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Ben Chananja · 1860-10-01 · 10 (1.10.1860) 1. Hälfte · p. Seite 514

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
10 (1.10.1860) 1. Hälfte
Date
1860-10-01
Page
Seite 514 (sequence 18)
Language
German
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514 — Mission die Konstitution von 1603 und verbot aus's Strengste, Aehnliches in der Zukunft zu unternehmen. Löb Kraus hingegen war und blieb aus Frankfurt verbannt. Er irrte lange als Bettler herum, ließ sich endlich in Bonn am Rhein nieder, wurde daselbst unter dem Namen Iehuda ben Chajim, Metzger. Hier gab er 1616 eine Probe seiner Geschicklichkeit. Als ihn nämlich, als jüdischen Metzger, manches Verbot in Bezug seines Standes, hinderte, so fabrizirte er, mit Beihilfe eines gewissen Moses ben David Cohen, genannt Moses Maus, eine Sammlung rabbinischer Gutachtungen, unter dem Namen der berühmtesten Rabbiner seiner Zeit, von Prag, Metz, Fulda u. s. w., die jene Verbote als nicht giltig anerkannten. Diese unterschobenen Gutachten werden heute noch in der Rheingegend als echt gehalten, von den Rabbinern befolgt, obgleich fie seit 70 Iahreu im Drucke erschienen, und ihre Unechtheit nachgewiesen wurde: כל הכתבי האלה , schreibt der Herausgeber Mordechai Halberstadt, הה' כזבי ,'כי ההוא בעל מעשה הרע ימ״ש ליב ,לא הי׳ יהודי נכשח.שהוא הי, המסור המפור׳ בבג׳ קרייסכי. וההוא עכבר׳ רשיע, [משה מויס], רעהו ברשעות, נרא׳ שהי׳ כמו למדן והו׳ זייף ועש׳ שקר בשה״ג בעל כ״י [כלי יקר! ובי שלייה . .. 27. Kräusche eine מסירה nach dem Tode. Dieses jüdische Sprüchwort, noch heute im Munde vieler Rheinländer, hat folgende merkwürdige Geschichte zum Grund. Lob Kraus, oder Kräusche der berüchtigte Angeber von Frankfurt, lebte seit 1608 unbekannt in Bonn am Rhein. Er hatte wol seinen Wohnort, aber nicht seinen Charakter geändert, denn, er plagte wie vordem seine Religionsverwandteu mit Angebereien, die er, im Geheim, der Polizei und der Geistlichkeit hinterbrachte. Nicht zufrieden, fie also während seines ganzen Lebens zu quälen, wollte er sie auch nach seinem Tode verfolgen. Er gab sich auf dem Todtenbette der Brüderschaft der Barmherzigkeit, die bei ihm versammelt war, um ihm die letzten religiösen Dienste zu leisten, zu erkennen. ״Ich bin ein großer Sünder", sagte er weinend, ״ich habe tausendmal, durch meine abscheulichen Angebereien den Tod verdient, meine Brüder, verzeihet mir und habt Mitleiden mit einem Unglücklichen! Ich bin unbestraft für alles Uebel, das ich ihnen und allen Israeliten zugefügt, so steiniget wenigstens meinen Sarg, ehe ihr mich in's Grab senkt, es sei einigermassen, als wenn es an mir beim Leben vollzogen worden wäre!" Man versprach es ihm, und der Sterbende verschied vergnügt, ein Lächeln ans den Lippen. Nach seinem Tode that man ihn, was man versprechen hatte, aber kaum hatte man einige Steine auf ihm geworfen, als mehrere verkleidete Polizeidiener heraneilten und die ganze Brüderschaft verhafteten. Der Elende hatte vor seinem Tode der Polizei angezeigt, daß die Juden um sich an ihm zu rächen mit dem abscheulichen Vorhaben umgingen, seine Leiche zu mißhandeln. Nur gegen eine schwere Geldstrafe erhielten sie ihre Freiheit.

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