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Ben Chananja · 1861-10-18 · 42 (18.10.1861) · p. Seite 366

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
42 (18.10.1861)
Date
1861-10-18
Page
Seite 366 (sequence 8)
Language
German
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366 An verschiedenen Stetten d. Abh. (wie S. 6, 37) wird gegen die Mikrologie d. Thalmud zn Felde gezogen nnd ans die von dieser Mikrologic freien Evangelien hingrwiesen. Seltsames Verfahren! Wem könnte es wol in den Sinn kommen, ein Kind zn preisen, weil es von Unarten frei ist. deren nur das Manncsaltcr fähig ist? — Das Indenthum war zur Zeit, als die Evangelien ciltstande», alt genug, um eine Kasuistik erzeugt z» haben. Griechen und Römer hatten ebenfalls ihre Kasuistik, wie aus Cirero'S dritten Buche von den Pflichten klar zn ersehen ist, wie denn kasnistischc Erörterungen auch in der chincstschen, indischen und mohamedalnschen Welt einheimisch sind. Das Ehristcnthum hingegen war znr Zeit der Abfassung d. Evangelten noch viel zn jung, »m schon eine Kasuistik besitzen zu föittteit * Als Petrus Lombardus schrieb, war dasselbe noch lange nicht so alt' wie das Judcuthilltt zur Zeit der Apostel; konnte es sich aber damals auch noch der Freiheit von Kasuistik nnd Mikrologic rühmen? Haben nicht alle Kasuisten, von Petrus Lombardus bis aus Gabriel Biel über die Frage gestrirteu, was mit einer Maus anzusangen sei, welche eine geweihte Hostie gefressen hat*)? Gleiche Faktoren riesen im Ehristcnthume dieselben Wirkungen hervor, die sie früher im Judenthnmc hervorgcrufen hatte». Die jüdische Mikrologic hat den Geist der Thora und der Profctcn verkannt; welcher Unbesangcne wird dies lengncn? Aber die christliche Mikrologie hat denselben Geist verkannt, ohne durch das Evaiigeliuni vor Berirruiigeu bewahrt zu werben. Wozu also Jnkcimi- Nationen wiederholen, welche einem von der Wissenschaft längst überwundcncn Standpunkte angehöreu? Die Behauptung , daß die Jude n ״einem fruchtbringenden Anschlicßen" au ״die fortschreitende Bildung unzttgänglich waren (S. 30)" wird im Altcrthume besonders von den Alctandriuischcn, im Miltclalter von den spanischen und italienischen, und in der Neuzeit von allen westeuropäischen Juden so glänzend widerlegt, daß wir uns hierüber jeder weitern Bemerkung enthalten zu dürfen glauben. Einen eigenthümlichen Eindruck macht es aber auf den jüd. Leser wenn in der fatf. Akademie zn Wien von ״Fortschritten der Zeit", von ״Postulateu der allgemeinen Kultur", von ״dem sozialen Leben des EhristeiuhumS nnd seiner frei aufstrebenden Bildung" die Rede ist, welche das jüd. *) Petitorimn exhortatoriuiu pro Resolutio super grossis quibusdam dubietatibus et quacationibus.3er. Iraker Wilhelmus de Stutgardia. Tubingae 1504. 4. Ferner: Mas excuteratus, hoc est, tractatus valdc niagistralis, super quaestione quadam theologicali.'Pub. 1503. 4. TraditionSwcscn nicht überwinden konnten. Der wackere u. gelehrte Vers, hatte wol keine Kunde von de» ״Tolerirteu", ״den blauen Zetteln", den ״Familiantcn", der ״jiib. Verzehruugs- und Sabbatlichtstcucr" und all den namenlosen Plackereien; denn diese Institutionen flößen wol nicht ans dem ״starren jüd. TraditionSwcscn", welches durch die Hartnäckigkeit der Juden den ״Fortschritten der Zeit" nicht ״zum Opfer gebracht werden konnte!" Wir kennen Herrn Dr. Müller als einen viel zu einsichtsvollen, wahrheitsliebenden Gelehrten, als daß wir fürchten sollten, er würde unsere sreimüthigeii Bemerkungen mißdeuten. Wir wünschen seinen verdienstlichen Forschungen das beste Gedeihen, und wird cs uns stets zu wahrer Befriedigung gereichen, die Ncsnltatc derselben den Lesern d. Bl. vorsühren zu können. Wir köuneii aber auch den Wunsch nicht nnterdrücken, daß die Besprechung jüd. Zustände und jüd. Schriftwerke im Schooße der silosofisch-bistorischcu Klasse der k. k. Akademie der Wissenschasten zn Wien in der Folge stets eine wahrhaft filososische Anschanung rcligions-geschichtlicher Thatsachcn und Entwickelnugen ver rathc, nnd jede Replik von unserer Seile unnöthig mache. Miszellen. xxm. In einem Handschriftlichen Kommentar des Schc'eltot des R. Achai sindet sich folgende Leseart.- אגךא ךתר טמא mit folgenden erklärenden Worten: בירח האבר־1 ויוצא מאט״בה כיצר טי״ר־ז סמוכה לאלף הרי אט, נדם סמוכה לבית הרי בם, אלף כטובה ־1מד הרי אל־1 באלב״ם•^ In dieser Handschrist findet sich nur der Kommentar aber nicht der Scheeltot selbst. Daß in der Handschrift des Scheeltot st'cb die Leseart ט?(מא findet, haben wir bereits anderwärts angcmcrkt **). Diese Lesearl findet sich auch in den R.-G.-A. d. Gconim Ed. Berlin <S. 22 Nr. 74) und aus diesem Gutachten hat Jsak bei! Giatb diese Erklärung genommen. Er scheint, daß die gewöhnliche Lekcart טמיא richtiger ist. Lcop. Duke s. *) Daß diese Erklärung keinen filologischen Grund hat, bedarf keiner weitern Nachweisung. Es mag hierbei auch gelegentlich bemerkt werden, daß Julius Eacsar einer Art Geheimschrift sich bediente, Ivelche dem אוזנ״ש gleich war. (Suetonius in Caesar 8- 50). **) Bergt, unsere Rabbinische Spruchkunde S. 63. JE MM. « d M^ LM Jk d. ]Eionlmrs. An der von der Großwardeiner Nag^ar-zsidO közseg am 1. November l. I. zu eröffnenden 3-klassigen Hauptschule sind folgende Stellen zn besetzen 3 Lehrerstcllen mit jährlichem Gehalte von 500 fl. l Hilfslchrerstelle ״ 300 ״ ״ ״ l Jndttstrieschullehreriustelle ״ 400 ״ ״ Die allfälligen Bewerber werden darauf aufmerksam gemacht, daß an der hiesige» Hauptschule die Untcrrichtsgegenstände ausschließlich in ungarischer Sprache vorgetragen werden, wcßhalb von den Belresfenden die erakte Kenntniß der Landessprache gefordert wird. Die u, ungarischer Sprache verfaßte», eigenhändig geschriebenen Gesuche. belegt mit authentischen Zeugnissen über Hauptschullehrersbefähiguug. über Kenulniß der hebräisclien. ungarischen nnd deutschen Sprache, moralisches Betragen, und über Familienverhältniffe. sind bis Mitte Oktober l. I. au die gefertigte Gemeindevertretung Franko einznsenden. Groß w a r d e i n, 25. September. Die Berlretuug der Großwardeiner Magyar-zsidö közslg. Konkurs. An der hiesigen Hauptschule sind zwei Lehrerstellen zu besetzen. Jährlicher Gehalt: 500 fl. ö. W. Kouknrözeit bis zum 25. d. M. Szeged in, 5. Oktober 1861. Der B o r st a ü d der israelitische» Kultus-Gemeinde. Leipzig, 6o111»1issl0»s-Vcrlog von Front Wo gurr. Szegedin, Verlag von Zlgiiiund Lurgrr. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.

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