Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 8 (1.8.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-08-01
- Page
- Seite 384 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 384 — Der Todestag Kästenbaum's nahte und es kamen aus Nahe und Ferne Freunde und Verwandte. Glaubte man doch große Summen heimzuschleppen und den großen Auscher zu beerben! Einfach wie das Leben, war auch K.'s Ende, schlicht wie er war, wollte er begraben werden und auf eigenem Grund und Boden ruhen. Kein Rabbi folgte seiner Leiche, kein Vornehmer in Israel seinem Sarge, umgeben von gemeinen Seelen, die sich in der lezteu Stunde bereichern wollten, und ihm, wie die Sage geht, sogar die Todtenkleider stahlen, lag er da, der hilflose Reiche, der so schlicht und redlich gelebt und der Welt ein so großartiges Beispiel der Nachahmung hinterlassen hatte. Freilich war es nur ein kleines Häuflein Israeliten dieser Gegend, die das Testament Kästenbaum's zu würdigen verstanden und waren es in der That nur die Komitatsherren, die Kästenbaum's Testament würdigten. Von einem Augenzeugen wird uns versichert, daß der damalige Vizegespan vonZeMplin beim Vorlesen des Testamentes in Thränen ausbrach und die Worte rief: ״Wir stehen׳ beschämt da, wenn wir uns den Inhalt eines so großartigen Testamentes nochmals im Geiste vor die Seele führen, und machen uns heute Vorwürfe, eine so edle Seele im Leben verkannt zu haben." Unser Beruf war es nicht, unserem Helden Weihrauch zu streuen, wir haben absichtlich seiner Schattenseiten erwähnt; doch haben wir Greisen und Mütterchen, die Kästenbaum während seines Lebens nahe standen und ihn täglich sprachen, mehr Glauben geschenkt, als jungen Lebemännern, in deren Augen Kästenbaum nichts mehr ist und war, als ein närrischer, geiziger Bauer. Mag immerhin der Volkswitz unfern Biedermann bespötteln und ihm die Worte in den Mund legen: Ich vermache die Zinsen meines enormen Vermögens meinen Anverwandten, sowie zur Gründung einer Schule u. s. w. damit ich bet dem Auferstehen der Todten das Kapital wiederfinde. Kästenbaum hat sich ein bleibendes Denkmal in den Herzen aller Konfessionen gesetzt. Wir wollendes selig entschlafenen Geistes liebend gedenken und zum Schlüße jene Institute nahmhaft machen, die seit einer Reihe von Jahren durch die Küstenbaum'schen Kapitalien mehr oder weniger erhalten wurden. Da steht denn in erster Reihe die Schule, die schon im Jahre 1838 gegründet ward und bis zum Jahre 1852 als selbstständige Anstalt unter dem Namen Kästenbaum'sche Schule bestand. Im Jahre 1852 wurde die Kästenbaum'sche Normalschnle mit der Gemeiudeschule vereinigt und als Hauptschule eröffnet. Obwohl die Kräfte dieser Anstalt den Bedürfniffen der Zeit mehr oder we- Niger entsprachen, so mußte doch die Gemeiudeschule aus verschie-