Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 1 (3.1.1862)
- Date
- 1862-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1. 1862. Szrgedi», den 3. ISnner M W ׳t> w• צג■ p w n w w •> ץ ww vy/ fünfter Jirliiigimg. <|jcn1us(jdm• unti Mttlilciir: L. Löw, ÜlierraliGiuer zu Kzegedin. Jeden Freitag erscheint ein ganzer Bogen. I Man abonnirt bei allen Postämtern nnd Buch-! Inserate sind an die Redaktion in Szcgcdin Präninnerationspreis: Handlungen des Inuns Auslandes.! oder an Hr». Franz Wagner in Leipzig Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 fr., ׳ Manuskriplc _ I zu senden. Die zweispaltige Petitzeile wird viereljährig 2 fl. österr. Währ. sind an die Redaktion zu senden. > mit lO Nkr. — 2 Sgr. berechnet. Inhalt» Mendelssohn, als der Gcrmanisator der Inden in Deutschland. Vom Herausgeber. — Kuliurgeschichtliche Aforismen. l. Von Lcop. Dnftö. — Jüdischer Adel. Von Dr. (Larmoly. — Korrespondenz. (Ausland.) Trier. — Köln. — (Inland.) Pest. — Gr.-Kanischa. — Literärische Anzclgen. Gerson Löwy'ö I'orAus 6t piontim. Angez. v. HeranSg. — Replik. Von Dr. Jcllinek. 31T c 11 ö e f s f 0 0 n als der Germanisator der Juden in Deutschland. Zum Sterbetage Mendelssohn s Mendelssohn wurde bekanntlich von seinen Zeitgenossen für einen Filosofen ersten Ranges gehalten. Nicht nur daö große Publikum gebildeter Dilettanten war von dem jüdischen Weltweisen in Berlin entzückt, auch die gelehrte Welt, die Creme der deutschen Intelligenz zollte ihm Anerkennung und Verehrung. Die Berliner Akademie der Wissenschäften gesellte sich den großen Gedankenarchitekten Kant erst nach dem Tode MendelSsohn's zum ordentlichen auswärtigen Mitgliede bei, nachdem sie 15 Jahre vorher (1771) die Wahl MendelSsohn's vergeblich dem Könige Friedrich II. zur Bestätigung unterbreitet, und noch früher (1763) dessen ״Abhandlung über die Evidenz in Metafisischen Wissenschaften" gekrönt, der auf die Preisfrage bezüglichen ״Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral" von Kant aber nur das Aceessit ertheilt hatte. Die Nachwelt hat das Urtheil der Mitwelt über Mendelssohn den Filosofen nicht bestätiget. Rosenkranz gibt zwar zu, daß M. ״bis an seinen Tod als einer der ersten Filosofen und Stilisten gegolten hat." Auch läßt er nicht unerwähnt, daß ״Garve ihn nebst Lessing und Engel als die einzigen Prosaisten nennt, welche die Deutscheu im didaktischen Fache dazumal den Ausländern hätten entgegensetzen können." Auf seinem Standpunkte fügt er jedoch hinzu: ״Jetzt wird man wol urtheileu, daß M. ein besserer Stilist als Filvsof gewesen und daß selbst in jener Beziehung die Politur der Wolff'schen Deutlichkeit, eine trockene Eleganz, eine beredte Nüchternheit die Hauptsache ausmachen. Eigenthümliche Ideen hat Mendelssohn eigentlich nicht gehabt. Er war ein geschmackvoller Wolffianer und das Schöne seines Stil's kann man bei Lessing an der Quelle kennen lernen. Die Simplizität seines Lebens, die persönliche Würde in aller Knappheit der Situation, der wissenschaftliche Eifer, der sich durch so große äußere Hemmungen hindurcharbeitete, der Wahrheitssinn, der mit immer neuem Durst an die Forschung ging, diese vortrefflichen Eigenschaften waren es unstreitig, welchen Mendelssohn einen großen Theil der Aufmerksamkeit, die er erregte, der Zuneigung, die er erweckte, zu danken hatte"):" Die Verehrer M.'S, zu denen sonder Zweifel alle Leser d. Bl. gehören, werden nun mit der Schilderung der persönlichen Eigenschaften desselben wol zufrieden sein, das Urtheil über dessen Bedeutung als silosofischen Schriftsteller hingegen zu hart finden. Aber gesetzt, das strenge Urtheil würde gemildert, so gehört doch nur eine sehr mäßige Kenntniß der neuern Geschichte der Filosofie dazu, um einzusehen, daß M. zwar in der Kette der deutschen Aufklärungsfilosofeu einen höchst beachteuswertheu Ring bildet, daß aber zu dem bewunderuugswürdigen Baue der deutschen Filosofie, dieser großartigsten Schöpfung des deutschen Geistes, wol der holländische Jude Barnch Spinoza Bausteine geliefert hat, nicht aber der deutsche Jude Moses Mendelssohn! Abgesehen davon hat die Filosofie M.'s, wiewol derselbe seine Neigung und Vorliebe zur Spekulation dem Maimonidischen Führer des Verirrten verdankte, so wenig spezifisches Jüdisches, daß das Jndenthum als solches wenig Ursache hat, M. als Filosofen zu feiern.