Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 11 (15.11.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-11-15
- Page
- Seite 604 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 604 Akt der Tanfe immer mit der Ueberzeugung, daß die Eltern oder die Gevatter den Glauben theilen, der damit verbunden sein soll? und nicht zuweilen mit der Ueberzeugung von dem Entgegengesetzten? Wol beruhigt man sein Gewissen damit, daß doch viele Andere da sind, mit welchen wir in geistiger Gemeinschaft und auf demselben Glanbeusgrade stehen, — aber ist es nicht manchmal, weil wir nicht unser Amt und Brod aufgeben können? Mit dem bisher Dargestellten ist zugleich das beantwortet, was Ihre Hochwürden ferner fragen: ״Wie ein solcher Israelit, an diejenigen, unter denen er lebt, Forderung machen könne, daß sie Vertrauen zu ihm, und Achtung vor seinem Verhalten haben sollen." Ich sollte meinen, dieselbe Achtung und dasselbe Vertrauen wie jeder Christ, der, ungeachtet er kein Hinderniß hat, dennoch unkirchlich lebt. Der rechtschaffene Mann, der treu in seinem Wort, eifrig in seinem Berufe, ordentlich in seinem Verhalten in der bürgerlichen Gesellschaft lebt, verdient und erwirbt sich auch das Vertrauen und die Achtung seiner Mitbürger, und Niemand hat das Recht, ihm diese zu versagen, weil er in Bezug auf Angelegenheiten, die nur sein eigenes Gewissen betreffen, und die kein Sterblicher zu untersuchen vermag oder berechtigt ist, nicht das thut, was nach unserer Meinung der Glaube ihm vorschreibt und auferlegt. Ja, zuweilen verdient ein solcher mehr Vertrauen, als der noch so sehr kirchlich lebende Mann. Es wird nie einem Juden einfallen zn fragen, ob ein christlicher Advokat, dem er sein Gut, seine Rechtssache anvertrant, — ein guter Christ, — (das Wort in kirchlicher Bedeutung genommen) ist; aber wol wird er fragen, ob er tüchtig und rechtschaffen ist, und sicherlich wird es ihn freuen, wenn er die Ueberzeugung gewinnt, daß er menschenliebend ist, und an einen allgütigen und gerechten Gott glaubt. Unlängst besuchte ein egyptischer Prinz mehrere europäische Länder, er hatte weder Moschee noch Mufti mit sich, er trank und speiste, was Mahomed verboten hat, lebte wie ein europäischer Weltmann, und übertrat so jede Minute die Vorschriften seines Glaubens; aber die ehrenvollste Auszeichnung wurde ihm hier