Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 49 (6.12.1861)
- Date
- 1861-12-06
- Page
- Seite 418 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543072--2375-2546148- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
41H fritif -;cgei! Die Originalität, Eigenthümlichkeit und innere Bildnngö- und Entwickluugskraft des Indenthums erblicken werden. Mögen sie sich bernhigen! Die Originalität des Indenthnms rnbt ans viel zu fester und sicherer Grundlage, als das; dieselbe durch irgend eine dogmengeschichtliche Frage und Untersuchung beeinträchtigt werden könnte. Die jüdischen Seher und Sänger schöpften aus der lebendigen und unversiegbaren Onelle, welche ihnen der Hart Israel'S and himmlischer Höbe hinabrieseln lies;, und nahmen zu fremden Brunnen nienialö ihre Zuflucht. Die Ursprünglichkeit der W a b r!׳eit e n 11. (M e s e tz e, der L e l) r e n ll. Liede r, der SN a : h s cl) 1 ä g e u. E r m a h n u n g e n, d. D r o h lv v r t e und Verheißungen, welche in ihren Schriften niedergelegt sind, kann eben so lvenig geleugnet werden, als der großartige Einfluß, welchen sie ans den Entlvickelnngsgang der gebildetesten Nationen ansgeübt haben. Die innere Bildungskrast beurkundet aber das Indenthum auch dadurch, daß es erlerne Elemente ansnimmt, sich dieselben assimilirt, oder sie wieder abstößt, ohne daß dadurch sein innerer Kern aiterirt würde. Nur einer überreitzteu, krankhaften Emvsind lichkcit widerstrebt eö, eine Einwirkung von außen ans die Anschauungen und Institutionen des Judenthums anzuerkennen. Der Thalmud ist von dieser Empfindlichkeit frei. Er berichtet unbefangen, daß die Namen der Engel und Monate ans Babylon stainmen'ls), wiewol diese Namen schon in den jüngeren biblischen Büchern vorkoinmen. R. I o s e b. Ehalaftha, der kundige Chronograf, findet keine Ursachc, es zu verschweigen, daß das alte hebräische Alfabet mit einem neuen ״assyrischen" vertauscht, und die Thora dieser Neuerung gemäß tranSskribirt wurde. Gegen diese Relation erhob allerdings die nationale Empfindlichkeit ihre Stimme; dies verhinderte aber weder spätere thalmudische Autoritäten, sich die Relation Jose's auzueigneu, noch vcrhindert es die kritische Forschung, die Richtigkeit derselben im Ganzen anzuerkennen' 10). Haben sich aber die alten Lehrer nicht gescheut, Fremdes, dessen Herkunft ihnen bekannt war, als solches zu registriren; wie kann mau der neuern Forschung zumnthen, ein ähnliches Beginnen als unzulässig zu perhorresziren? Auch von praktischem Standpunkte wurde über Untersuchungcn, welche die thalmudische Halacha betreffen, der Stab gebrochen, und zwar selbst von Rapoport, den es tief betrübt, daß die Religiosität des Volkes durch die Kritik beeinträchtiget werde. Wir wollen von dem Umstande absehen, daß das ״Volk" sich um die Kritik wenig kümmerk, und die Kundgebungen derselben kaum der Beachtung würdiget. Wir geben dem ehrwürdigen Rabbi bloß zu bedenken, daß nach seinem Urrheile auch die Häupter und Führer der Ehaßidäer das Recht haben, ihm Vorwürfe zu machen, indem das chaßidäische Volk durch den Nachweis des späteren Ursprungs der Kabbala ebenfalls in seinen Anschauungen beeinträchtigt wird! Bei schärferer Beobachtung des jüdisch-religiösen Lebens wird sich jedoch Hr. Rap.!überzeugen, daß die Praris eben nicht von der historischen Kritik geleitet wird: während sie gegen manchen alten Gebrauch gleichgiltig ist, läßt sie andere jüngere , aber anre gende, wirksame und bedeutungsvolle Einrichtungen in den Vordergrund treten! Die Beantwortung der Frage nach der Genesis des Traditionsbegriffes könnten wir uns sehr erleichtern, wenn wir uns mit der Angabe begnügten, derselbe stamme ans der Zeit nach dem babylonischen Erile, oder aus der Periode des zweiten Tempels, wozu sich dann leicht einige allgemeine Sätze fügen ließen. ״Nach dem babv tonischen Erile", — seltsame Zeitbestimmung, welcher man nicht selten selbst in der neuesten Literatur begegnet! Dieselbe sagt ungefähr so viel, als wenn der Erzählung irgend einer historischen Thatsache die Bemerkung beigefügt wurde, die Geschichte habe sich nach den Kreuzzügen zngctragen! Um in der Religionsgeschichte zu genauerer chronologischer Abmarkung der Thatsachen zu gelangen, wird man sich stets zu vergegenwärtigen haben, daß der Zeitraum vom babylonischen Erile bis zur Zerstörung des Ierusalemischen Tempels durch die Römer in die chaldäische, persische, grie-! chische, hasmonäische und römische Periode zerfällt, aus deren innerer Beschaffenheit dann die Kriterien für die einer jeden einzelnen Periode zuzuwejsenden geschichtlichen Elemente entnommen werden müssen. In der griechischen Periode, welche wir hier zunächst im Auge haben, und wol auch in der unmittelbar darauf folgenden Epoche der Makkabäer erhielten die fremden Begriffe und Anschauungen nur unter der Bedingung das jüdische Jnkolat, daß sie sich national!- sirten. So konnte zwar die Fülle und Signifikanz der biblischon GottcSnamen die Aufnahme des ans Alerandrien eingewanderten ronos als Benennung des höchsten Wesens nicht verhindern; aber dieselbe wurde in UNPV übersetzt. In sOT Artikel, Abschnitt läßt sich eben so leicht das griech. h6sX0v erkennen, als sich die ygaiyr■ oder der Heiratskontrakt in כתובה zu erkennen gibt. Jüdische ASketen (ucrxTjTta) treten als אנשי ייעשה ausUnd nicht nur einzelne Begriffe auch ganze Sprüche und Sentenzen! wurden dem Griechischen entnommen. Ob dies rücksichtlich deö Spruches R. Tarfon'S ״der Tag ist kurz und die Arbeit lang" der Fall sei, wagen wir nicht zu entscheiden; die Möglichkeit einer unmittelbaren Entlehnung von Hippvkrat wird Niemand leugnen. Dagegen ist nicht nur das bekannte Sprichwort von der Geheimnißverrätherei des Weines griechischer Abkunft, sondern auch die Sentenz: ״Was dir