Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 13 (29.3.1861)
- Date
- 1861-03-29
- Page
- Seite 117 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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117 ein Feuer anSbrach, wobei 20 jüdische Hauser ent Raub der Flammen wurden, erliest ihnen Konstantin alle Abgaben. Noch mehr, wir finden unter ihm im Jahre 1721 in Zolkiew einen jüdischen Apotheker, Namens MoseS Ehaimowicz. Zolkiew kam hieraus durch Verkauf an die Familie Radziwillow. Der erste Besitzers Zolkiew'S von dieser Familie war Fürst Michael Kasimir Radziwill. In den kathvlischer! Pfingsten deS I. 174H wurde hier ein Jude und 3 Jüdinnen ermordet; der Mörder wurde hierauf erwischt und enthauptet, und zum abschreckenden Beispiele deS Mörders Haupt auf einen Pfahl gesteckt. Im Jahre 1738 fand hier ein furchtbares Ereignis; statt. Am 3. April nämlieb übernachtete Maier Jakobowicz aus MoöeiSk im Hanse eines gewissen Juden Pasamonik, wo er deS Nacbtö seiner Habe beraubt, geschlagen und fast leblos auf die Strasse geworfen wurde. Jsak Pofamonik, Leiser und Elias Burkownik wurden daher feftgenommen und auf der Tortur verhört. Alle drei und zwar jeder besonders, wurden!. Araeti et candelis usti (geschleift und mit Kerzen gebrannt). 2. abermals Araeti 6t ea!1d6Ii8 11811, und 3. Araeti et terro eamlenti 11811 (geschleift und mit glühendem Eisen gebrannt), und als sie hierauf ihr Verbrechen eingestanden, wurden sie, obwol sie eigentlich die Inden nicht getödtet hatten, nach Art. 38 deS Magdeburgischen Rechtes in Zolkiew mit dem Schwerte enthauptet.'0 Im Jahre 1770 brach eine furchtbare Pest aus, die sich schnell über ganz Polen verbreitete, besonders in der Umgegend von Zolkiew wüthete sie furchtbar. Aller Handel und Verkehr hörte auf; denn man war nur auf die Rettung seines Lebens bedacht. Wie das Graö unter des Mähers Sense, so fielen Jung und Alt unter den Streichen der Pest, überall lagen Leichen, wie nach einer Schlacht; denn es war Niemand, der sie beerdigen sollte; trostlos irrten die Menschen umher. Die Juden ZolkiewS flüchteten sich in den Blyschtschywodzkiscben Wald. Hier trieben sie sich ohne Nahrung herum. Erst im Monate Oktober, als die Kälte eintrat, hörte die Pest auf, die so lauge gewüthet. 1800 Juden starben in dem Blyschtschywodzkischeu Walde an der Pest. Viele Juden wallfahrten noch jetzt zu den Gräbern ihrer Vorfahren in diesem Walde. Mit dem 23. Juni 1772, alö daö österreichische Heer daselbst einzog, und von Zolkiew, wie von ganz Galizien im Namen der österreichischen Regierung Besitz nahm, hört Zolkiew auf, einen Staat im Staate zu bilden, und die weitere Geschichte der dasigen Juden gehört in die Geschichte der österreichischen Juden. Korrespondenz. Briefe aus Galizien. II. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als der große Napoleon die von der Nanoual-Bcrsainmliing ausgesprochene Zudcn-Einauzipation. daS anfgegangene Gestirn, nicht mehr iiiitergehen ließ. als dasselbe siegende Stralcu auf Preußen schoß, wodurch d!e Eiskruste Fritz'scher EinklämittUtigen schniolzen, lag Galizien theils von der Nacht des sana- °) Was wir von solchen Geständnissen auf der Tortur halten sollen, ist genugsam bekannt. tiselre» RabbiniömuS bedeckt, großtcntbcils aber von denr ans Rußland hereiiigesturmtcn Ehaffidismns nnischleicrt. Ei» Schüler deS Letzter». Josef Perl, dessen Sceleucntwicklung ans der Finsternis! zum Licht nnbemcrkbar, war wie alle großen Nesormatoren urplötzlich als größter Feind des Obskurantismus in die Arena gcfprnngen. Er wurde für Galizien, das was Mendelsöhn und Fricdländer durch ihre Schriften und Jakobs, durch seine Thatcn für Deutschland gewesen, und seine Vaterstadt Tarnopol sollte die Pflanzschule sein für jüdische Bildung und Gesittung. Fühlend wie Ben-Sakai, daß der Keim zur künsligen unvergänglichen Frucht in der ״Schule" liegt, gründete er unter großen Opfern eine solche in Tarnopol 1813. Daß der gelehrte Jost in seinen kulturhistorischen Betrachtungen dieses ZeitrannlS an der unter beständigen Aufeindiingcn. untcr Kämpfen mit den semdlichten Elementen, der Stupidität tmd Rohheit dennoch ins Leben erblühenden Anstalt vorübergehend, deren Gründer gar nicht erwähnt, ist um so befremdender. als er jene ganze Epoche machende Periode mit Scharfsinn beleuchtet *) und den hier brausenden Katarakt überhört. Daö Gebilde zeugt von der Thalkrast des Schöpfers. Zwei Dezcnnicu später lag über Galizien ein blauer lachender Himmel. Untcr demselben regte sich'S lcbenvoll. Eine Zugend war hcrangebtldet, btc wie die Bilderstürmer auf EhassidiömuS und dessen Häuptlinge loszog, Mendtlsohn mit seiner gewappneten Schaar Ucbcrsctzcr und Eregctcn, jener durch den Geist auf den Geist wirkenden Agitatoren wurde Gemciilgnt. Als ein Paar Jahre darauf Sal. L. Goldenberg die Blätter des Kcrem chcmcd hier (in Tarnopol) sammelte, Napvaport, dem Ruf des Großmeisters folgend, den hiesigen Rabbiuersitz unter dem Nimbnö antiken Wissens einnahm, als magnetisch augezogcn der weise Krochmal von Brody hieher kam um zu denken und zu filososiren, konnte Tarnopol mit Stecht den ihm beigclcgtcn Ehrennamen, des galtzischen Athens beanspruchen. Das übrige Galizien sonnte sich an den Stralen des Lichtes, welches auch das angränzendc Rußland erwärmte. Bon überallher kam die wiffensuchcnde Jugend, allüberallhiu ergoß sich der wohlthätige Lichtstrom aus dem Zentralpnnktc Tarnopol. Das Land bevölkerte sich mit Advokaten, Aerztcn und gebildeten die jüdisch-polnische Tracht wegwerfenden Kauflcnteu. Aus dem Tempel in Tarnopol ertönten, ein nie dagcwescnes Phänomen, die Hnmnen zu dem Gotte Israels nach rhytmischen Snlzer'schen Weisen. Nach drei Dezennien hatte Galizien ein anderes Aussehen. Eine lluiwaudlniig war geschehen, geistig und körperlich. Der innere und äußere Mensch stand ein anderer da! Die hcraugcbilveten Männer anderer Städte des Landes wurden sich ihrer Mission bewußt. Lemberg kämpfte siegend unter dem flatternden Panier. Ein prächtiger Tempel, auf dessen Kanzel der fei. Kohn die Schlacht gegen die Fiiistcruiß schlug, Ehoral-GottcSdienst. eine Normal- und Trivialschule, ein Kleinkinderbewahr-Anstalt sind die Trophäen des Sieges. Brody und Ezernowitz blieben nicht zurück und errichteten Schulen und das kleine Bolechow erreichte mit seiner Trivialschule später das Reniiziel. S. Demant. Prag, 22. März. Bon R. Sam. Freund ist so eben über die Arankcl-Hirsch-Affaire ein Sendschreiben an E. Wchli erschienen, welches ohne Zweifel großes Aussehen machen wird. j Lemberg, 20. März. Der liberale judensreundlichc Geist, der sich iil Warschau uild andern Städten Polens durch die Ansnahmc *) Jost, Geschichte d. Zsr 0. B.; wo er Jakobsohn in Westphalcn ttusterbliche Blätter widmet. I. hatte allerdings mehr gethan, aber er hatte in der franz. Okkupation, welche die dortigen Inden zu Menschen und Bürgern machte, deu besten Förderer seiner ReformaliouSplane. Anders war es in Galizien.