Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 16 (19.4.1861)
- Date
- 1861-04-19
- Page
- Seite 146 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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146 sterblichen Rv.f sich erworben haben, traten in ihren selbstständigen Forschungen vor keiner Konsequenz zurück, obgleich auch zu ihrer Zeit es nicht an'Anfeindungen einer Hypcrorthodoric fehlte. In einer späten! Zeit, wo die Pstege der Wissenschaft im Allgemeinen abgcnommcn hatte, nahm man dennoch keinen Anstand den rationellen Kommentar eines Alrabi neben dem eines AlmoSnino i» Konstantinopel zn drucken, so wie man auch den Koninientar zn den Agadoth von Jcb. de Modena, der die traditionelle Lehre verspottete, auszüglich dem En Jakob cinvcrlcibtc. Auf As. de Nossiü kritische Schrift Mcor Enajim haben die Rabbinen in Zcfath vergeblich einen Bannstrahl geschlendert und der heilige Bcrf. der Beleuchtungen selbst zilirt sie als Autorität. So wurde im Judcnthnm zn allen Zeiten der freien ernste» Forschung ihre Berechtigung zuerkannt und der Gedankcnentwickelnng keine Schranken gesetzt. Nur Deutschland und Polen, der Sitz und die Pflanzschulc der Mystik und der krassen Orthodoric war bis zu den letzten Dezennien jedem selbstständigen Forschen abhold, und Nappoport und Zunz waren die Ersten, welche sich das unsterbliche Bcrdicnst erworben die vcrknöchcrten abgestorbenen Glieder der jüdischen Wissenschaft durch ihre anregenden kritischen Schriften lebensfähig gemacht zn haben. N. Krochmal d er dritte in diesem geistigen Bunde, hat in seinem nachgelassenen Werke More Ncbuche Hasman, das Znnz im Jahre 18ö 1 cdirte, die Resultate seiner Forschung über die mündliche Tradition niedergclcgt (S. 161—205), die nnn Frankel in seiner Hodegctik mit einigen Modifikationen ausgenommen hat. Schon vor zehn Jahren hat also Krochmal in einem hebr. Werke, daß in allen Händen ist, ohne den geringsten Widerspruch erfahren zn haben, den seit dieser Zeit allgemein adovtirtcn Grundsatz ausgesprochen, ״daß man tradirte Halachoth, deren Ursprung unbekannt und die sich auch nicht durch die soferische Ertläruugsweise in der h. Schrift begründen lassen, für sehr alt hielt und ihnen gleichen Werth beilegte, wie die soferische Schrifterklärnng selbst; sic wurden von ihnen oder auch von den Prosetcn selbst tradirt und ohne Widerspruch allgemein angenommen. Eine solche Halacha ist von Sinai oder als wäre sic von Sinai und unterliegt keiner Kritik und Kontraversc wie andere Halachoth." - Dieser Begriff der mündkichen Tradition liegt allerdings nicht in dem rezipirten Dogma und ist der Neberschwenglichkeit, die in den rabbinischen Schriften vorherrschen, entgegen, steht aber durchaus mit keinen! Satze im Thalmnd in Widerspruch. Freilich, wer die agadische Ausschmückungel! für historisch gegründet und über die Kritik erhoben hält, wer z. B. in heiliger Einfall glaubt, daß David und Saul über ,מקדש במלור stritten, daß Athniel einige hundert vergessene Halachoth durch Pilpul wieder ins Gedächtniß zurückrief; daß Amasa bewaffnet ins Lchrhaus trat, um eine Halacha durch zu setzen; daß der Held Bnaja an einem kurzen Wintcrtagc den Sifra durchnahm!!. dgl. a., der findet in den finstern Rüstkammern verrostete Waffen genug, um damit zn paradircn, aber zum Kampfe find sie unbrauchbar. Und ans diesem Standpunkt steht der Vers, der ״Beleuchtungen", der sich rühmt keine neue Schrift gelesen zu haben und ״nur mit der praktischen Halacha beschäftigt würde er auch F.'s Schrift keines Blickes gewürdigt haben — wenn sie nicht in der heiligen heb. Sprache geschrieben wäre" oder richtiger, wenn er sie nicht von seinem Schüler — der aber nur ein Fantasiebild ist — 11!״ i t einigen S ü ß i g k e i t e n", wie er selbst angibt, Purim zum Geschenk erhalten hätte.*) Wir finden eö daher auch ganz ״atnrgemäß, daß der Bers. die Fischer-Hirsch'schr Angriffe aus F. wieder *) Referent kann mit Bestimmtheit versichern, daß der Vers, schon vorigen Sommer diese Schrift gelesen und vor den empfangene» ״Süßigkeiten" kein tadelndes Wort darüber geäußert hat. in die heilige hebr. Sprache znrückübcrsetzt und als eine neue Stütze für die Tradition in einer großen Anmerkung die Abhandlung von H. EhajeS übcr die sin. T. (S. S. 17) crerpirtc um die erhobenen Schwierigkeiten von Bacharach znrückzuwciscn. Nur die eine vernünftige Ansicht von Ehajcö (18 b.) läßt er unbeachtet, daß die sinaitischcu Traditionen ititr in allge tu eine n U!!!risse!1 von Gott au MoscS gelehrt die speziellen Firirnng aber den Weisen überlassen worden sei. Gott habe z. B. die Maße bestimmt, ohne anzugcbcn — welches Gesetzobjekt nach dem Maße eines EicS und welches nach dem einer Olive zn normiren sei; Gott habe gelehrt unter והיו לאות על ידיך fei Tefillin verstanden, die Art der Anfertigung aber nicht näher bestimmt. Wenn nnn auch diese Ansicht dem rezipirten Dogma entgegen ist (Main!. H. Mach. 3 r. 2), waö Ehajcö selbst einfah. so ist sie doch die vernünftigste Theorie in der orthodoren Richtung »nd manche Fragen lassen sich damit lösen׳, z. B. wie R. Ehija, der Tradition entgegen, seine Tefillin mit Flachögarn nähen durfte (Makkoth). Daß Frankel sich an solche Subtilitäten, die dem Plane seines Werkes fern liegen. nickt einließ, können nur diejenigen tadeln, die von der GeisteSströmniig der Zeit unberührt geblieben »nd sich nur ״mit der praktischen Halacha" abgeben; darüber kein Wort mehr. Wir wollen auch nicht entscheiden, ob F.'S Erklärung der Mischna Edioth 8— wozu F. noch eine nachträglichc Erlänternng gab (d. M. Zeitschrift 1860 S. 330) nnd die Tosest.! Machsch. 3, oder die des Vers, der ״Beleuchtungen" die richtige sei; wir wollen zngcstchen, daß F.'s Inhaltsangabe des S. Seraim nicht genau definirt sei; daß R. Mcir in der M. Ab. Sara achtmal genannt ist — was bei F. sicherlich nur Druckfehler ist—; daß in der Tosest« Megilla 3 זכר לממוה ausgefallen ist. Diese »nd ähnliche Bcrichtnngen würden, wenn sie in ernstem wissenschaftlichem Tone vorgebracht wären, von F. selbst mit gebührender Anerkennung anfgcnommen worden sein, so wie er selbst einige Berichtigungen RappoportS in Higajon zustimmte und keinen Anstand nahm in seiner Monatschrift 9 , 204 eine Erklärung als irrig zu bezeichnen. Wenn aber, wie hier, eine schmutzige Oberfläche die Belcnchlnng trübt, die noch dazu durch Neid. Haß und Fanatismus oder andere niedere Anregungen erzeugt wurde, so verliert selbst das Wahre und Richtige seinen Werth; die Thalmudfeiilde allein haben von einer solchen Klatscherei den Gewinn, die ächte ungeschmückte Frömmigkeit aber zieht sich trauernd ob dieses GcbahrcnS znrück. Daß aber der gelehrte Vers, seine Beleuchtung nicht aus innerm Drange. sondern nur ans Bestellung gearbeitet hat, und cs daher mit seinen Rügen nicht so ernst nahm, wollen wir mit Nachstehendem beweisen. (Fortsetzung folgt.) 2 Konkurs. (6) Von Seite der Stnhlweißenbnrger isr. KultuSgemcinde wird zur Besetzung der erledigten Rabbinatö-Stelle der Konkurs eröffnet. Die Bewerber haben ihre schriftliche Gesuche mit authentischen Zeugnissen über ausreichende diesbezügliche Befähigung התחת הודאה, von anerkannten Eapazitäten über gründliches thalmudischcs Wissen, erakte Kenntmß der nngarische» nnd deutschen Sprache, über Routine in der Kanzelberedsamkcit in beiden Sprachen, bis 30. Juni 1861 an den gefertigten Vorstand cinznsenden. Die Bewerber haben sich, wenn sic hiezu aufgefordert werden, einem Probevvrtrage zn unterziehen. Reisekosten werden nur dem Akzeptirtcn ersetzt. Uebcr Gehalt und sonstige Bedingniffe wird bei der' Ansnahmt mit de»! Betreffenden ein vertragsmäßiges Uebercinkommcn getroffen werde». Stuhlweißenburg, am 28. März 1861. Der isr. KnltnSgcmeinde-Vorstand. Szegedi», Verlag von SigmiinS 6 »r g Leipzig, Loininisßoiis-Verlng von Fra»! Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szeged!».