Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 35 (30.8.1861)
- Date
- 1861-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35. Azegedin, den 30. August >en CItamtnja. scheschlAtt fir Mische ThesiGie ' Vierter Inkrgang. 4}crausQ06e1' imf) Ma&teur: L. Löw, iHieiriiötiiiiec zu äzegedm. 1861. Jeden Freitag erscheint ein ganzer Bogen. Prüniimerationsprris: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 kr., viereijährig 2 fl. österr. Währ. Man abonnirt bei allen Postämtern und Buch- Handlungen des Zn- und Auslandes. Manuskripie find an die Redaktion zu senden. Inserate find an den Verleger S. Burger in Szegedin oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitzeile wird mit 10 Nkr. — 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Die Tradition. V. Dr. Weil. — Das Königthum in Israel. V. I. H. Löw. — Beiträge zur thalm. Sprachforschung n. Alterthnmskünde. B. Simon Bacher. — Korrespondenz. (Ausland) Straßburg V. S. L. (isr. Verein, Tboraeinweihnng). — Straßburg (Brief d. Gr. <I'Lsea^rn6). — (Inland) Wien (Neujahrsgruß). — Pest (Schulprüfungen). — Temesvür (Musterhaiiptschulprüfung). — Ezcglöd (Streitigkeiten d. Rabb. u. d. Gemeinde). — Sze. ^eö (unbesetzte Rabbinat). — Temesvrir (Pflngmaschinprobe).׳ Szegedin (Csongrüder Komitatsansschuß gegen d. Juden. Konzert Jakob Hauser'S. Synagogeneinweihungspredigt). — Literärische Anzeigen. DukeS Schirr Schlomo, Jahresbericht des jüd.-theol. Seminars in Breslau. Angez. v. Herausg MielzinerS Jodiök Almanak. Angez. v. P. — BerichMungcn und Ergänzungen. V. L. Dukeö. 7 Sie Tradition. Von Dr. Weil. תהת סלסול יגיע לקה טוב Kalir. Fortsetzung *). Dr. Auerbach hat unter dem Titel ״Ha-Zofe al Darke Ha-Mischna" eine Kritik des Frankel'schen Buches veröffentlicht, welche in diesen Blattern bereits gewürdigt wurde 48). Wir sehen hier von den Differenzpunkten zwischeu ihm und Frankel gänzlich ab, indem wir, unserer Aufgabe gemäß, nur untersuchen, ob und inwieferne die Apologie der vulgären Traditionsdoktrin durch vorliegendes Schriftchen eine Bereicherung erhalten habe. Leider ist dies nicht im geringsten Maße geschehen. Der Vers, gibt sich die überflüssige Mühe, nachzuweisen, daß sowol in thalmndischen als in nachthalmudischen Schriften die Kontinuität der Mosaischen Ueberlieferung auf eine klare, unzweideutige Weise gelehrt werde (3—9). Wer hat aber jemals an dem Vorhandensein dieser Doktrin gezweifelt? Die Aufgabe, welche die jüdische Theologie in Bezug auf die Traditionsdoktrin zu lösen hat, wird ans dem von dem Vers, betretenen W^ge auch nicht um einen einzigen Schritt ihrer Lösung entgegengeführt. Wer sich diese Lösung zur Aufgabe stellt, wird zuvörderst versuchen müssen, die damit verbundenen filologischen und historischen Schwierigkeiten zu beseitigen. Er wird au die verzweifelte Arbeit gehen müssen, darzuthun, daß eine auf rituelle Spezialitäten bezügliche, fortlaufende Paradosiö von Moses bis Htllel nach den vorhandenen Geschichtöquellen keine abenteuerliche Anomalie enthalte, sondern recht wol denkbar fn^Er dürfte aber auch die Mühe nicht scheuen, diejenigen HaUcha's anzuführen und namhaft zu machen, welche vermöge ihres Inhaltes und ihrer Fassung geeignet sind, aus der Mosaischen Zeit hergeleitet zu werden. Der Verfasser scheint von all dem gar keine Ahnung zu haben, wiewol ihm sonst die neueren Forschungen der Bibelkritik nicht unbekannt sind, so daß es ihm zuweilen gelingt, Spuren davon in der von ihm kritisirten Hodegetik zu entdecken (S. 21). Allein die Bekanntschaft mit den neueren Kritikern hat sein eignes kritisches Gefühl so wenig geweckt, daß er keinen Anstand nimmt, die erste Mischna im Traktate Sabbat in allem Ernste aus der Mosaischen Zeit und vom Sinai abzuleiten, ohne an den chaldäischen und neuhebräischen Ausdrücken dieser Mischna den geringsten Anstoß zu nehmen? Wenn man nicht die Macht der Gewöhnheit und des Vorurtheils kennete, müßte man darüber stallnen, wie gelehrte und denkende Männer sich mit Anschanungen befreunden können, »velche, so lange sie nicht durch neue Forschungen gerechtfertiget werden, der geschichtlichen Entwickelung und dem kritischen Sinne fast mit Hohn entgegentreten. Sagte ja schon der Karäer Salomon b. Jerncham vor 900 Jahren: ״Ueber die sechs Ordnungen Hab' ich die Forschung oft gewecket, Und doch immer lvieder nur der Neuern Sprache d'rin entdecket4'-')." Unkritisch, wie sie die Geschichte überhaupt behandelt, behandelt die orthodore Schule auch die thalmndischen Quellen. Aus der Deutung, welche R. Simon b. Lakisch den einzelnen Worten des Schriftverseö 2 Mos. 24, 12 gibt50),