Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 1 (4.1.1861)
- Date
- 1861-01-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543025--1924-2545648- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wahrheit z» bekennen, denn die Pforten der Buße stehen offen für Alle, die sie suchen (S. 8.)" In, zweiten Abschnitte, der eigentlichen Ethik, huldigt Abraham den strengen Grundsätzen seines altern LandmanncS, Bcchaji b. Joses Jbn Bakoda, indem auch er in der gänzlichen Abtödtnng des Fleisches das höchste Ideal menschlicher Vollkommenheit findet. Es ninfi diese?ebenSanschaunug »ntcr den spanischen Inden sehr verbreitet gewesen, weshalb Abraham Aben Esra und MaimonidcS so nachdrücklich dagegen volcmisiren (B. Eh. '1, 545.). Die Frage, ob der ans einer höher» Stufe sittlicher Vollendung stehe, der von der sinnlichen Begehrlichkeit nicht mehr angcfochtcn wird, oder der, dessen Leben ein nnnnterbrochencr und siegreicher Kamps mit der weltlichen Lust ist, — wird von Abr. ausführlich behandelt (S. 10). Aber merkwürdiger Weise lasst Abr. die Filosofcn dein Angefochtenen den Borzng einräuinen, während MaimonidoS im Namen derselben die entgegengesetzte Meinung anführt (Einl. in d. Vätcrspr. VI.). Die Werkhciligkeit findet A. verwerflich: ״Nicht durch den Leib und das Fleisch wird Gott verehrt, sondern durch den Geist des Menschen und dessen denkende Seele, wenn ihr ganzes Sinnen und Trachten sich ans die Macht Gottes nnd ans die Gottesfurcht bezieht, nnd wenn sic an der Weisheit fcsthält, welche Gottes Thora sic lehrt (S. 10)." Der ganze zweite Abschnitt ist übrigens ein fortlaufender Kommentar zu Jcsaj. 57, 14—58, 14., und ist insoferne merkwürdig, als die einfatische Schriftansiegung wol hier znm ersten Male so anSgcbildct anftrilt, und nicht einzelne Verse, sondern einen großer« Schristabschnitt umfaßt. Der dritte, oder Bnsieabschnitt, beschäftigt sich zumeist mit dem Buche Jona. Die drei Tage, welche Jona in dem Fische verlebte, findet der Vers, den drei Tagen der cgyptischen Finsternisi entsprechend. ״Wie den Israeliten in Egppten auch während der Zeit der allgemeineu Finsterniß das Sonnenlicht leuchtete, so wusste auch Jona in seincr dunkeln Wohnung Tag und Nacht zu unterscheiden. Als das, der ״״,inuiii)־ eiuifrrctyciifc. ... ■c.. ״״,ktc K..p Mm otruim.y »«r,.׳ ist, nnd er betete (S. 23.)!" X>ic ^בו״יהיב, 2vna 2, 7. hält er für den Acgnator (S. 20). Der den Nineviten eingeräiimtc vierzigtägige Termin korrespondirt mit den 40 Tagen der Sündflttth (Das.). Die שני המרי t M. 47.!>. sind im Jat,re der Furcht (S. 28.)!! Das n in ההיטב Jvna 4, 4. ist ihm lein )ragendes (S. 2!).)!! Das Originellste des vierten Abschnittes ist die Betrachtung über den Dctalog, in welchem der Vers., wie schon Philo, einige Midraschistcn und Saadias vor ihm, alle übrigen Gesetze iniplizirr findet. Den ersten Ausspruch faßt er im Widerspruche mit dem Thalmnd nicht als Gebot ans, sondern als Ankündigung, durch welche der göttliche Ursprung der übrigen nenn Aussprüche konstakirt werden soll. Letztere zerfallen nach seiner Meinung in drei Gruppen. Die ersten drei Anssprüche: Glaube an Einen Gott, Heiligkeit des Eides und des Sabbatcs, — enthalten die Psiichten gegen Gott. Die millleren drei Aussprüche: Ehrerbietung gegen die Eltern, Heiligkeit des Lebens und des EhebnndcS, — enthalten die Familienpstichicn. Die letzten drei Aussprüche: Heiligkeit des Eigenthnms, des Wortes nnd der Gesiiliittiig, — enthalten die Gescllschaslöpflichten. In der ersten Gruppe bezieht sich der erste Ausspruch auf den Glauben, der zweite ans die Rede, der dritte auf die That, wie denn der Vers, überhaupt alle Gesetze der Thora nach dieser Trilogie cintheilt (S. :10), welche ihm ibren Uriprnng verdankt, nnd auch von Abraham Aben Esra (Jeiod More, Komm, zum Dekal.), wie nicht minder von Salomon b. Adderoth (R. G. A. eck. Wien Nr. 54) adoptirt wurde. Dieselbe Trilogie sucht A. auch in den beiden anderen Gruppen nachzuweisen. In der Schlußbetrachtuug über den Dckalog behauptet er, die Profeten haben nicht in ehelicher Gemeinschaft gelebt: כי אין אנו מוצאים להם זכרון בנים ובנות (S. 37.), und er läßt nur Samuel als Ausnahme gelten. Er vergißt bicr aber an Jesajas nnd andere Profcten (S. B. Eh. 3, 220.). In seiner eschatologischen Schlnßbetrachtnng hebt er hervor, das! ״das Gebot: ״Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" zur Zeit der Erlösung (בימי הגאולה) von allen Bcwolniern der Welt wird gehalteil und beobachtet werden." ״Wenn nun", fügt er hinzu, ״alle Erdbcwohncr sich gegenseitig lieben, wie sich selbst, so wird natürlich Haß, Neid und Mißgunst von der Erde schwinden. Und da eS nur diese Leidenschaften sind, die Mord und Krieg Hervorrufen, so sagt die Schrift (Jesaj. 2, 4.) daß die Menschen in der Mcssianischcn Zeit ״ihre Schwertcr zu Pflngschaarcn, ihre Spieße zu Winzermcssern nmschmiedcii werden, daß Volk gegen Volk nicht mehr das Schwert erheben, und daß sie fortan nicht mehr den Krieg üben werden (S. 42)." Mit dieser mcssianischen Hoffnung würde ich die Anzeige des schön anögcstatleten BüchleuiS, dein ich die weiteste Verbreitung wünsche, schließen, wenn ich nicht dem ehrwürdigen Na poport für seine Ko in plimcntc nnd Nathschlägc (XXXV—XXXVII) meinen verbindlichsten Dank abznstattcn hätte. Leider bin ich nicht in der angenehmen Lage, letztere befolgen zu können. Ans das Vcrhältniß des Mischne Thora znm Thalmud und aus die häufig wicdcrkchrcnde Opposition dcö erstcrn gegen letzter», werde ich nächstens ausführlich zurückkominen. Ich habe durchaus nicht Ursache, dag in dieser Rücksicht früher Ausgesprochene znrückznnehlucn. Mein gelehrter nnd sehr verehrter Freund deutet an, das! tif Forschungen über die Geschichte der Halacha keine Ehre bringen, und verspricht mir doppelte Ehre!ומשנה כבור יירש) . wenn ich das Fclv oles-- n--rschungen meiden werde. Nun beneide ich zwar die Ncaktion darum, daß ein Napopvrt seit 1840 das Wort für sie fuhrt: meine Studien nölhigcn mich aber, der Richtung treu zu bleiben, welcher Napoporc vor 1840 folgte. Die Ehre, von welcher mein geehrter Freund spricht, gönnetl wir, ich und meine gleichgesinnten Freunde, gerne den Heroen der Romantik und der Reaktion; wir sind vollkommen znsrieden, wenn es uns nur gegönnt ist, das Feld der jüdischtheologischen Erkennlniß ungestört anznbanen. Scmcrklmgeu. Das ״mähr. LandeSrabbinat", die ״Nachstuilden". die Korrespondenzen ans Wien, Tarnopol, Bolechow. S.-A.-Njhely, Pntnok und Szentes erscheinen in der nächsten Nummer. Inserat. Kon k nrs. An der hiesigen israel. Knabenschnlc ist die Stelle eines Lehrers der ersten Klasse mit jährlich firem Gehalte von 400 st österr. Währ, vakant. Hierauf Neflektirende wollen ihre Zeugnisse über Befähigung im Unterrichte in der hebräischen, nngarischen und deutschen Sprache bis längstens Ende Jäntier 1801 an de» gefertigten Vorstand franko einseuden. M.-Therefiopel, den 10. Dezember 1800. Der Vorstand der israel. Kultnogemeinde. Szegedin, Verlag von Signni,!- ünrg Leipzig, Koiiunislioiis-Verlag von Franz Wagner. Druck von Liginund Burger in Szegedin.