Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 43 (25.10.1861)
- Date
- 1861-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43. Hzegedin, den 85. Oktober 1861. UM«! MMMM. fir MÄische ThesisHi Vierter IrckrSrrng. 4)e111usye6er uni) Ma&teur: L. Löw, X>6erra66ta0r zu Szegediu. Jeden Freitag erscheint ein ganzer Bogen. Prannmerationspreis: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 kr., viereljährig 2 fl. österr. Währ. Man abonnirt bei allen Postämtern und Buch- Handlungen des In- und Auslandes. Manuskripte find an die Redaktion zu senden. | Inserate sind an den Verleger S. Burger in Szegedin oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitj zeile wird mit 10 Nkr. — 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Religio». B. Prof. Jciteleö. — Die Sprache der Vögel. B. L. DnkeS. — Thalmudischc Sprachforschung und AlterthumSkunde (Teratoskopic). V. Herauög. — Korrespondenz. Straßburg. — Literärische Anzeigen. LaudöbergerS Fabeln v. SofoS. Angezeigt von Leop. DnkeS. — Miszellen, lieber Gssäer. V. vr. Jellinek. , Äcrcn .Bcjtilf, (E11l(lcf)m1j| niib' """ ... V. Leo Icireles, dirigcndem Rcligionslehrer an der Araber israelititischen Real-Schule. Das Wort Religion ans dem lateinischen reifere bedeutet ursprünglich eine Verbindlichkeit und;war Vorzugsweise des Menschen gegen daS Urpriuzip; und obschon der Name von den Römern abstammt, so ist doch der Begriff so alt als Der Mensch, mW als daS Verhältniß desselben zu seinem Schöpfer. Die Wahrnehmung dieses Verhältnisses können wir aber nicht von Außen erhalten; sie gründe: sich vielmehr auf eine dem Menschen inwohnende geistige Anlage, die wir von ihrem Vermögen, das Innere w a h rzunehmen oder zu vernehmen, die Vernunft nennen. So wie nämlich der Mensch zur Wahrnehmung sinnlicher Eindrücke äußere Sinneswerkzenge — den äußeren Sinn — besitzt; so innwohnt ihm auch vermöge seiner geistigen Natur ein Vermögen, übersinnliche Gegenstände, nämlich Ideen oder innere Bilder (von dem griechischen Worte tiäog) wahrzunehmen, welches Vermögen wir daher auch im Gegensatze zum äußeren Sinn, den innern Sinn nennen. Zu diesen Ideen oder Vernunftswahrnehmungen gehören vorzugsweise: die Ideen von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit der Seele. Diese Festhaltung der Begriffsbestimmungen von Vernunft ist um so wichtiger, da ihre Verwechslung mit V e r ft a n d so vielen Anlaß zu den größten Verirrungen gegeben hat, und die vorzüglichste Quelle der Jrreligiösttät und der Zweifelsucht (Skepticismus) selbst in Bezug auf die höchsten Wahrheiten geworden ist. Die Aussprüche der Vernunft, wenn sie durch die Erziehung zweckmäßig erregt und geleitet werden, sind an und für sich wahr, heilig nnd göttlich, und unterliegen nicht dem Irrthume, sie werden nicht erst hervorgebracht und künstlich zusammengesetzt, sondern sie sind ursprünglich; daS Bild stellt sich durch das geistige Auge dem Znnern als Vollendetcs dar, so wie das sinnliche Auge einen äußern Gegenstand wahrnimmt, selbst wenn man sich, wie eS bei den Ungebildeten der Fall ist, auch von den Bedingungen, die diesem Bilde und ihrem Eindrücke auf das Zentralorgan zu Grunde liegen, keine Rechenschaft zu geben vermag. Darum finden wir auch in der Bibel keine Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, da diese Idee bei vernünftigen Wesen vorausgesetzt wird; nur vor dem Aberglauben der Geisterbeschwörung, die doch die Unsterblichkeitsidee voraussetzt, wirb gewarnt; ja selbst die Lehre von der Eristenz der Gottheit ist ans demselben Grunde darin nicht vorhanden, sondern es wird nur die rein geistige Persönlichkeit Gottes und sein spezielles Verhaltniß zu Israel gelehrt. Ebenso wird die Freiheitsidee vorausgesetzt, und nur auf ihre Richtung zum Guten hingearbeitet. Ganz anders aber ist es mit dem Verstände, welches Wort von dem Zeitworte stehen abgeleitet ist, weil er den Begriff durch daS Wort gleichsam zum Stehen bringt, festhält. Seine vorzüglichsten Funktionen sind, wie bekannt, die Bildung der Begriffe, Urtheile und Schlüsse. Da aber die Schlüsse aus Urtheilssätzen gefolgert werden, diese aber in Worten gekleidete Begriffe als Grundläge haben; so läßt sich leicht begreifen, daß bei einer falschen Anwendung dieses Wortgewandeö, daS als ein rein Formales dem Mißgriffe und der falschen oder unklaren Auffassung unterliegt, die auS diesen Sätzen gefolgerten 0628 592111