Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 48 (29.11.1861)
- Date
- 1861-11-29
- Page
- Seite 416 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Nun muß im gerechten ZorneS-Eiser über die Kärolhi'schcn Propofitioncn Ihnen entgangen sein auf was und was I)r. M. dem Grafen zugcsagt. Sie werden überhört haben, daß als Graf K. als Obstakel der unbedingten Emanzipation auch die Befürchtung Massen- Hafter Immigration aufgebracht, ihm Di־. M. gesagt, daß jeder polizirte Staat, in spczic Preußen, dessen Institutionen er genau kenne, gewisse festgesetzte Normen und Konditionen für jeden Einwanderer, welcher immer Konfession habe, und dies also nicht ans Inden allein anwendbar sei. Auf die Aufforderung des Grafen nun, diese Normen und Bedingungen ihn wissen zu lassen, hat Dr. M. zngesagt, selbe zusammen zu stellen, unter welchen Preußen welche immer Immigranten zur Erwerbung dcö StaatöbürgerrechtcS znlasse. Dies, und nichts Anderes. Das wird Ihnen jeder Konferenz- Mitglied als wahr bezeugen. Es geht demnach meine Bitte an Sic dahin: Wollen Sie die Freundlichkeit haben, diese getreue Ncktifizirnng des Geschehenen in Ihr Blait, auf einem, Ihnen am besten bekannten Modus cinzubringen, mir aber in einer Zuschrift, die ich mir von Ihnen erbitte, die Richtigkeit meiner Auseinandersetzung;uzugestchen. Dt cmn justa petenti non esset dencgandus assensus, so erhoffe ich, von Ihrem »ngczweifelten, stets verehrten RcchtSgcfühlc, daß Sic die Bitte gewähren werde» Ihrem steten Verehrer und Freunde Leo Holl ander. Nachbemerkung der Redaktion. Zu meinem tiefsten Bcdanern muß ich incincm verehrten Freunde widersprechen, und in dem vorliegenden Falle meinem Gedächtnisse mehr Vertrauen schenken, als dem seinigen. Meine Darstellung wird zunächst durch daö Stillschweigen des Herrn Dr.'s Meiscl bestätiget, dem ja sein eigenes Journal zu Gebote steht, sich zu rechtfertigen. Hr. Dr. M. erinnert sich ohne Zweifel lebhaft, daß er die vorzunchmende Klassifikation der ung. Juden mathematisch zu versinnlichen suchte, indem er mit einem Bleistifte nicderschrieb : l -l; 2-2, daö niedcrgeschricbcne im Sinne der von dem Grasen Knrolpi gestellten Proposition dahin erläuternd, daß die jüdische Intelligenz der christlichen, der jüd. Besitz dem christlichen Besitze gleichgestellt, und ein Unterschied ztvischen Ehristcn und Juden nur in Bezug aus die übrigen Klassen obwalten werde. Bei dieser Auseinandersetzung war der später zur Konferenz gekommcne NeichStagSdepntirtc Jckelfalusy ebenfalls gegenwärtig. Herr Dr. M. kann unmöglich vergessen haben, daß ich nach der Konferenz in ihn drang, den mich erwartenden Wagen zu besteigen, und dann die Worte an ihn richtete: ״Sie kennen die Verhältnisse nicht, darum scheinen Sie auf die Propositionen eingehen zu wollen; Holländer und ich werden sich ans derlei Unterhandlungen nicht einlassen." Allein abgesehen von all dem zeigt ja schon der offenkundige und unleugbare Vcrlauf der Angelegenheit, daß bei der Konferenz irgend etwas »> 1t ß versprochen worden sein, was man später w e d e r halte!!, noch eingestehen wollte. Nachdem nämlich in der jüdischen Notablcnversammlnng (18. April) der bekannte Artikel der ״ungarischen Presse" vorgelesen worden war, beschloß die Versammlung ans Antrag Schlesinger'S aitö Kecökcmüt, daß die Konferenz-Mitglieder dem Artikel in demselben Journale mit einem entschiedenen Dementi entgegentreten sollen. Ich habe auch meine Erklärung augenblicklich niedergcschrieben, und an die nng. Presse gesendet, aus welcher dieselbe in die übrigen ungarischen Journale überging. Warum hat Dr. M. Anstand gcnommen, den Beschluß der Versammlung, der doch jedenfalls sach- und zeitgemäß war, zu realisircn? Der Brief, den er mit den andern Konferenzgliedern an den Gr. K. richtete war ganz überflüssig, und hat die Angelegenheit verwirrt, statt dieselbe aufzuklärcu. Ferner ist es unbegreiflich, warum Herr Dr. M. in Folge des mchrcrwähnten Zcitungsartikels seine Aufgabe gänzlich fallen ließ. Wenn Herr Dr. M. eine Klassikation versprach, wie er denn dies auch wirklich gcthan, ist es erklärlich, daß er nach dem Erscheinen des ArrikelS in der ung. Pr. und Angesichts der ungeheuren Aufregung, welche derselbe hcrvorrief, seine Mission fallen ließ, und den Gr. K. besuchte, um ihm die Unaussührbarkcit der übernommenen Mission darznstellcn. Wenn er aber nichts Anderes zusagte, als einige Notizen zum Behuse eines Einwanderungsgesetzcs; warum hat er diese seine höchst nuschnldige Ausgabe nicht gelöst? Warum hat er hierüber keine weitere Berathung gehalten? Warum hat er dem Grafen nicht die versprochenen Notizen überreicht? Daö von Herrn Holl, mitunterzcichncte Pcstcr Protokoll stellt allerdings den Sachverhalt so dar, wie er in dem vorliegenden Schreiben des Hrn. H. dargestcllt wird. Es wäre aber eine säst kindische Illusion, zu glauben, daß dieses Protokoll alle diese Fragen niedergeschlagen habe. Das Pcstcr Protokoll war bereits gedruckt und verbreitet, als von Vcüprim ans ähnliche Fragen, wie die so eben gestellten, aufgeworfen wurden, und zwar nicht im ״Ben Ehananja", sondern im Earmcl, dem Blatte des Hrn. Dr. M.! Und der betreffende Korrespondent hatte daö Pcstcr Protokoll vor Augen (Earmcl Nr. 20 S. 158)י Bei Konstatirung geschichtlicher Thatsachcn kommt cs vor Allem aus die Beschaffcnhcit und den Zusammenhang der einzelnen Umstände an, nicht ans die Zahl der Zeugen, die sieh leicht irren, oder besangen sein könneu. In dem vorliegenden Falle ist unser Freund Herr Holländer nicht Zeuge, sondern Partei, indem er ja seinen Namen unter daö Pcstcr Protokoll gesetzt hat! Andererseits wird cs der Unbefangene sebr crllärlich finden, daß dem Herrn Dr. M., der aus Preußen nach Pest kam, die Verhältnisse seines frühem Vaterlandes vorschwebren, und daß nach all dem, was er von dem Gr. K. hörte, besonders das Herzogthnm Posen in den Vordergrund seiner Erinnerung trat, wo noch das Gesetz vom 23. Juli 1847 naturalisirte und nicht naturalisirte Juden unterscheidet, und die Natnralisatiou so ziemlich von denselben Bedingungen abhängig macht, von welchen in der Konferenz die Emanzipation abhängig gemacht wurde (S. 8- 25 d. erw. Ges.). Man hat nicht gehört, daß die Poscn'sche Iudenschasl das Gesetz znrückgewiesen und ans purem demokratischem Glcichhcusgefühle aus alle und jede Naturalisation verzichtet hätte, weil dieselbe nicht Allen zugestanden wurde! Wenn ich trotz dem von einer Emanzipation nach Klassen nichts hören wollte, und den Dr. M. vor einer Mitwirkung zu diesem Zwecke warnte; so wurde ich dabei nicht nur von der Ueberzengung geleitet, daß das Klaffenproiekt eine Ungerechtigkeit involvire, sondern auch von der Ueberzengung, daß die Eiiuheilung in mehr und minder berechtigte Klasscu für die nng. Juden ein viel größeres Unglück wäre, als selbst eine Verzögerung der Emanzipation, was cch auch dem Gr. K., nachdem er von gewissen Eventualitäten gesprochen haue, geradezu erklärte. Herr Dr. M. kann hierin anderer Meiunng sein, wie er denn in der Thal mindestens anderer Meinung war. Die Veröffentlichung des ganzen Herganges mußte erfolgen, weil die Verdächtigung, als hätte sich die Konferenz mit Projekten religiöser Reformen beschäftigt, nur dadurch auf immer zum Schweigen gebracht werden konnte. Szegedin, Verlag von Ajgmund ünrgrr. Leipzig, Lommissions-Verlag von Franz Wagnrr. Druck von Ligm'lnb Burger ui So