Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 4-5 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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184 — Parteiungen! mit andern Worten: Mehrere, wahrscheinlich Einflußreiche, haben sich gegen meine Akquisition erklärt. Soll ich zurücktreten? will nicht der Vorstand mit diesem Schreiben mir Andeutung geben, mich ehrenvoll zurückzuziehen? O, wie gut käme mir euer Rath , geliebte Eltern, und doch bin ich nicht im Stande, es euch mitzutheilen, euer gutes Herz zu betrüben. Nein, ich kann nicht zurück, werde auch in den Aufschub nicht willigen; .sind doch schon die Zettelchen für die Abschieds-Draschah ausgetheilt; um mich hier nicht zu blamiren, ist Grund genug, den Antrag oder Wunsch des Vorstandes abzulehnen. Ja, ich reise nach getroffener Anordnung ab, als wäre nichts vorgefallen, und den Inhalt des Briefes soll Niemand erfahren. Welch' räthselhastes Wesen ist doch der Mensch! Friede ist sein Schlagwort, sein Wunsch über das Grab hinaus; in Ruhe und Frieden möchte er leben, in Ruhe und Frieden wirken und schaffen, in Ruhe und Frieden zu Grabe geleitet werden, und doch ist das Objekt seiner Wünsche: nirgends Widerstand zu finden, das ihn verzagt und kleinlaut macht. Aus Furcht, auf Widerwärtigkeiten zu stoffen, möchte er sich feig zurückziehen, der Widerstand selbst aber schüttelt ab von ihm die Feigheit, spannt seine Muskeln, weckt das Selbstvertrauen, und reizt ihn selbst zum Widerstande. Vor einigen Stunden, als ich noch wähnte, Alles sei in N. im Einklänge, der Friede würde mich empfangen, der Friede mich umschatten, da wäre ich aus Mangel an Selbstvertrauen, und aus Furcht, Unfrieden zu erwecken, wenn nicht die Schonung meiner guten Eltern mich abgehalten hätte, sogleich zurückgetreten; nun sich aber ein Widerstand verkörpert hat, da ist hinweg alle Verzagtheit, ich suche selbst den Kampfplatz auf, gehe ihm muthig entgegen, und ich zweifle, ob selbst die Mahnung meiner Eltern im Stande wäre, meineu Entschluß zu ändern. Ja, der Entschluß ist gefaßt, ich werde euch, meine Lieben, den festlichen Abschied, den ihr vorbereitet, nicht verleiden, ihr solltet keine Ahnung haben, von dem Weh, das mein Herz durchfurcht, ihr solltet nur die Freude und nicht auch die Betrübuiß kennen, die mein Inneres durchsickert. Wenn nur schon die zwei Tage vorüber wären! es ist schmerzlich aus seinem heiteren Himmel so plötzlich zn stürzen, wer vermißt aber den Schmerz, den Fall verheimlichen zu müssen. הגיע לכם הצער הזה בימיכם haben Alle solches Weh zu bestehen, wenn sie mit solchen freundlichen Hoffnungen schwanger gehen, wenn sie die Geburt eines glücklich erlangten Zieles erwarten; o, bin ich nur der dazu Erkorene, und soll es als ein böses Omen betrachten, das sich an mich vom Beginne an festklammern will, um nicht von mir zu lassen? Doch genug, ich will die Paar Seiten, die ich noch unter meiner Eltern Dach auszufüllen habe, nicht mit einer Feder in Furcht und Besorgniß getaucht, voll schreiben, ich will der Zukunft lieber mit freudiger Erwartung entgegen gehen, mich diese zwei Tage beherrschen, ach, es find ja nur zwei Tage, und doch wünschte ich sie schon hinter mir. (Aus dem Tagebuche). (Fortsetzung folgt.)