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Ben Chananja · 1861-11-01 · 44 (1.11.1861) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
44 (1.11.1861)
Date
1861-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 44. Szegrdi«, den 1. November 1861. WKchLU!r!sM MlMWW. für Mdische TheslsHie Vierter IMrgrmg. 4jcraus1]cfic1 and Redakteur: L. Low, Nerrakkiaer za Szegedin. Jeden Freitag erscheint ein ganzer Bogen. Praniimerattonspreig: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 kr., viercljährig 2 fl. österr. Währ. Man abonnirt bei allen Postämtern und Buch- Handlungen des In- und Auslandes. Manuskripte find an die Redaktion zu senden. Inserate find an den Verleger S. Burger in Szegedin oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitzcile wird mit 10 Nkr. --- 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Religion. V. Prof. Jeiteles in Arad. — Ein merkwürdiges Aktenstück aus dem 16. Jahrhundert. Mitgeth. v. Prof. Stößel in Brünn. — Korrespondenz. (Ausland). Mannheim. — (Inland). Wien. — Szcgedin. — Vüsürhely. — Litcrärische Anzeigen. Landsbergerö Fabeln v. SofoS. Angezcigt von Leop. DukeS. — Serranos Mikne Abraham. Angez. v. vr. Jellinek. — Replik. V. l>r. Müller. — Miszellen. Moderne Zensur. V. vr. Jellinek. Zleligio»,?)ereil Legrijs, l£111|lcf]«ng uni) .forlßiföung. V. Leo Jciteleö, dirigirendem Religionslehrer an der Aradcr israelititischen Real-Schule. (Fortsetzung n:׳.d Schluß*). Der Kampf zwischen freiem Denken und äußerer Antorität, d. i. dem blinden Glauben u. willenlosem Nachhängen der Meinung anderer und vorzüglich im Gebiete des Religiösen, ist zwar schon ein uralter. Wir finden ihn nicht nur bei den Kirchenvätern der Christenheit, sondern auch bei den Lehrern der rabb. Schulen, wo mit der finstersten, verknöchertesten Anklammerung an das überlieferte Wort die freieste, heiterste Vernunftanschauung im Streite lag; aber zum vollen, klaren Bewußtsein der Prinzipien kam man erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts, wo der freie Geist die Fesseln der starren Orthodorie durchbrach. Es war dieser Geist dem damaligen europäischen Leben eigenthümlich. Der Geist der freien, verständigen Reflerion war zur Reise gekommen, machte sich in allen Richtungen des Lebens geltend, u. zog auch unwiderstehlich d. Theologie mit sich fort. Es war das Jahrhundert der Aufklärung. Da trat auch die Idee des R a t i o n a l i ö m u s o d e r V e rnunftglaubens auf den Schauplatz. Die Rationalisten, zu denen auch unser unsterbliche Mendelssohn gehörte, suchten das Dasein Gottes und die Unsterblichkeit der Seele durch Schlüsse aus dem Gange der Natur abzuleiten. Andere wie Rousseau, Fichte, Jakobi und Hegel drangen tieser ein, und bewiesen aus unserm Geiste selbst und aus dessen innerer Offenbarung die Geistigkeit Gottes und der Seele, und begründeten darauf die Forderung des Glaubens an Gott und die Unsterblichkeit der Seele. Diese Lehre des Rationalismus war aber nur das Eigenthum weniger Erleuchteten, und wie jede Wirkung auch eine Gegenwirkung hervorbringt, so konnte es auch nicht fehlen, daß sich dem Rationalismus gegenüber eine andere Gegenansicht geltend machte, und zwar die des Supranaturalismus oder der Offenbarungslehre. Die vorzüglichsten Einwendungen gegen den Rationalismus waren: wozu die Nothwendigkeit der Annahme eines Gottes, wenn die Natur selbst ihr Gesetz ansspricht? Wenn der Mensch als freies Wesen sich selbst Gesetze gibt und als solches seine Selbstbestimmung geben muß; wozu eine Gottheit? Warum die Gottheit außer uns setzen; da wir sie als freie Wesen in uns tragen? Der menschliche Geist ist des Menschen Gott, wir müssen das Gute thun weil es gut ist, und aus keiner anderen Ursache, wie man es in den kantischen Lehrsälen hört, wozu also ein Gott? Der Rationalismus macht also den Glauben an Gott entbehrlich, und ist daher verwerflich. Andere bestritten denselben von praktischer Seite. Da uns die V e r n u n f t r e l i g i o n die höchsten Wahrheiten nur muthmaßen, ahnen, glauben läßt, uns aber darüber keine Gewißheit verschafft, so fehlen auch die nothwendigen Triebfedern der Sittlichkeit. Wenn, sagten sie, selbst die Filosofen im Kampfe mit der Sinnlichkeit unterliegen, wie soll nun die Vernunstreligion auf den Willen im Sturme der Leidenschaften einzuwirkeu vermögen? Sokrates hat gewiß das erhabenste System derselben aufgestellt, und es durch sein Leben und seinen Märtyrertod besiegelt, und doch haben *) S. die vor. Nummer.

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