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Ben Chananja · 1860-11-15 · 11 (15.11.1860) 2. Hälfte · p. Seite 619

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
11 (15.11.1860) 2. Hälfte
Date
1860-11-15
Page
Seite 619 (sequence 27)
Language
German
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619 — Inland. Lündenbuvg, im November. Die Ztg. des Judenthums berichtet im Nro. 35 von dem Bestreben mehrerer Schulvorsteher Mährens, durch das hohe Unterrichtsministerium eine Bibelübersetzung für hebr. Schulen oktroyiren zu lassen, und wieder in Nro. 43, daß der Lehrkörper der Nikolsburger Hauptschule in den ״Wiener Mittheitungen" ein vortreffliches Gutachten dagegen eins rücken ließ. Gestatten Sie nun, auch im B. CH. diesen für jüdische Schulen so hochwichtigen Gegenstand zur Sprache zu bringen. Vor Allem will mir der Begriff ״traditionelle Uebersetzung", trotz alles Sinnens und Forschens nicht klar werden. Kann eine getreue Wortübersetzung mehr als den einfachen Wortlaut eines Idioms in einer anderen Sprache entsprechend wieder geben? Die Thora, als der wesentlichste Theil der Bibel, besteht bekanntlich "aus Geschichte und Satzungen. Beide haben zahllose Traditionen, aber was haben diese mit einer klaren Ueberzeugung des Sinnes zu schaffen? — Sollen wir יום אוחד übersetzen: der Tag, an dem Gott einzig noch die Himmelsregionen bewahrte? הנפילים, die vom Himmel gefallenen Engel? ויבא הפודים , da kam der aus der Sündfluth gerettete Og? וירא והנה אייל, er sah den Widder, der nach vollendeter Schöpfung im Zwielichte in's Dasein gerufen ward? — Oder wie ließen sich die vielen und finnvollen Traditionen in einer Wortübersetzung trabireu? Eben so wenig läßt sich die Tradition mit dem Wortlaute des gesetzlichen Theils der Thora in Verbindung bringen. Denn wie läßt sich bei dem schlichten Arbeitverbot am Sabbat etwas über die ל״ט אבלה und ihren zahllosen הול דוה sagen? wie das טרפה in dem Sinne wieder gegeben, wie es die Halacha versteht? Oder soll diejenige Version, die keine anti-traditionelten Lehren verbreitet, unter traditioneller Uebersetzung gemeint sein? Das ist aber eben so wenig unmöglich; da der Uebersetzer sich an's Wort halten muß, dieses aber oft der Tradition gerade entgegen ist, wie ,עין תהה עין ,ארבעים יכנו ועברו לעולס «. dgl. Betrachtet man so die oft abstrusen Mittel, die unsere moderne Zeit zu gar mancherlei Zwecken in's Leben ruft, wird man unwillkürlich zu dem Ausrufe gedrängt. ״Ja, die vergangenen Tage waren besser, denn die gegenwärtigen"! — Wie schön klingen nicht die Worte aus alter grauer Vorzeit zu uns herüber! אץ מקרא יוצא מידי פשוטו! Wie frei bewegte sich der Geist bei der Auslegung und Deutung des Bibeltertes. Da lehren drei große Weisen אין שחיטת עוף מן ההורה, Chulin 27, 2; 28, 1; Nasir 29, 1; und wir hören doch nichts von Verdächtigungen, Verketzeruttgen, Pamfleten u. dgl. und itzt, soll der Geist eiugezwängt werden, in der Zwangsjacke einer oktroyirten Uebersetzung? Für wenn sollte diese bestimmt sein? — Für den Lehrer, der sich etwa strikt darnach halten sollte! das wäre das geeignetste Mittel, den Geist der Lehrer abzustumpsen, und völlig vom eigenen Forschen, Prüfen und Nachden-

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