Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 37 (13.9.1861)
- Date
- 1861-09-13
- Page
- Seite 320 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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420׳ so schone Zeucht verbeißt; 5 ־ binbuvi'b uw sie der unbeschränkte Wächter und Pfleger dieser Saat, die sie vor Frost zu wehren, der sie Nahrung zu geben berufen und verpflichtet ist. Nun, sie ist aufgeschossen die Saat — die zarte Blume des Glaubens, vorsorglich׳ bebätet vor unzarter Berührnug steht nmschirmt von dem schirmenden Wissen, vom religiösen Wissen, das um sie gelagert. Noch steht sie unberührt voir den außen drohenden feindl. Elementen. Aber die Schule muß den Zögling dem Leben übergeben, kann ihm nur mit den besten Segenswünschen folgen auf diesem unebenen Pfade und das dem inner» Leben Feindliche wird nun nicht ermangeln, oft und mit unwiderstehlicher Gewalt, der zerstörenden Wasserfluth gleich, auf dasselbe eiuzustürmen. Sei da der Grund auch noch so gut gelegt, er weichet solcher wiederholenllich anstürmeuden Macht, wenn nicht ein noch stärkerer Damm dem Andrange Halt gebietet. — Diesen Damm nun soll und muß die h. j. Bürgerschule errichten, — ,veil sie es kann. Aber nicht von außen ist die Festigung möglich. Die Pflanze selbst muß wachsen zum mächtigen, widerstandsfähigcn Baum, muß Wurzel schlagen nach allen Seiten hin. Nehmen wir, von den 40 Unterrichtsstunden 24 für die außerreligiösen Disziplinen in Anspruch, so bleiben unS für den konfessionell-religiösen Unterricht 1(1 Stunden wöchenllieb. Wir dürfen diese! 6 Stunden fordern, weil eine höhere Bürgerschule mit Ausnahme ihrer auf Neligions- und biblischeu Geschichtsunterricht verwendeten Stunden, die in jüd. Schulen dem jüd. Unterrichte zu Gute kommen, nicht mehr als 28—30 Stunden erfordert. Verwenden wir von diesen 16 Stuuden: auf systematischen Neligionsunterricht. nachbibl.-jüd. Geschichtsunterricht Eregese (Profeten und Hagiografen) und hebr. Grammatik .... Lesen eines ethischen Werkes . . . Thalmudunterricht . so wäre für die Weitersührung des Unterrichts bis zum Ziele unseres Erachtens genugsam gesorgt. Wol wissend und בי ־־א עם הארץ הסיר daß Unwissenheit das Vehikel der Jrreligiösität und ves Indifferentismus, muß, die Schule für die Mittheil. alles dessen bestrebt sein, was dem Juden von seiner Religion und ihren Institutionen zu wissen Noth thut. Der Damm aber, der der untergrabenden, Sittlichkeit und Religiösilät zerstörenden Macht des gesellschaftlichen Lebens unserer Tage entgegen gesetzt werden muß wurzelt in diesem Wissen. ״Zur Erläuterung des Geistes der Schrift in seiner geschichtlichen Entwicklung dürfen besonders die vielen vortrefflichen Sentenzen, sowie viele Erzählungen aus dem Tbalmud, aus dem Leben musterhafter Lehrer der Vorzeit, die theilS in Weilö Anthologie, und in anderen ähnlichen Werten von Hnrwitz, Tendlau, Kraft u. a. verarbeitet, lheils aus dem Thalmud selbst zu schöpfeil sind, mit doppeltem Nutzen anznwenden sein, indem zugleich der Jugend eine Kennlniß und Werlhschätznng des Tbalmuds beigebracht und unreifen und vorwitzigen Urll'eilen vorge beugt wird."!Landau a. a. O.) Vergl. auch, was weiter nuten über Geschiehls- und Thalmudunterrich! gesagt lvird. Der Geschichtsunterricht gibt in dieser Klasse dem 2 Stunden 2 jüdischen, für's Iudenthum und seine Religion begeisterteir Lehrer und so der für's Jndcuthum wahrhaft strebenden höheren Bürgerschule Gelegenheit, in der Betrachtung ihrer Geschicke dem Zöglinge klar vor Augen zu stellen, wie nimnter Sittlichkeit und Religiosität einen Staat oder ein Einzelleben untergraben, wie sie vielmehr immer die sichersten Stützen desselben gewesen; zu zeigen, wie nur daS Eharakterfcste Bestand und wahren, bleibenden Werth habe. An den Beispielen, die die Geschichte von Aufopferungsfähigkeit (wir erinnern hier an die Geschichte der Märtyrer unseres Glaubens als Vergleichsgegenstand) von Mmh und Thalkraft (Scävola und die Makkabäer) von Größe und erha׳ bener Ehrwürdigkeit. (Socrates, Lessing, Mendelssohn 2c. k. 1c.) dem denkenden Menschen vorführt zeige der Lehrer, daß alle die schönen Erscheinungen so herrlich unS entgegenftrahlen, weil sie sich über ihre Zeit erhoben, weil sie eS verstanden, den wahren, iunern Menschen dem oft andringenden Untvürdigen, Niedern siegreich entgegen zu stellen; weil sie im Stande, die größten Opfer zu bringen, um einem würdigen Ziele nicht aus dem Wege zu gehen. An den Kreuzzügen zeige die jüdische Schule ihrem Zöglinge, wie nur der Unwissende fanatisch, wie aber Fanatismus zur Grausamkeit führe, den Arm des Menschen gegen den Bruder waffne. Im letzten halben Jahre möge für die zu Entlassenden dem sogenannten Konfirmattdenunterricht der systematische Religionsunterricht weichen, möge ihm sogar noch eine weitere leicht zn findende Stunde vindizirt werden. Nicht, daß wir jener nur für'ö Auge berechneten, Herz und Sinn kalt lassenden ostcntiöseu Konfirmation unserer Tage das Wort reden wollten; nein, die Konfirmation soll sein, was das Wort besagt, soll sein eine Be festi gung des fugendlichen Gemüthes und Denkens in allen den veredelnden, erhebenden Lehren, wie sie unsere, für wahres Menschenthum eifernde Religion aufstellt. Die Konfirmation sei darum begründet in der Wiederholung alles bisher zu diesem Zwecke Aufgenommtnen, sei die wahre Vorbereitung für den Kampf, der nun beginnt, und unausbleiblich beginnt. In diesen feierlichen Abschiedsstunden möge nun die Schule alles daö znsammendrängen, was die besorgte Mutter, was der aufrichtige, väterliche Freund nur immer dem Scheidenden einzuprägen vermag in die Gedenktafel des Herzens, daß er es mit sich hiliausnetime als dauerndes Memento, als sicher führenden Leitstern ans der einsamen Pilgerfahrt durch's Leben, als sichern Schutz im Leben, gegen die beklagenswerthen Auswüchse deö Lebens. So dnrchdringe der Lehrstoff in den Realklafsen und durchleuchte überall so hier, wie in den untern Klaffen, daS Ziel, dem die Schule mit ihrer zweifachen Aufgabe entgegengebt. Wo nur immer möglich trete hier die Wechselbeziehung zwischen Leben und Lernen, zwischen Theorie und Praris dem Zöglinge erkennbar ans. Der Thalmudunterricht thut's niebt allein, n׳ird die praktische Anwendung versäumt. Aber mit ihr wird er eitle Waffe wider den offen auslreteuden Jndifferentismus, ivie gegen die verdeckt agitirende Fe »d schaff. Manches junge, jüd. Gemüth würde seines Glaubens froh werden, tvüßle es ihn nur gegen die ebeiubaren Wiedersprüche des Lebens zu schirmen, könnte es nur dem Spotte des Leichtsinnes mit aitf Kennlniß gegründetem Stolze entgegentreteu.