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Ben Chananja · 1861-06-28 · 26 (28.6.1861) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
26 (28.6.1861)
Date
1861-06-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«r. 86. Azegedin, den 88. Zum >en ÄlmnMM. 1861. »H ♦ *♦4 Vierter InkrgnnS. Herausgeber aad Zledaktear: L. Löw, Lberrabbiner za özegedin. Zrdrn Freitag erscheint ein ganzer Bogen. Priinumerationspreis: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 kr., viereljährig 2 fl. österr. Währ. Man abonnirt bei allen Postämtern und Buch- Handlungen des Jg- und Auslandes. Manuskrtpte find an die Redaktion zn senden. Inserate sind an den Verleger S. Burger in Szegedin oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitzcile wird mit 10 Nkr. 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Die Tradition. V. Dr. Weil. — Joach. Lelcwel. V. Landes. — Neber Sprache uud Etymologie. V. vr. Müller. — Korrespondenz. Szegcdin (Lehrer Silberstern). — Kanischa (Synagogenspende der Frauen). — Kalocsa (Spenden d. kath. Klerus zum Synagogenbauc). — Wien (Riehl'S neueste Schrift). — Wien (Netter'S Pentateuch). — Prag (Rapoports Streitschrift). — Prag (JellinckS Porträt). — Nikolsburg (Muuisizenz d. Mitgl.) — Triest (Ziltz Religionöbuch). — Tarnopol (Seminar). — Tr cst (Luzzatto'S Pentateuch). — Literärische Anzeigen. Volkmar's Einl. in die Apokryfen. Bcspr. v. vr. Müller. Die Tradition. Von vr. Weil. חהח סלסול יגיע לקה טובג; Kalir. Wie der hörbare Laut älter ist, als dessen sichtbares Zeichen, u. d. Sprache älter ist, als die ältesten Hieroglyfen, so ist die mündliche Ueberlieferung älter, als die älteste schriftliche Urkunde. Auf dem Wege mündlicher Ueberlieferung wurden ursprünglich alle Einsichten und Erfahrungen, alle Erkenntnisse und Fertigkeiten, alle Sitten und Gewöhn- Heiken von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzt. Die Ansänge der Literatur bei allen Völkern der Erde, die Dich- Lungen und die Gesänge, traten nicht in schriftlichem Gewände, sondern in mündlicher Darstellung auf, und sie gingen lange von Mund zu Mund, bevor sie durch Aufzeichnung und durch Abschriften vervielfältigt werden konnten. Und selbst in unserer Zeit, wo gewaltige Naturkräfte in Bewegung gesetzt werden, um den schriftlichen Verkehr zu erleichtern, gibt es noch immer ganze Schichten der Gesellschaft, welche das, was sie wissen und können, was sie verstehen und leisten, der mündlichen Tradition und Anweisung verdanken. Ja, die Grundlage und unerläßliche Bedingung aller Bildungsfähigkeit, alles geistigen Gebens und EmpfangenS, die Kenntniß der Muttersprache, wird in ihren ersten Elementen durch mündliche Mittheilung erlangt. So ist die lebendige Tradition bis auf den heutigen Tag eine frische, reiche, unversiegbare Quelle der Menschenerziehung und Menschen-- dildung. Nicht minder erweist sie sich als eine sorgsame Pflegerin mannigfaltiger Eigenthümlichkeiten, welchen wir nicht nur bei ganzen Nationen und Ständen, sondern auch bei einzelnen Familien begegnen. Auch in Israel ist der Epoche des SchriftthumeS die Evoche mündlicher Ueberlieferung vorangegangen. Denn ob nran mit O l s h a u se n annimmt, MoseS habe die ägyptische Schrift in einer für die Hebräer passenden Art verändert und sei so Urheber des alten Hebräischen, und somit auch unseres jetzigen Alfabets geworden;- oder ob man mit Hitzig die Erfindung der Schrift unmittelbar den Hebräern zuschreibt'), oder dieselbe aus einem andern Ursprünge herleitet: immer wird man anerkennen müssen, daß die vormosaische Zeit nicht nur geschichtliche und genealogische, sondern auch religiöse Ueberlieferungen besaß, wie die Institutionen der Beschneidung und der Leviratsehe unzweifelhaft beweisen. Eben so gewiß ist es, daß sich in der nachmosaischen Zeit das Verständniß des geschriebenen Gesetzes durch mündliche Ueberlieferung erhalten uud fortgepflanzt hat. Um sich einen klaren Einblick in das Maß der mündlichen und schriftlicher( Belehrung zu verschaffen, muß man bedenken, daß die Kunst des Schreibens inr Alterthume nicht sehr verbreitet war"). Der Chronist erwähnt Geschlechter von Schriftkundigen oder Schriftgelehrten (I. 2, 55), und es ist hinlänglich bekannt, daß jegliche edle Kunst der Vorzeit in der Pflege damit betrauter Geschlechter eine eben so förderliche Gunst fand, als Gewerbe Nud Verkehr im Mittelalter in den Zünften. Die Masse der Nation stand in der biblischen und in der thalmudischen Zeit dem Schriftthume ziemlich fern; sie wurde nicht durch Bücher und Schriften, sondern durch den Mund ihrer Profeten und Säuger, ihrer Weisen und Schriftfvrscher belehrt.

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