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Ben Chananja · 1861-12-20 · 51 (20.12.1861) · p. Seite 442

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
51 (20.12.1861)
Date
1861-12-20
Page
Seite 442 (sequence 10)
Language
German
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442 dition »nd das mündliche Gesetz leugnen; anch sie heißen Epikuräcr, weil in ihrer Richtnng die Anfänge und Keime liegen, aus denen der Epikuräcr in großem Maßstabe hervorgeht. Es sei zunächst die Bemerkung gestattet, daß Maim. in der bctreffenden Mischna in halachischcr Beziehung mit den Bcstinimnngcn im Iad Ehasaka differirt; während er im M. Kommentare die Schcchita eines Sadduzäers der des Götzendieners gleichsicllt und sic unbedingt als ungiltig erklärt, wird im I. Eh. ') die Giltigkeit derselben blos von dem Beisein eines Gläubigen bedingt. Meines Erachtens mochte Maim. bei der später» Absassnng des Z. Eh. folgender Grund bewogen haben zur Nückualnuc seiner frühcrn Bestimmung im M. Komm. Eine ') Mischna reserirt, der Hohepriester sei am Bersöhniingstage mit dem Worten beeidiget worden: ״אישי כחג אנו שלוחי ב״ר משכרנץ אותך; dieses Verfahren erklärt die 'י) Gemara wie folgt;וכל כך למה שלא יתקן מבחוץ ויכניס כירך עזהצדרקין ^ושי zu den Verrichtungen des Hohenpriesters am Bersöhnungslagc gehörte aber auch das Schlachten der Opfer; ein Akt, der doch dem mit dem Wcihrauche voranging; warum überspringt die Gemara diesen und saget nicht cinsacher, deshalb mußte der Hohepriester beeidiget werden, keinen sadduzäischcn Grundsätzen im ,seinem Herzen Raum zu geben, damit dessen Schcchitah ihre Wirksamkeit nicht verliere? ist aber die Zulässigkeit der Schcchitah eines Sadduzäers, wie Maim. im d. Z. Eh. bestimmt, blos durch die Ucberwachuug eines Andern bedingt, so war selbstverständlich in Bezug auf dieselbe im kenicm Falle etwas zu bcsorgen: da sie, wie ans einer Mischna in Zvma ersichtlich ist, nicht nur in Gegenwart, sondern durch Assistenz eines hinzu bestellten Sekundaeins ״סק״ geschehen mußte. Bon hier dürste mithin Maim. den Aeweis für seine Bestimmung im I. Eh. geholt haben, und cs wäre hiemit die zur Stelle aufgeworfene und nicht gelöste Frage des Lechem Mischna erledigt. Ucbcr die etymologische Bedeutung dcö Wortes Epiknros hatte Maim., trotz der Erl. d. früheren Lcrikograscu von dem griechischen Epikur als dem Prototype der Leugnen des religiösen Prinzips, den seltsamen Einsall zu sagen") ומלת אפיקורוס ארמית : Hr. Oberrabbiner Rapvoport7) führt zur Rechtfertigung Maim.'s die Stelle im Thalmud auH) אפיקורוס זה המבוה ת״ה bedenket man jedoch, mit welcher Erbtttcrung und maßloser Feindseligkeit jene entarteten Freigeister, die das dem Menschen inbärirende Gefühl für Religion als eine bloße Zllnsion für etwas in ihr Hincingedichtctes hielten, stets gegen die Träger und Pfleger der 'Religion sind zu Felde gezogen, und wie bis ans die neueste Zeit herab ihre Losung war: ״diesem Rcgimentc müsse man den Garaus machen," und wahrlich mau hat Ursache zu bewundern, wie der Thalmild tief in das innere Wesen der Freigeisterei blickend, dasselbe so furz und dennoch so präzis durch die zwei Worte מבזה תה gckcnnzeichnet und karaktcrisirt hat. Obgleich jedoch Maimo's Erklärung für die etymologische Bedentttng des Epikurs als eine verunglückte zu betrachten ist, muß man nichts desto weniger dessen oben angeführte sachliche Definition dieses Wortes als leitende Norm festhalten, um begreifen zu können, warum sowol im Thalmnd, als im rabbinischen Schriftthume häufig die Bcnennungcu אפיקורוס כיין צדוקי als Synonyme gebraucht werden, welches wvl nicht erst des Beweises bedarf. Interessant ist die Ansicht des Tbalniuds"). daß ein von der Häresie sich lossagender Min oder Epikurer sofort stirbt; es erinnert diese Anschauung an die Worte Angelo's bei Shakespeare'"): ״Und solche Reue durchdringt mein wundes Herz, daß mir der Tod willkommener [ scheint als Gnade; ich habe ihnwol verdient und bitte darum." D. Kapitalsünder, zu welchen das thalmudische Zeitalter auch den Häretiker gezählt, fühlt sich, wenn er in sich gehet, vom Bewußtsein seiner Schuld derart dcprimirt, daß er unter der schweren Last derselben zusammenbricht — und stirbt. Ich möchte sogar glauben, daß dieser thalmndischc Grundsatz anch einer Stelle im ZosefuS zu Grunde liege"). Joscfns erzählt nämltch, daß Alexander ZannänS, müde der vielen Eollisionen mit den Farisäern, endlich sich entschloß, ihnen die Hand zur Bcrsöhnnng zu reichen; er versicherte, das Geschehene zu bereuen und gelobte in der Folge ganz im Sinne der Farisäer leben zu wollen: allein die Farisäer waren unerbittlich und unversöhnlich, wiesen alle Anträge zurück, seine geäußerte Rene als eine Scheinrene erklärend: und als er sie seng, was er denn eigentlich zn thnn habe, nin sic zu besriedigen, antworteten sie: Sterben! Wer möchte hier verkennen den farisäisehen Grudsatz: "״כל דפירש ממינות בליית?! Ich tann micb nicht enthalte», bei dieser Gelegenheil ein Bon- »ist wieder zu geben, welches ich in menier Zefchiwazcit von meinem seligen Thalmudlehrer Rabbi Moses Loser gehört. Es lebte damals in Presburg ein wolhabcudcr und sehr gelehrter Mann, der seines freieil Denkens wegen im!linse der Häresie stank. Es versiebet sich von selbst, das! die strenggläubige Welt daselbst ibu wie eilten Ketzer behandelte. Niemand verkehrte mit ihm: teincr betrat die Schwelle seines Hauses; mau mied seinen Umgang, man floh seine Gegenwart. Eines Tages bat er dringend um Entrüe bei Rabbi Svscr, um, wie er vorgab, wichtige Enthüllitngen zil machen. Er wurde vvrgelaffen, und waren seine ersten Worte beim Eintritte in das Zimmer ״Rabbi! Ich habe meine Gesinnungen geändert, bin ein Gläubiger geworden »ud stelle mich Ihnen als ein reuiger Sünder vor!" Kaum er dies gesprochen, fiel ihm R. Sofer in die 'Rede mit den Worten: ״Ihr seid schon wieder tut Epikuroü: denn Ihr glaubet ja nicht, was unsere Weisen lehrten: יל הפריש ממינות מיית; wäre Eure Rene eine ausrichtige, Ihr stündet jetzt nicht vor mir, sondern befändet Euch im Todtcnreiche!" — — — A n in e r k u n g e n. ') Chulin Abschn. 1 S. 15. *') Maimhat hier entweder die berüchtigten römischen Eistinchen, die unter diesem Namen an vielen Orten des Thalmuds so z. B. Sabb. S. 152 u. als ansgelassene ilttd freidenkerische Gesellen dargestellt werden im Sinne, oder vielleicht gar die spanischen Geusen. Das bei der Erzählung von B. Kochb. im M. r. zu Echa vorkommende schwierige Wort: ותאי) dürfte allenfalls גהאי heißen. :l) Hi. Scheck). 4, lli. ') 30111a S. 18 b. -) Zbid S. U> b. ") Sank). S. 90G im Mischna-Komm. 7) Ercch. miliu s. v. Ep. 8) Sank). S. 97 b. ־■') T. Avod. S. 18. n. M. r. Koheleth. S- 85. '") ShakeSpeare's ״Maaß für Maaß." ", Zs. b. j. B. 1. K. 4. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.

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