Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 18 (3.5.1861)
- Date
- 1861-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543042--2092-2545834- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Szegedin, de» 3. Mai Nr. 18. 1861. Vierter Jahrgang. 4)ernnsyeGer und Mnftfciic: L. Löw, flfietruGGtaet za SjeijcGiii. Jeden Freitaq erscheint ein qcinzer Bogen. Priiniimerntionsprcis: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 kr., vierteljährig 2 ff. östcrr. Währ. Man abonnirt bei allen Postämtern und Buch- Handlungen des In- und Auslandes. Älanuslrripte sind an die Redaktion zu senden. Inserate sind an den Verleger S. Burger in Szegedin oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitzeile wird mit 10 Ol fr. — 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Ladislaus Palüczp. Vom Herausg. — Die Hegemonie der jüd. Gemeinden in Ungarn. Vom Hcranög. — Korrespondenz. Prag. — Pest. — Alt-Oscn. Litcrärische Anzeigen. Jellinck'S Schir Ha-Schirim. Rüzsay'ö Gedächtnißrcde. Frankel'S Helden- und Liederbuch, Hästcrü Schulbücher, Sachs Progr., Hartmann'S Juden in Ungarn u. s. w. Beschpr. v. HerauSg. — Zacher’s Alexandri iter. V. Dr. Jcllinek. Ladislaus Pal6czy. Geboren 14. Oktober 1783gestorben 27. April 1861. Die politischen Journale des Vaterlandes reden von Paloczy dem Patrioten, ״der an die Zeit der Zinzinnate erinnert." Die Organe des Protestantismus werden ihn als Vorkämpfer seiner Kirche verherrlichen. Wir setzen ihm hier ein bescheidenes Denkmal als einem der entschiedensten Wortführer der bürgerlichen Gleichstellung der Juden. Am 10. Feber 1844 ließ er in dieser Rücksicht den Deputirten der königl. Freistadt Debrezin die ganze Scharfe seines gesunden Humors und seiner stets geistvollen Polemik fühlen. ״Ich", sagte er unter Andern!, ״bin Protestant und meiner Wähler sind Protestanten, und ich werde mich zu dem, was der Debreziner Depntirte im Namen seiner 50,000 prot. Kommittenten und! gleichsam im Namen des Protestantismus vortrug, niemals bekennen. ES thut mir wehe, daß die königl. Freistädte so befangen sind. Wir nennen die Türken Barbaren, und ihren Alkoran eine Fabel? Aber die Türken waren ja vor 300 Jahren freisinniger, als es die königl. Freist, jetzt sind. Denn als Solim. von dem Tode Ferdinand's hörte, ließ er denselben, den Nichtmuselmann, in'ö Paradies; während die königl. Freist, die Juden nicht nur aus dem Paradiese, sondern selbst ans ihrer eigenen Mitte anöschliefreu. Und die Fahne tragt das ans 50,000 Ungarn und Protestaute» bestehende Debrezin, indem eS dadurch den wahren Charakter des Protestantismus, dessen Wahlspruch Duldung und Fortschritt ist, verleugnet; jenes Debrezin, welches auf einem andern Gebiete für Gewissensfreiheit und Religionögleichheit, als um das höchste irdische Gut, kämpft. Läge das Debreziner Vorgehen wirklich im Charakter des Protestantismus, ich würde mich schämen, Protestant zu sein, und würde nicht wagen, meine Seufzer zu meinem Gotte emporzusenden, der der Vater des gebildeten Franzosen, deS ernsten Engländers und des wilden ESqutmo ist. Die Debreziner lesen fleißig die Bibel und sind die Prototype der Frömmigkeit; aber nach dem Gesuche der 3000 Debreziner (die gegen die Emanzipation petitionirten), fange ich an, die Ueberzeugnng zu gewinnen, daß das Bibellesen bei ihnen nur Formalität ist. Es wäre besser, wenn sie nur das 22. Kap. Matthäi läsen, wo geschrieben steht: ״Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!" — Man sagt von den Inden, daß sie bei ihrem Glauben und bei ihren Gewohnheiten verharren; aber eben deshalb sollte man sie in Debrezin einlassen, damit die dortigen Einwohner etwas Besseres lernen; denn sie waren bis 1525 lauter Katholiken, bis 1550 Lutheraner, seitdem sind sie Reformirte! — Daß die Juden einen Messias erwarten, will ich zugeben; aber ist denn dies verdammenöwerth? Gestatten wir ihnen, sich mit dieser Hoffnung über die peinliche und traurige Wirklichkeit zu trösten; wen auch die Träume der Fantasie verlassen, den erwartet die Verzweiflung. Uebrigens erwarten die Inden nicht nur in ihrer eignen Mitte den Messias; denn es iü bekannt, daß z. B. die Afrikanischen Inden an Eromwell einen Deputirten schickten, um denselben zu befragen, ob er per Messias sek.*) Eromwell gab sich zwar nicht für den *) N ü l> S, die Rechte des OhnfleilchiiiiiS. Berlin 1810. S. 73. Oe ich mit) Gnil'er 11. 27 . Hfl. 2111111. 24. j i