Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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— 313 läßt der erste Leitartikel eine feine Denunziation durchschimmern. Statt sich auf solche auf Sand gebaute historischen Deduktionen einzulassen, hätte die neuorthodore Romantik lieber über ihren eigenen Ursprung Nachdenken sollen. Sie würde die Entdeckung gemacht haben, daß sie selbst die leibliche Tochter der christlichgermanischen Romantik und der damit verbundenen Reaktion ist. In den Briefen an seine Agenten schreibt Hr Dr. H. אחד האנשים ואחד הנשים d. h. nach der bekannten Uebersetzung des H. Doktor's: jeder einzelne Mann und jede einzelne Frau müssen abonniren. Die Rabbinen im nordöstlichen Ungarn sollen, wie uns gemeldet wird, von der orthodoxen Zeitung nicht sonderlich erbaut sein. Einzelne haben dieselbe geradezu verboten, und zwar nicht nur wegen בטול הודה, sondern auch ans anderen, nicht schwer einznsehenden Gründen. Ein Chaßid sagte, der Rabbiner in Eisenstadt gleiche jener Großhändlerin in P., welche ihren Söhnen in der eigenen Küche einen Hasenbraten bereiten ließ, damit dieselben nicht verleitet werden sollen, außerhalb des väterlichen Hauses verbotene Speisen zu genießen! — Die Vorstellung, daß die Orthodoxen in Preßbnrg und Wien Geld zusammengeschossen haben, um eine fromme Zeitung zu gründen, wies der Rabbiner zu A. mit den Worten zurück: ״Wenn die frommen Reichen die Thora zu Ehren bringen und die gute alte Zeit wieder herbei führen wollen, dürfen sie sich nicht an Zeitungschreiber wenden. Die taugen alle nichts. Vielmehr müssen sie wieder seine Bachurim einsetzen (zu Schwiegersöhnen wählen), und denselben Gelegenheit geben, sich ausschließlich mit dem Thalmnd und den Poskirn zu beschäftigen. Daher dürfen sie ihre Töchter weder fremde Sprachen noch Musik lernen lassen, da ein jüdisches Mädchen, das solche Dinge gelernt hat, einen Bachnr nicht einmal ansteht." Es gibt indeß auch,romantisch tingirte Orthodoxe, die sich für das neue Blatt eifrig verwenden. In einer Beziehung reichen sich zahlreiche Progressive und Reaktionäre brüderlich die Hand, in ihrem Respekte vor der Theologie der Phrase und der Deklamation, der Charlatanerie und der Windbeutelei! — In Stttnislau (Galizien) ist die Gründung einer Volksschule von der Kreisbehörde angeordnet. Ju1\ Dr. Bardasch und der durch seine Forschungen rühmlich bekannte Sal. Fräukel nehmen sich der zu gründenden Anstalt mit Wärme an; die Orthodoxen arbeiten dagegen. Die unteren Behörden sind lau. — In Drohobpz wurde am 8. Mat ein jüd. Spital eingeweihtz Hr. Jak. Segel hielt dabei eine passende Rede. Landes*). *) In einem andern Berichte entwirft uns unser geehrter Korresp. ein wahrhaft schanderhaftes Bild von dem Treiben mancher Gemeinde-Vorstände-