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Ben Chananja · 1861-02-22 · 8 (22.2.1861) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
8 (22.2.1861)
Date
1861-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Lzcgcdi», bot 88. Februar Nr. 8. CIMMM. Vierter Iillttgrurg. §Nr M 4)prt1us1jcfic1־ uni) MalUcur: L. Löw, llfiermliliiapr zn Fzegedin. Jeden Freitag erscheint ein ganzer Bogen. Priiiiiiineralionsprcis: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 fr., vierteljährig 2 fl. östcrr. Wäbr. Man abonnirt bei allen Postämtern nnd Buch- Insrratc sind an den Verleger S. Burger Handlungen dcs Innnd Anölandes.! in Szegcdin oder an Hrn. Franz Wagner Mannsl-.riptk in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitsind an die Oicdaftion zn sende». i zeilc wird mit 10 Nkr. 2 Sgr. berechnet. Inhalt, lieber Orthodorie nnd Reform, ein Votum. -- Jehnda Alcharisi als Theoretiker nnd Kritiker der hcbr. Poesie des Mittelalters. Schluß von Lcop. Dukes. — 0. Kapitel d. Sprüche Salamon'S von Or. M. Rappaport. — Antiromantisches von Fasset nnd X. Korrespondcnz: Wien. — Syrmicn. — lljhely. — Total,. — Thalmndischen Sprachforschung von vr. Beer. Jtcftrr iMIjoiiof.io null .Reform, mit besonderer Rücksicht auf die religiösen Zustände der Juden in Oesterreich. Votum eines Ungenannten. Eö ist eine, sowohl in kirchlichen wie in staatsmännischen Kreisen verbreitete Anschauung, die oft nicht ohne Absicht besonders genährt wird, daß es ein orthodorcö und ein reformirtes Judenthum iu unserer Zeit gibt, nnd daß die Anhänger des erster» wahrhaft gläubig, streng konservaliv, und die ächten Vertreter der alten Lehre MoseS sind, die des letzten» aber den Glauben ihrer Väter ganz nmgestaltet haben. Man kam zu dieser Anschauung, indem man, ebne den historischen Verlauf der jüdisch-religiösen Entwickelnng in verschiedenen Ländern unter mannigfachen Einflüssen zu berücksichtigen, Bezeichnungen, welche auf dem Gebiete der christlichen Kirche ihre volle Berechtigung haben, auf die Synagoge übertrug, wo die geschichtlicheil Voraussetzungen fehlen, welche den Benennungen Orthodorie nnd Reform einen berechtigten Sinn verleihen könnten. Orthodorie oder Rechtgläubigkeit ist nur da möglich, wo der Glaube als oberstes Prinzip au die Spitze einer Religion gestellt wird, wo ein bestimmtes Eredo für alle NeligiouSaugehörigen sormulirt ist, und wo ein mit sonverainer Machtvollkommenheit ausgerüstetes, weil von göttlichem Geiste inspirirteö Konzil derl Inhalt des rechten Glaubens für die Gesammtheit der Gläubigen firirt; alle diese Bedingungen aber zur Konstituirung einer Orthodorie fehlen in der Synagoge. Ihr ist nicht das Bekeuntniß eines Glaubenformularö, sondern die gottgefällige Thal der höchste Maaßstab der Frömmigkeit; bindende Glanbensartikel, über deren Zahl und Inhalt die jüdischen Dogmatiker sich nie einigen konnten, sind ihr fremd, und die Beschlüsse aller Rabbiner ans Erden sind der freien Forschung und der Kritik jedes Sachverständigen auheimgegeben, indem die Synagoge seit dem Erlöscheu deS Opferknltns keinen Unterschied zwischen Priestern nnd Laien anerkennt. ES gibt kein geistliches Tribunal in der Synagoge, vor welchem ein Jude erscheinen müßte, um Rechenschaft abzulegen über das was er glaubt, und er kennt keine Religionsbehörde, die das Recht besäße, die Periferie der jüdischen Religion in letzter Instanz und endgiltig zu beschreiben. Auch ist, was für den Ursprung und die Möglichlichkeit des Begriffes Orthodorie wvl am meisten entscheidet, über die Idee des Einen Gottes seit ungefähr achtzehnhnndert Jahren nie ein Schisma in Israel ansgebrochen; die Differenzen, von denen die Geschichte erzählt, beziehen sich alle auf die Interpretation deS Gesetzes sowol in zivilrechtlicher wie zeremonieller Beziehung. Wenn Orthodorie und Reform Sinn und Bedeutung auf dem Gebiete deS Judenthnmö haben sollen, so muß man ans jene Zeit zurückgehen, wo eine ganz neue reformirende Weltreligion aus dem Schoße der Synagoge sich entwickelte. Wie aber sind die seit einem halben Jahrhundert entstandenen Bewegungen und Reibungen der jüdischen Geister, die nicht in Abrede zu stellen sind, anfzufassen? Was ist ihr Inhalt und ihr Gegenstand? Um diese Frage mit historischer Treue zu beantworten, muß man sich für einen Moment die neue Lage der Juden seit der Zerstörung des zweiten Tempels vergegenwärtigen. Zerstreut in allen Ländern der Erde, ohne sichtbaren einigenden Mittelpunkt, im Kampfe

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