Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 3 (17.1.1862)
- Date
- 1862-01-17
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2542917-2542971-2542975--2443-2546222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
24 die Gewohnheit, zuweilen logisch zn sein: wir wollen diese Gewohnheit beibehalten, und deshalb fingen wir beim Titelblattc an. Die Antizipirnng der Jahreszahl scheint darauf hinzudcutcn, daß Dr. Grätz uns anderen Menschenkindern mit einem Jahre, ja wir möchten sogar behauptcn mit einem Jahrbnndcrte voraiigccilt; sonst hätte er in seinem neuesten Gcschichtöwerke die ncncstcn Entdeckungen nicht in so positiver, apodiktischer Gestalt anfnehmen können. Darauf wollen wir jedoch in diesem Augenblicke nicht cingchen. Wenn wir im Vorbeistrcifcn hie und da hängen bleiben, so ist einzig und allein Misere Ungeschicklichkeit Schuld daran. vorliegende Blnmcnlcse ist für die Hörer der historischen und litcrär-historischcn Borlcsungeit am Breslauer Seminar bestimmt. Was uns betrifft, so haben wir wol die Lese in dem Buche gcsnndei!, aber keine Blumen. Im Liuü'schen Systeme haben wir diese Blumen vcrgebcns gesucht. Sollten etwa die Blumen der Fragezeichen (?) gemeint sein? Solche sind uns in dem Buche sehr häufig entgcgcngetrcten. Im Borübergthcn sei bemerkt, daß sich vorliegendes Werk von Gcigcr'ö jüd. Dichtungen der spanischen und italienischen Schule und von Kämpf's nichtandalnsischcr Poesie andalusischcr Dichter rücksichtlich der Tendenz sehr unterscheidet: Geiger hat wahrscheinlich eine nicht orthodore, Kämpf — dem Titel nach — gar keine. Gr ätz dagegen eine orthodore Tendenz gewählt! ״Das ist eilt schlechter Witz!" so hören wir Manchen ausrnfen. Was hat die Orlhodorie oder Heterordvrie mil der Edition von Gedichten zu schaffen? Es ist aber kein Witz, lieber Leser. Ueberzcnge dich niit eigenen Angen. In der Borrede S. XII. fehlt die Nninmer 16., welche das Gedicht des Jizchak den Esra enthält. Wie ist diesc Lücke zn erklären? Jizchak bei! Esra ist — Mohamedaner geworden; dcns. Schritt hat auch der von ihm besungene N c t h a n e l H a b l a t h- Allah gethan. Darf ein Seminar-Profeffor ein Gedicht von einem Renegaten anfnehmen? Nun ist aber sein Gedicht faktisch anfgenommcn, der Bersasser wird aber nicht genannt: diesem wird stillschweigende Verachtung zn Tbeil! Bon den Karaitcn ist gar nichts anfgenommcn worden, weil die Gedichte des Karaiten Moses Dari nicht diesem, sondern einem Andern gehören! Wer kann dies erklären? — Es heißt nach Dr. Grätz ungefähr so viel, als wenn derselbe sagen würde: Vieles, das sich int 6. Bande meiner Geschichte findet, gehört Anderen! — Es wäre doch besser gewesen zu sagen, daß Moses Dari ein Plagjator war, so hätte Dr. G. doch einige Gedichte anfnehmett können; allein man darf sich doch nicht widersprechen, nachdeut mau in seiner Geschichte denselben Dari als einen Dichter ans dem l». Jahrhundert angeführt hat! — ES ist wirklich ewig Schade, daß sich Pinsker nicht den Spaß gemacht hat, eine Genealogie von Kantern vor Moses anznführen, um dem nach Neuigkcttctt haschenden Dr. Grätz mit Material für den ersten Band seiner Geschichte zu versehen. In dem vorliegende Werke hat sich Hr. Dr. Grätz wirklich kein Plagiat zu Schulden kommen lassen; diese Gerechtigkeit muß man ihm widerfahren lassen. Die darin enthaltenen Gedichte sind sämmtlich überdruckt, und Herr Dr. Grätz war so ehrlich, dieselben mit ihren Fehlern Überdrucken zn lassen; nur hat er Fragezeichen als Kabbalistisches — als Mystizismen — hinzugefügt. Sind diese Fragezeichen wirklich so nützlich für die Seminaristen? Oder behält es sich der Literärhistoriker vor, die Geheimnisse der Dahingeschicdcnen mir seinen Hörern zn enthüllen? Hätten wir die Gewißheit, daß dies wirklich geschieht, wir köniiten »ns bewogen fahlen, die Borlesnngeii zu besuchen. Neue Stücke sind von L n z z a t t o; man erkennt den Meister an seinem Werke. In dem Gedichte über Jbn Albaliah S. 66 Zeile 6 wäre vielleicht rathsamcr statt מצעוק zn lesen. Zeile 8 daselbst kann der Dichter die Stadt Safet in Palästina im Sinne gehabt haben, da er daselbst viele Skädte anfzählt. Nach dem Versmaße könnte man צפיח Pnuktiren (Briest. Mitth. d. Hrn. Senior S a cb s). Gehen wir nun ein wenig zum Nagrcla! Wer ist das? fragst D», th. Leser: es ist Nagdalla! Dr. Grätz hat durch das Sonnen- Mikroskop ein deutliches Re sch sowol im Hebräischen als im Arabischen entdeckt. Munk hat i» mchrcrcii Manuskripten ein Dalcth gelesen. Saadiah Jbn Danan (Ehcmda Gcnuza'l hat anch Nagdalla, eben so der Kommentar znm Hohcnlicde von Josef Aknin (Ms. Orford). Allein zn jener Zeit hat noch kein Sonnenmikroskop cristirt. Es ist übrigens dcntlich geling zn sehen, daß Jehnda Ha-Levi in feinem Gedichte an Samnel beit Chananja in Aegypten, welches mit den Worten לצבא an fängt (Bcth. bath Jehnda) auf den Namen Nagdalla anspielt: .לכו נגד נגיד האל שמואל S. 59 ist das Gedicht Gebirols über den Tod Samuels. Hebt׳. Gedichte versteht Dr. Grätz schon: das muß man ihm lassen: ״Wohne gen Norden oder gen Süden.... in meinen Herzen bist Du immer." Wenn sich das ans den Tod des Bcsnngenen beziehen soll, so muß man das Gras mit Tromnieln wachsen hören. Eben so soll sich das Gedicht ans den Tod Samuels beziehen, während cs einfach die schmachlende Liebe seiner Braut besingt (Schire Schlomo S. 40). Nicht minder genial ist cS von dcnt Prof, der orientalischen Sprache, Dr. Kämpf — und ihm folgt Dr. Grätz — Levi b e n T a b b n n als kleinlichen Dichter zu bezeichnen, weil Charisi eben sagt, daß derselbe so leicht Verse macht wie man Stroh drischt. Hier haben die Herren Literärhistorikcr leeres Stroh gedroschen! Sollen wir timt noch von den Fehlern in Gcbirol's Dichtuiigen sprechen? Dr. Grätz kennt entweder das Versmaß nicht, oder er hat dasselbe unbeachtet gelassen. Klassisch in seiner Art ist S. 147, der Ansdruck נעלהים von nnbekannten Dichtern; man möchte bei dieser Benennnng auf den Gedanken kommen, die Dichter hätten blinde Knh gespielt und sich versteckt! Jedenfalls wäre cs für Hrn. Dr. Grätz rathsanier gewesen, bei der Geschichte zu bleiben und keine Gedichte herauszugeben: suum cuique. Am besten gefällt nns an dem Büchlein der hcbr. Titel לקט; denn wo dieses vorhanden ist, gibt cs anch שכהה, besonders bei orthodvrcn Gelehrten *). ßemetk intße u. lieber die Honthcr Mortara-Affairc rede» wir in der nächsten Nummer. Einzelne Niimntern des vorigen Jahrganges des ״Ben Chan." sind nur vom Hcrrit Sigm. Burger, einzelne Hefte der früheren Jahrgänge jedoch nur von der Redaktion zn beziehen. *) Das von dem gelehrten H. Einsender gewiß nicht mit Schonung besprochene Buch kam mir nicht zu Gesichte. Ich gestatte mir also »nr die Bemerkung, daß die Jahreszahl auf dem Titelblattc gewiß nicht v. Verfasser hcrrührt, und daß es bekanntlich Brauch der Verleger ist, in den letzten Monaten d. I. die Jahreszahl des,nächsten Jahres auf's Titelblatt zu setzen. L. Szegedin, Selbstverlag der Uedalttlo». Leipzig, Lontmisstong-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmilnd Burger in Szegedin.