Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 44 (1.11.1861)
- Date
- 1861-11-01
- Page
- Seite 382 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Mikn e Abraham von Abraham Serrano. Salonich unter der Regierung Abdul Medschids, 1858 (das Ehronogramm gibt 623, was nicht anders aufgelöst werden kann, als indem man 5 für die Tausende abzieht). Fol. Zudem ich dieses große enzyklopädische thalmudische Werk zur Anzeige bringe. beabsichtige ich blos auf die Gristenz desselben hinzuweisen und cS bibliografisch zu beschreiben. Seiner Form und Anordnniig nach schließt es sich den Werken von Zs. Lampronti und Maleachi Eohen an, und zersällt in zwei Theile. Der 1. Theil ans 61 Folio Blättern in Doppelkolnmncn bestehend, enthält in alfabetischer Ord, niing 325 Schlagsätze über □חידושי דיני denen sich einige Regeln über die Werke der Geoniur, des Alfasi, Raschi, Jakob Tam, Maimonides, Abraham b. David u. s. w. anschlicßen. Der 2. Theil 95 Bl. enthaltend 465 Nummern gleichfalls alfabetisch geordnet über כללו התלמוד• Der Berf. hat eine immense Belesenheit, und sein Werk erhält dadurch einen besondern Werth, daß er viele R.-G.-A. der morgenländischen Rabbincn zitirt, die in Europa höchst selten sind. Ich mache beispielsweise aus den Artikel אין ב״ד יכול לבטל דברי ב״ד הבירו וכל' aufmerksam, der von großer Tragweite ist. Das Werk ist allen Freunden der Wissenschaft zu empfehlen, und eine typografisch schöne und billige Ausgabe in Quart oder Oktav für europäische Länder wäre sehr wünschenSwertb. Dr. Iellinek. R « p li f). Euer Ehrwürde«! Verehrter Freund! Ihre Bemerkungen über meine Schrift habe ich mit derselben Unbefangenheit gelesen, mit welcher Sie nach meiner Ncberzeugung dieselben niedergeschricbcn, und es freut mich herzlich, daß Sie Berehrtester, Ihre Meinungen darüber offen ausgesprochen. Nur erlaube ich mir Betreff dieser Besprechung folgendes anzubringen. — Vor allem glaube ich den Vorwurf, als seien mir die meinen Gegenstand betreffenden Untersuchungen von Zost, Frankel, Grätz, Geiger gänzlich unbekannt geblieben insoferne abwälzcn zu müssen, als er mich wenigstens nicht in seinem ganzen Umfange treffen kann. Namentlich Jost's und Grätz's Arbeiten über jene Frage waren mir so gut bekannt, als irgend einem, wenn ich auch aus diesen oder jenen Gründen in meiner Schrift davon nicht Gebrauch gemacht habe. Für die Berichtigung der in meinem Aufsätze vorkommenden Notiz über Zerubabel und Esra als Mitglieder der ״großen Synagoge" meine» verbindlichsten Dank. Leider waren mir die große Synagoge bezüglichen trefflichen Artikel des ״Ben Chananja" damals unbekannt. Was jedoch Ihre Bemerkung zu meiner Ansicht, daß ״Esra die Seele der Konstituirnng des Kanons in seiner uns überlieferten Gestalt war", betrifft, so beruht dieselbe jedesfallö auf einem Mißverständniß. Nach den auf S. 12 meiner Schrift Vorkommenden Worten: ״daß vor dem Erile das Gesetz Moses, die ,ת1רך u. s. w" ist ersichtlich, daß ich unter dem Kanon eben nur den Kanon im engsten Sinne also d i e 5 B ü ch e r Moses, die ״Thora", nimmer aber den ganzen Kanon gemeint hebe. Das Danielbuch hat also mit dieser Frage nichts zu thun. — Was die mir zum Vorwurf gemachten etwas herben Ausdrücke betrifft so waren sie eben nur auf jene Auswüchse gemünzt, von welchen kaum irgend eine Religion *) S. oben Nr. 42. S. 364 ff. der Welt frei ist. Daß ich selbe dem ganzen Judenthume. der jüdischen Literatur im allgemeinen, zugcdacht, wird mir kaum Jemand znmuthen, der meine innige Hingabe für diese Literatur kennt. Ich danke Ihnen herzlich, Hochverehrter, für das anerkennende ermnthigendc Wort, das Sie mir für mein redl. Streben gespendet. Es soll mir stets ein Sporn sein, dem Schriftthume jenes Volkes, das im Alterthum durch seine echte Geistesbildung alle anderen Völker weit überstrahlte und von welt-historischer Bedeutung ward, meine besten Kräfte zu weihen und nach Redlichkeit beizutragen zur Beseitigung des noch ziemlich allgemein verbreiteten Wahnes, eö sei diese Literatur kaum mehr als eine Parialiteratur. Einen traurigen Beweis solcher verkehrten Anschauung Haber! wir erst kürzlich erlebt. Wer die Unmoralität des Thalmud zu behaupten nicht ansteht, der hat die Fülle der Ethik, die dieses Niesenwerk durchweht, nimmer begriffen. Ein Werk, daß einen solchen Schatz birgt, wie ״die Sprüche der Väter" ist über einen solchen Vor- Wurf erhaben. Hat za doch Lightfoot in seinem berühmte» Werke sich nicht umsonst Mühe gegeben, so manchen Satz des neutestamentlichen Kanons, das unsere Bewunderung erregt, aus den Ansichten der Rabbincn zu deduzircu. Und diese Männer sollten ein nnmoralisches Gebäude aiisgeführt haben? Die Mikrologic des Thalmud habe ich selbst gerügt, gegen den Vorwurf der Unmoralität muß ich mich erheben. Di׳. Alois M rille r. Miszellen. XXV. Moderne Zensur. Im Jahre 1854 schickte ich das von mir edirte Sendschreiben Alami's nach Wilna. Es blieb lange auf dem Wege und kam endlich an mich zurück nach Leipzig, reichlich ausgcstattet mit den schwarzen Zensurstrichen. Dieses Eremplar bleibt ein Kuriosum, und zur Ergötzung der Leser des ״Ben Chananja" will ich einige kleine Proben mittbeilen. S. 10 ermahnt der Verfasser die Juden, daß sie anständig und würdevoll im Gotteshause sich benehmen sollen: betrachte Dich, ruft Alami aus, als stündest Du vor einem Herrscher aus Blut und Fleisch wie Du. Hier wird also die irdische Majestät sehr gehoben. Die Zensur strich das בשר ודם und ließ stehen מושל כמותך! S. 16 warnt der Vcrf., daß die spanischen Juden sich nicht bekehren lassen, daß sie lieber auswandern und ihr Hab und Gut zurücklassen sollen. Die Zensur strich so viel, daß die Worte übrigblieben: .הוי עז כנמר וקל כנשר ורץ כצבי על כליך והמדת קניניך Also das gerade Gegentheil. S. 17 richtet der Verfasser strenge Worte an seine Brüder über Züchtigkeit und Sittlichkeit, und bemerkt unter Andern בבת אל נכד אל תהלל בריתך. Die Zensur strich die ersten drei Worte!! S. 22 wird der 1. Vers aus Kap. 9 des Profcten Hosea angeführt; der unwissende Zensor strich in dem Satze אל גיל כעמים das letzte Wort!! Also auch die Bibel muß sich der Willkür einer ,»!wissenden Zensur fügen! Wer sich die Mühe nehmen wollte. die von der italienischen Inquisition gestrichenen Stellen in hebräischen Druckwerken zu sammeln, würde ein interessantes Material für die allgemeine Kulturgeschichte liefern. __ vr. Jellinek. Szegedin, [ Leipzig, Verlag von Ajgmund Lnrger. j Lommisstons-Verlag von Fra«) Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.