Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 4 (24.1.1862)
- Date
- 1862-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2542917-2542971-2542976--2445-2546226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 4. Szegedin, den 24. Jänner 1862. (fhanaitja. r j§ra Uünper Jahrgang. ^crattstje6er unbj^fl&tcitr: L. Lot», Memi!,Inner zu 5ze1je!)in. Jeden Freitag erscheint ein ganzer Bogen. Prfinnmcrnllonspreig: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 Ir., viereljährig 2 fl. österr. Währ. Man abonnirt bei allen Postämtern und Buch- Handlungen des In- und Auslandes. Manusllripte sind an die Redaktion zu senden. Inserate sind an die Redaktion in Szegedin oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zn sende». Die zweispaltige Pctitzeile wird mit 10 Nkr. — 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Pcrek Schira. VonL. Dukes. — Biografie Romanelli'S von Pros. L. dclla Torre. — Rheinländische Zustände. Thalm. Sprachforschung und Alterthumskunde, von Rabb. Hübsch und Wiesner. — Korrespondenz. (Ausland). Kopenhagen. — (Inland). Arad. — Literarische Anzeigen. Foucher de Carcil'S Werk, augez. v. HcranSg. — Beilage. Die Honther Mortara-Affaire, v. HerauSg. — Inserate. — Synagogeneinweihe in Ungarisch-Kanifcha. Mtagefdjidjtfirij(! Äforismen. Von Lcop. Dukes. 3. Perek Schira h. ״Der Kleinigkeitögeist ziehet auch den Himmel herab." (S ch i l l e r). ״Von dem Erhabenen zum Komischen ist nur ein Sprung." Dieser Ausspruch enthält die Geschichte sehr vieler Sachen. Es sei uns nun auch erlaubt, denselben an die Spitze dieser Zeilen zu stellen. Die Grundidee, die das Perek Schira trägt, ist erhaben, die Ausführung aber ist sehr kleinlich. Die äsopische Fabel führt die Thiere redend ein für moralische Zwecke. Die Legende verleihet den Thieren ebenfalls manche Gaben, die sie in der Wirklichkeit nicht besitzen. Der fromme Esel des R. PinchaS b. Jair, über den man wahrscheinlich gelacht hat und noch lachen wird, findet sein Seitenstück in den frommen Fischen, die herbeigeeilt sind die Predigt des heiligen Antonius zu hören. Der Pinsei der Mahler hat dieses verewigtJ). Als die Taube mit dem Oelblatt im Munde zu Noach zurückkehrte, sprach sie — nach der Allegorie des Thalmud und des Midrasch — die Worte: ״besser das Bittere von Gottes Hand, als das Süße von Menschen Händen")." Diese Worte, interessant und selbsterhebend, enthalten eine der geistreichsten und hochmoralischen Anschaunngen. ES ist dies nicht zur Klasse der eigentlichen Legenden zu zählen, sondern zur Klaffe der Parabeln, die tiefe Weisheit bergen. Die genannte Legende der Fische des Antonius entbehrt —wie die des ewigen Judnt*), — eines inner!! Gedankens. Die Sprache der Vögel 4) hat ebenfalls damit nichts gemein. Es hängt dies weder mit der Parabel, noch mit den gewöhnlichen Legenden zusammen. Es gehört — nach der Anschauung der alten Welt — zur Nachtfeite der Natur, außerhalb der gewöhnlichen Naturgeschichte liegend. Wir hätten bald zu bemerken vergessen, daß wir hier eigentlich keinen Konrmentar und keine Einleitung zum Perek Schira zu schreiben beabsichtigen. Demselben seinen Platz anzuweisen, ist der einzige Zweck dieser Zeilen. Wir sind dabei des arabischen Sprichworts eingedenk: ״Stelle die Sachen auf ihren Platz, so werden sie Dich auf deinen Platz stellen." Mehr kann und darf man von dem Literaturhistoriker nicht erwarten 6). Die thalmndischen Worte כל הקודם בה זכה dürfen auch hier anwendungsweise gebraucht werden als Maaßstab und Urtheil. Wir haben von dem eben angeführten hebr. Spruche keine Uebersetzung gegeben. Das folgende arabische Sprichwort darf als solche betrachtet werden: ״Das Verdienst gehört dem Vorgänger." Hariri ha! diesem Sprichworte eine weite Zirkulation verschafft 7)- Bei einer Versammlung von Thalmudisten — so lesen wir im Thalmud — haben die Bäume riugöherum an gefangen שידה (Lobgesang) zu fagei!s), als nämlich die Thalmudisten in den Geheimnissen der Lehre sich ergingen. Uns erscheint dies höchst seltsam. ״Uns blieb bloß daS entseelte Wort" (Schiller). Genau genom-