Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1861-09-20 · 38 (20.9.1861) · p. Seite 332

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
38 (20.9.1861)
Date
1861-09-20
Page
Seite 332 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2542917-2543023-2543061--2278-2546040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

332 wie gewöhnliche Fälle Kinder eines Prinzips, sie müssen »nter ein solcheS gebracht werden. Die Fälle können sich vervielfältigen, das Prinzip bleibt immer dasselbe. Wo das Prinzip selbst aber zu suchen sei, dieses ist die Ansga-e der allgemeinen Filosofic; je klarer das Prinzip, je mehr schwindet die Zahl der einzelnen Halachoth "). Wie wir bereits angcdcutet haben, stehen diese Zeilen, welche wir hier dem Buche widmen, im Dienste der Kulturgeschichte "). Für die kleine vorhergehende Digreffion, erwarten wir die Nachsicht des Lesers, war ja diese Digrcssion selbst nur eine kultur-historische Andeutung. Manche Leser haben vielleicht den Ehrgeiz ״ein Splitter des Berges Sinai ")" sein zu wollen, welches sehr verzeihlich ist. Für diese — ihre Zahl ist nicht groß — sind diese Zeilen geschrieben- Das אין מסרשין להכם schwebte uns ebenfalls vor ") und ließ eine Andeutung als hinreichend erscheinen. Auch im Namen des Verfassers des Buches dürfen wir ans Nachsicht hoffen, umsomehr, da derselbe einer der merkwürdigsten Manner seiner Zeit war, selbst ein großes Stück der damaligen Kulturgeschichte. Das sogenannte orthodore Zndcnthnm hatte damals Männer, die ernste Bestrebungen hatten, und die nicht nur negatives Talent hatten für rein Menschliches Platz zu lassen, sondern auch positives Talent hatten, Menschliches zu produziren. Zsak ben Giath war nicht nur einer der berühmtesten Thalmndisten seiner Zeit, sondern auch ein berühmter Hymnolog ־(15 פייטן DaS vorliegende Buch hat litcratnrgeschichtlichen Werth auch dadurch, daß ältere Autoritäten angeführt werden. So z. B. manche weniger bestimmte Ge o ni m. Von jüngcrn ist hier Samnel ha nagid'") — hier nur Samuel Ha-Lewi genannt. — Das Buch, woraus diese Stellen entnommen sind, ist nicht namentlich angeführt. Es dürfte wol dessen הלכתא גברותא sein ׳׳). Wir wollen nun einige kultur-historische Stellen dieses Buches hervorhcbcn. Die Macht der Gewohnheit, welche immer Gebräuche der Menschen erhalten, und welchen daö Alter eine Ehrwürdigkeit verliehen hat, ist in neuer Zeit allerdings etwas erschüttert. Viele dieser Gewohnheiten haben nicht mehr den Werth, den sie früher hatten, die Kulturgeschichte sammelt sie wie man in einem Museum allerlei lieberrcstc des Alterthums anfbewahrt, bis ein Filosof im ächten Sinne des Wortes sie klassifiz. wird, nach den Grundideen woraus sie hcrvorgegangen sind, und dieselben der leichten Ucberficht zugänglich machen wird. Im Zudenthume hat sich alles in einen דין verwandelt, diese Tendenz ist übrigens allen NcligionSgesellschaflen und allen Zeiten eigen, wo wenig historische Forschungen gemacht werden. Manche dieser sogenannten □דיני waren ursprünglich bloß Gebrauch, Sitte, an manche hat die Allegorie'^) nachher eine simbolische Bedeutung gegeben. Wir wollen nur das Schaukeln der Juden beim Gebete als Beispiel anführen. Diese Sitte — welche jetzt als Unsitte betrachtet wird, ist sehr alt. Das Alter aber kann sie nicht vernünftig machen. (Fortsetzung folgt.) Leop. Dukes. Anmerkungen. ד Die Worte lauten: ג׳ אלפים הלכות נשתכחו בימי אבלו של משה וכלן החזירן עתנילא בן קנז בפלפולו (vcrgl. auch die vorhergehende Note vor. Nr. S. 324). ") Ueber das Wort הלכה haben wir in dem Glossarium 11,1־ serer Blumenlese allerlei Nachweisungen gegeben. Wir wollen hier noch den Ausdruck הלכות הרופאים bemerken, welcher in ספרו gebraucht wird (ס׳ כי תצא)• Es heißt ״medezinische Lehrsätze." — Zn Bezug auf פלפול wollen wir noch bemerken, daß in der maurisch-svauischen Periode daö Wort נצוה für allgemeine Dialektik üblich geworden ist. So im מבהז פנינים (Kap. 60). ״Zwei Leute welche Dialektisch streiten•שני אנשים שהולקין לנצוה ״ ג') lieber den Umfang dieses Worts und manches damit zusammcnhängcnde, wollen wir zur Zeit einiges mitthcilc». '3) Dieser Ausdruck קטא מן טורא הפיני welcher sich in der Pesikta (Kap. 21) findet, ist eine sehr glückliche Anschauung. Vcrgl. auch unsere Blumcnlcse S. 152 Nr. 254. ") Von R. Abraham, dem Sohne MaimonideS in dessen תשובו׳ Nr. 31 erwähnt. Dieser Spruch wird auch irgendwo von Meiri angeführt. Es ist wie להכימא ברמיזה vcrgl. unsere Blumcnlese S. 78 Nr. 38. '"') Vcrgl. übrigens unser שירי שלמה S. 89. Die Worte עגולים ולא מרובעים (vcrgl. Oz. Ncchmad 11. S. 198) sind aus der Tosifta in Kilajim Absch. III. entnommen, es findet sich dort der Ausdruck עגולות ולא מרובעות- Wir haben ferner 2 ausführliche Notizen über Ben Giath als Peitan in Frankels Zeitschrift gcgeben 1859 S. 118, 273. Eine 3. Notiz über die erbaulichen Poesien derselben hätte folgen sollen, welche aber aus zufälligen Ursachen unterblieben ist , 1)1־. G rätz scheint unfern Aussatz nicht gekannt zu haben. I(i) Abraham b. David nennt ihn ״ □ופר ויועץSekretär und Rathgebcr." DaS hebr. מופר ist dem arabischen Eatib entsprcchend. Das C a t i b hat übrigens mit dem Titel Nagid nichts gemein. Die C a t i b S (Sekretäre) hatten meistens die Finaiizverwaltung nnter sich, und bereicherten sich dadurch, mußten oft dafür mit ihrem Leben büßen. Vcrgl. Iben E h a l l i c a 11 I. S. 600 die Note des englischen Ucbersctzers. '’) Dessen Mebo ha-Thalmnd ist sehr nützlich. Es ist die erste Methodik des Thalmuds. '^) Wir haben in diesen Blättern einiges über Allegorie im Allgemeinen gesagt. Manches andere noch bei nächster Gelegenheit. Hier wollen wir nur in Vorbeigehen benierken, daß MaimonideS in seinem Briefe an seinen Sohn Egypten als allegorische Bezeichnung des Körpers deutet. (Man hat von manchen Seiten her kürzlich diesen Brief als unecht erklärt). Das Zntercssanteste dieser Auslegung ist vielleicht, daß sic sich bereits bei Philo findet, in seiner Abhandlnng: Die Auswanderung Abrahams §. 47. Wie diese Allegorie ihren Weg von Philo zu M a i m o n i d e S machte, wäre interessant zu kennen. XSL o n K. u r s. (2-3) An der vom hiesigen israelitischen Frauenverein kreirten und höher,! Orts konzeffionirten zweiklaffigen Mädchenschule ist die Stelle eines Lehrers und einer Zndustrie-Lehrerin mit dem Gehalte von je 400 fl. zu besetzen. Reflektanten die der ungarischen und deutschen Sprache vollkommen mächtig sind, wollen ihre Kompetenz-Gesuche bis den 15. Oktober an den gefertigten Vorstand Franko einsenden. M.-Theresiopci, 3. 1801. jtr Vorstand deisr. Fraueniereinr. Szegedin, Leipzig, Verlag von Sigmund Larger. Lommlsfions-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szrgedin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.