Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 3 (18.1.1861)
- Date
- 1861-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Szege - in, den 18. Jänner Nr. 3. 1861. Vierter Iiilirzimz. 4)cransgeGer witi .RdiaMcnt: L. Löw, illicnflliliiiifr 511 äjegetin.!en Ämtmp H Jeden Freitag erscheint ein ganzer Bogen. Prliniimeratkoiisprrls: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 50 kr., vierteljährig 2 fl. östcrr. Währ. Man abonnirt bei allen Postämtern und Buch- Handlungen des Zn- und Auslandes. Mnnilsirriple sind an die Redaktion zu senden. Inscrntc sind an den Verleger S. Bürge! in Szegediil oder an Hrn. Franz Wagne! in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petita zcile wird mit 10 Nkr. 2 Sgr. berechnet Inhalt. Einlcitcndcr Vortrag über die Geschichte der alerandrinischen Juden, von Di׳. A. Jcllinek. — Gemeinde- und Rabbinatöwesen: Das mähr. Landesrabbinat. — Schulwesen: Die Nachstunden an jüdischen Volksschulen, von Ad. Eichberg. — Nntiromantisches: vom Herausgebcr. -- korrrspon-r»! (Ausland.) London. — (Inland.) Briese ans Groß-Kanischa III. — Agram. — Literarische Anzeigen: von X. — Miszellen: l. von Dr. Jcllinek. tDiiifeUeiitler ITorlrai! über die Geschichte der alerandrinischen Juden. Von Dr. Adolf Jellinck*). Soll die Geschichte dev Juden nicht bloö eine treue Aufzählung dessen sein, was dieselben im Laufe der Zeit erfahren und erduldet, geschaffen und hervorgebracht haben; soll sie vielmehr im ethnologischen und historisch-psychologischeu Interesse Nachweisen, wie das große Prinzip, oder die Weltanschauung des Judenthums, im Vereine mit den dem iüdischen Stamme inhärenten Eigenthümlichkeiten zum Durchbruch kommend, in verschiedenen Lagen und Verhältnissen, unter mannigfachen Einflüssen und Einwirkungen, in Wechselvollen Umgebungen und Berührungen, sich thätig und gestallend offenbare: so verdient die Geschichte der alerandriirischen Juden unsere regste Aufmerksamkeit und unsere eifrigste Theilnahme. Sie wird uns Erscheinungen, Bestrebungen, Richtungen und Thätigkeiten vorführen, die wir nicht nur auf alerandrinijchem Boden wahrnehmen, sondern die sich oft in der Zerstreuung wiederholen, sobald analoge Ursachen auf den Geist der Juden ihren Einfluß geltend machen. Das Judeuthum in der Zerstrenung 'ist nach meiner Ueberzeugung und. gestalten Sie mir für einige Momente eine kurze. Abschweifung — nicht gehörig gewürdigt, und gar oft schief beurtheilt worden, und zwar nicht bloö von fremder, dem Judenthum feindlicher, sondern auch von jüdi- ') Vor den in Wie» weilenden RabbinntS-Kandidaten gehalten. (Die Leser d. Bl. werde!, in,.der Folge hoffentlich öfters den Genuß habe», Jellinek's Arbeiten zu lesen. Red.) scher Seite. Wol hat die von unsäglichen Leiden genährte Hoffnung auf eine politisch-nationale Restauration den Verlauf der Entwicklung deS JudenthumS in der Zerstreuung in hohem Grade bestimmt und modifizirt; Vieles, was ohne jene Hoffnung alle Berechtigung zu seiner Cristen; verloren hätte, wurde beibehalten, und mancher Anstoß zu lebendigen Neugestaltungen in seiner treibenden Kraft gehemmt; warum aber hat man es bis jetzt unterlassen, eine der merkwürdigsten historischen Erscheinungen , d. i. die Entwicklung einer Religion, die ursprünglich mit einem abgesonderten Staate, mit einer Agrarverfassung,' mit einem Zentral-Heiligthum, mit Opfer- und Priesterdienst und mit einem geheiligten nationalen Boden auf's Äegster verbunden war, und später von all' diesen Voraussetzungen und Einrichtungen losgetrennt und naturgemäß zn neuen Grundlegungen und Umgestaltungen im Sinne' der forttreibenden Ur- und Hauptideen gedrängt wurde, in das rechte Licht zu setzen? Wahrlich, den denkenden und arbeitenden Geistern unseres Volkes, welche seit der Zerstörung deö zweiten Tempels bis in unsere Tage hinein, diese merklvürdige Entwickelung leiten und regeln, wird die historische Gerechtigkeit verkürzt, so lange das Judenthum außerhalb eines jüdischen, nationalen Palästina's nicht in seiner vollen und ungeschmälerten Berechtigung anerkannt wird. Wohlan denn! Die Geschichte der alerandrinischen Juden nimmt ihren Verlauf, und entwickelt sich, während in Jerusalem das Zeutralheiligthum sich erhebt, Opferduft׳ aufsteigt, Priester fuugiren, und ein jüdischer Staat bald freier und bald unabhängiger besteht, und schon darum ist dieser Theil der jüdischen Geschichte höchst iuteressaut und lehrreich, nicht blos für den Forscher im Allgemeinen, sondern gleich-