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Ben Chananja · 1861-12-20 · 51 (20.12.1861) · p. Seite 434

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
51 (20.12.1861)
Date
1861-12-20
Page
Seite 434 (sequence 2)
Language
German
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434 Ich möchte an einigen erläuternden Beispielen zeigen, wie dies geschehen mnsi. Die Bibel unterscheidet zwischen der Echöpsnng und der Anordnung des Weltalls. ״Im Anfänge" wurde die Materie geschaffen, ans welcher dann Himmel und Erde hervorgingen; und nach den lehren der Fisik müssen wir wirklich annehmen, dasi alle Materie im Anfänge der Geschichte geschaffen worden ist, und sich später keine neue mehr gebildet hat. Aber diese Materie war im'Anfang der Zeiten noch nicht in ihrer Universalität organisirt, denn es entstehen noch heutigen Tages vor unseren Angen Weltkörper, welche aus einer Verdichtung dieser Materie entspringen, und diese wird auch nnaushörlich in iffrer Konkretion fortsahren. Wenn aber solche Konkretionen noch jetzt Weltkörper erzeugen und organisiren, so folgt, daß, wenn die Materie im Anfänge aus Nichts hervorgegangen ist, sie erst lange Zeit nach ihrer Schöpfung zur Körperbildnng geeignet wurde. Dieser Prozeß dauert noch im gewöhnlichen Laufe der Dinge fort, und es werden Reihen von Jahrhunderten vergehen, ehe er zu Ende kommen wird. Die Materie überhaupt, und diejenige, ans welcher später die Erde wurde, bildete ursprünglich ein Ehaos. Mit dieser formlosen, dunstartigen Masse sind jene Nebelgebilde zu vergleichen, aus denen sich vor unseren Augen neue Weltkörper bilden. Merkwürdigerweise trennt unter allen Kosmologieen die Genesis allein die primitive Schöpfung der gesammten Materie von ihrer Koordination. Wir bedurften au sechstausend Jahre, um begreifen zu lernen, wie wohl diese Unterscheidung in der Natur der Dinge begründet ist. Denn es ist noch nicht lange her, seit wir die Veränderung der nebelhaften Masse in Gestirne durch ihren BildungS- Prozeß verfolgen können. Dieser von der Bibel gesetzte Unterschied beruht auf zwei durchaus unabhängigen und deshalb um so strenger beweisenden Reihen von Thatsachen. Die erste Reihe enthält die Veränderungen im Raume, welche bei der Verwandlung der Nebelmassen in Gestirne Vorgehen; die andere enthält die Beobachtungen über die Zeit, welche das Licht braucht, um von deu entferntesten Nebelflecken bis zu uns zu gelangen. Der Zeitraum aber ist so bedcnteud, daß, den beobachteten Thatsachen zufolge, der Ursprung, eines solchen Lichtstraleö hunderttausend Jahre vor seiner Ankunft auf Erden gesetzt werden muß. Mithin müssen die Sterne selbst, von denen diese Stralen ausgehen, vor der letzten Gestaltung der Erdoberfläche entstanden sein. Ist nun diese Gestaltung vor sechstausend Jahren erfolgt, so fällt die Bildung jener Sterne in den ״Anfang" der Genesis Der Uebergaug der Nebelbildungen in Gestirne ist nur eine Veränderung, keine Schöpfung der Materie; die Materie ist, wie die Genesis lehrt, seit dem Anfang her vorhanden und wird von der göttlichen Weisheit, wo eS nöthig ist, durch sekundäre Ursachen organisirt. Hat man eingeseheu, daß MoscS die Entstehung der Gestirne so klar begriff, dann erstaunt man nicht weniger,!wenn man findet, dasi er auch die Gesetze ihrer Bewegung j verstand. Er lehrt, daß der stätige Lauf der Himmelskörper! von ihrer gegenseitigen Anziehung und von ihren Entfer- 1 nnngen untereinander abhängt. MoseS hat freilich nicht das Attraktions- und Repnlsionösystem wie Galilei und Newton 1׳ streng wissenschaftlich entwickelt dieses würde nicht ver-; standen worden sein, aber daß das Gesetz der Anziehung I das Grundprinzip bildet, hat er klar ausgesprochen. Die Bibel lehrt <Psalm 104), daß Gott den j Grund der Erde gelegt und daß sie unerschütterlich bleibt, denn er hat sie an ihren Polen befestigt. Sie lehrt, daß die Erde anfänglich ein dnnstartigeS Gebilde gewesen sei, daß sie eine Kugel ist, im weiten Raume schwebend , die Himmel aber bezeichnet sie durch das Wort רקיע Ausdehnung. ' MoscS hat — was gewiß bewunderungswürdig ist — das primitive Licht von dem Sonnenlichte unterschieden, er läßt es diesem um drei Epochen vorangehen; nun hat die Fisik gezeigt, daß sich ans vielen Ursachen große Licht- Massen entwickeln, welche vom Sonnenlichte durchaus unabhängig sind. Die Foösoreszenz der'Wolken, verbunden mit der Feuchtigkeit und der elektischen Sättigung der frühesten Zeitalter, war stark genug, auch vor dem Dasein der Son- : nenstralen Pflanzen zu entwickeln. Aber Moses läßt dieses Licht auch nicht schaffen, sondern auf Gottes Wort ירי אור hervorgchen. In Beziehung aus die Sterne ist Moses den alten Astronomen weit überlegen. Hipparch zählte deren 1022, Ptolomäus 1020; Moses nennt sie unzählbar und bezeichnet also mit einem Worte die unendliche Masse von - Gestirnen, welche im Himmelraume zerstreuet sind. Er ver- , gleicht sie, wie Her sch et und Befiel hatten thun können — ׳ mit dem Sande am Meere, und das ist keine bloße Fräse,!denn die Bibel setzt hinzu: ״Gott nannte sie alle bei ihren Namen." Aber nicht bloS im Großen und Ganzen stimmt die Bibel zu den Entdeckungen der neuern Fisik, sondern auch da, wo sie die uns umgebenden Erscheinungen im Einzelnen betrachtet. Wenn die Schrift von der Luft spricht, so legt sie dieser die Eigenschaft der Schwere :משקי bei (Sprüche Sal. 8. 28). Davon aber hatten Aristoteles und Seneka kaum eine dunkle Ahnung; erst Torrieelli hat eS klar dargethan. Ist die Schwere der Luft nicht deutlich bezeichnet in den Worten des heil. Psalmisten (134. 7): ״der die Wolken läßt aufgehen vom Ende der Erde?" Wie köuneu denn die wässerigen Dünste in die Luft aufsteigeu, wenn die Luft schwerer ist als sie?

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