Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 41 (11.10.1861)
- Date
- 1861-10-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«r. 41. Szegedin, den 11. Oktober 1861. VschFUblM MamM. ir Mische TheslsZie. Vierter IrckrgrmS. 4}eraus1jet>CL־ unö 3lel)af1tcur: L. Löw, ßößrraölniier 511 äzegedin. Jeden Freitag erscheint ein ganzer Bogen. Pränumcrationspreis: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 fr., viercljährig 2 fl. östcrr. Währ. Man abonnirt bei allen Postämtern und Buch- Handlungen des In- und Auslandes. Klanuslrriplc sind an die Redaktion zu senden. Inserate sind an den Verleger S. Burger in Szcgedin oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitzeile wird mit 10 Nkr. — 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Reaktion und Emanzipation. V. HeranSg. — Die Synagoge v. Di. Dnschak. — Beiträge zur thalm. Sprachf. und Altcrthumsfunde- V. Dr. Hübsch. — Korrespondenz. (Ausland). PholSbourg. — Im Lager Arlington. — Koblenz. — Berlin. — (Inland). Lemberg. — Wien- — Arad. — Szegedin. — S.-A.-Ujhely. — Miszellen v. Rabb. M. Fein und Tobias Horowitz. .)!faliliim uni) (tiium^iiatiou. 11. Indem der mittelalterliche Konservatismus sich herbeiläßt, die angeblichen Fehler der Juden als Hinderniß ihrer bürgerlichen Gleichstellung hinzustellen, macht er dem Geiste der Gegenwart eine nicht unbedeutende Konzession. Auf dem Standpunkte der wahrhaft mittelalterlichen Anschauung ist es nämlich ganz überflüssig, von jenen Fehlern zu reden, und die Unterdrückung der Juden durch Gründe zu rechtfertigen, welche der rein menschlichen, legislatorischen Vernunft einleuchten sollen. Dieser Anschauung genügt das bekannte supranaturalistische Motiv, um dem Juden die Alternative zu stellen, entweder auf das Bürgerthum zu verzichten, oder dem Glauben seiner Väter untreu zu werden. Da nun die Wortführer des mittelalterlichen Konservatismus jene supranaturalistische Berufung fallen lassen und desavouiren, so erklären sie dadurch deutlich genug, daß ihre religiöse und kirchliche Ueberzeugung gegen die Emanzipation der Juden nichts einzuwenden habe, und daß es nur der Hinblick auf die vermeintlichen Fehler der Juden sei, der sie abhält, der bürgerlichen Gleichstellung derselben ihre Zustimmung zu geben. Damit scheint uns aber zur Verständigung mit den konservativen Gegnern der Emanzipation nicht wenig gewonneu zu sein. Wir abstrahiren hier von dem, was wir in nnserm vorigen Artikel über das Mißtrauen sagten, welches Geschichte und Psychologie gegen jedes Urtheil des Unterdrückers über den Unterdrückten einflößen. Wir setzen voraus, daß der Konservatismus jenes Mißtrauen von sich abwehrt, und die von den Juden gehegte Meinung für vollkommen gegründet hält. Folgt aber daraus, daß die Bedrückung und Ausschließung der Inden fortgesetzt werden müsse? Lehrt nicht die Erfahrung, daß die vollkommene Emanzipation am sichersten und schnellsten die Gebrechen heilt, welche die Unterdrückung erzeugt hat? Ist es menschlich, dem Leidenden seine Wunden vorzuwerfen, die ihm ohne sein Verschulden geschlagen wurden, und ihm den heilenden Balsam vorzuenthalten, um welchen er flehentlich bittet? Wir stellen es nicht in Abrede, daß die Europäischen Juden vor Hundert Jahren einen fast unüberwindlichen Widerwillen gegen den Waffendienst hatten. Wir geben sogar zu, daß sie zu jener Zeit diesem Widerwillen einen religiösen Ursprung gaben. Sind deswegen die heutigen jüdischen Soldaten schlechtere Krieger als ihre christlichen Kameraden? Gibt es nicht Armeen in Europa, in denen Juden sehr hohe Stufen militärischen Ranges erstiegen haben? Ist der Vorwurf der Feigheit, der sonst den Juden gemacht wurde, nicht durch zahllose Thatsachen so vollständig widerlegt, daß die Gegner der Judenemanzipation ihn gar nicht mehr zu wiederholen wagen? Die Juden haben in dieser Rücksicht in neuerer Zeit dieselbe Entwickelung dzirchgemacht, welche die Christen im Alterthume durchgemacht haben. In den ersten Jahrhunderten perhorreszirten nämlich die Christen den Kriegsdienst. Auf die Aufforderung des C e l su s, eines antichristlichen Schriftstellers des zweiten Jahrhunderts, an die Christen, daß auch sie zur Vertheidigung des Rechts für den Kaiser die Waffen ergreifen, und in seinen Heeren für ihn streiten sollten, antwortete der berühmte Kirchenvater Origen es