttersprache das einzige MUtcl sei, um dem Volke, namentlich der jüngcrn Generation, die Mittel zu einem würdevollen Gottesdienste zu bieten (S. 41)." Er verwahrt sich jedoch ausdrücklich gegen die Zninnthnng, alö wollte er die Besucher der alten Synagoge zur Annahme dieser Neuerungen bewegen; er hat vielmehr, wie er versichert, nur den neue» Tempel im Auge, ״der schon durch die cingesührte kunstgerechte Vokal- und Jnstrumciitalmnsik und die Predigt den Weg zu seiner weitern Vcrvollkommuuug und Veredlung angcbahut hat (S. 2)." Der Vers, findet es unbedenklich, alle ״Metafisika, Deduktionen, Verordnungen, Zitate cte." aus der Liturgie wegzulassen (S. 28), und doch schickt er seiner Ab- Handlung die Versicherung voraus, daß er ״auf dem Standpunkte der reinen Orthodoxie stehe (S. 2)." Ob die Orthodoxie den Hrn. Vrf. als Verkünder ihrer Prinzipien anerkennen werde, ist wvl sehr unwahrscheinlich; eben so unwahrscheinlich ist cS, daß die Besucher d. T. den erwähnten Resormcu ihre Zustimmung geben werden. Dagegen dürfte inanche von den in dem ״Regulativ" enthaltenen Vorschlägen (28—38) Beifall finden. Auffallender Weise sind auch hier erhebliche liturgische Neuernngen, — Weglassung des ולמלשינים und dreijähriger ThorazytlnS, — mit ganz unbedeutenden Propositioncn, wie die Benützung der Naumbourgischen Kompositionen, znsammengcworfcn. Als Kuriosum hebe ich noch hervor, daß S. 11. der מהרש״ל und רש״ל als zwei Personen angeführt werde»!! Der brave Lehrer Bauer hat sich umsonst ereifert. Oer Anödrnck ״ntynk" wird nicht nur im ״familiären" (!) Sinne gebraucht; die ״patres“ heißen ebenfalls ״ntyäk,“ nicht aber ״üaiityäk,“ wie sich der Hr. Nebersetzrr ans der ung. thcol. Lit. leicht überzeugen kann. Die ״Originalausgabe," ans die mich Hr. B. aufmerksam macht, har damit gar nichts zu khun. Der Vers, der Homilien, Hr. 14r. Mcisel, wird aber ohne Zweifel darin mit mir übcrcinstimmeu, daß die Priorität rücksiehtlich der liebersetznng ins Ungarische anderen jnd. homil. Arbeite» gebührt hätte, wenn -- der innere Werth maßgebend gewesen wäre. Lokale Verhältnisse ließen jedoch den Homilien den Vorzug geben. und ich habe dagegen gar nichts rinzuwenven. Daß ich Hrn B.'s Uebcrsetzung kaufen werde, verspreche ich ihm zu seiner Beruhigung. Literarische Anzeigen. Jugendschriften. I. 1) Bilder ans der Welt-, Länder- und Völkerkunde, als 3. Th. d. deutschen Leseb. s. isr. Schulen in 5 Abth. Non Ludw. Stern- Stuttgart. Hallbcrger'schc Verlagshandlung 1861. 8. 141. 2) Bilder aus d. allgem. Geschichte, alö 4. Th. dess. Lesebuches. Stuttgart. Hallb. 1862. 8. 112. 3) Die, jüd. Geschichte in Lebensbildern, als 5. Th. deös. Leseb. Stuttgart. Hallb. 1762. 8. 187. II. Lesebuch für die oberen Klassen der isr. Hauptschulen. Von vr. Jos. L. Fischer. Pest. Robert Lampcl. 1862. 8. 160. III. Palmen und Zedern. Die Hanptmoincntc der bibl. Gesch. in poetischer Darstellung. Von A. S. Fischer, Hauptschuldircktor. Raab. Rudolf Hennicke. 1862. 8. 222. Die ersten zwei Bändchen des Stern'schen Lesebuches haben wir bereits im vorigen Jahrgänge (Nr. 25. S. 222) gewürdigt und cmpfohlen. Mit den vorliegenden drei Bändchen ist das Lesebuch als ein Ganzes abgeschlossen. Dem Inhalte angemessen ist die ungcbuude Rede vorherrschend; es bringt indcß jedes Heft auch einige poetische Stücke Nr. 1. (d. 4. Th.) hat besonders starkes deutsches Gepräge, indem das Lesebuch zunächst für die jüdische Jugend in Deutschland geschrieben ist. Wir wünschen dem mit vieler Einsicht und Liebe gearbeiteten Lcscbuche die weiteste Verbreitung. Der Vers. v. Nr. II. beabsichtigt ein Lesebuch in 2 Abth. herauszugebeu. Das vorliegende Bändchen enthält die I. Abth. (Erzählungen, Gespräche, Parabeln, Fabeln, Sagen, Schilderungen, Sprichwörter, Lieder) vollständig; von der zweiten bringt eö: ״Bilder aus der Naturgcschichte" und ״Bilder aus der Natnrlchre." Hierauf sollen folgen: Bilder aus der Geografie; Bilder ans der Geschichte. Eine Bcurthcilung wird erst nach Vollendung des Ganzen möglich sein. Nr. III. ist eine sehr verdienstliche Sammlung, die auch in ihrer gegenwärtigen Gestalt empfehlcnswcrth ist. Der Hr. Vrf. scheint aber nur einen kleinen Theil der auf s. Gegenstand czügl. Literatur gekannt zu haben, weshalb der Inhalt seiner Sammlung nicht den Erwartungen entspricht, und bin und wieder auch die Auswahl nicht genug gerechtfertigt erscheint. So wäre z. V. dem Sonette ״die Opferung Jsaak'S" S- 24. ״Dit Prüfung Abrakam's״ von E. Ranpach vorznzichen gewesen. ״Der Knabe Samuel" von Wicdcnfcld hätte in der zunächst für die Jugend bestimmten Sammlung jedenfalls einen Platz finden sollen. Dasselbe gilt von Eyth'S Gedicht ״David 11. Jonathan, oder die Freundestreue." Statt der Midrasch'sche» Stücke hätten wir Didaktisches ans der Bibel gewünscht. NebrigenS bekennen wir, daß ohne Zweifel auch uns Vieles unbekannt geblieben, das für eine Anthologie, wie die vorliegende, benützt werden könnte. Aber schon das Gesagte wird hinreicheu, den Vers, auszuinnnrern, daß er sich mit seinem Stoffe näher vertrant mache, um in einer zweiten Auflage eine vollständigere und gediegenere Sammlung liefern zu können. Die Ausstattung läßt nichts zu wünschen übrig. Szegedin, Selbstverlag der Urdaklion. Ve»pz»g, Lotinnisstons-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.