Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 3 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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139 — Ich gestatte mir, Sie auf ein inhaltlich verwandtes Schriftchen aufmerksam zu macheu: ״Das Leben des jüdischen Weibes." Sittengeschichtliche Skizze aus der mischnisch-thalmudischen Epoche. Von Dr. M. Gudemann. Breslau, Snlzbach's Bnchdruckerei. Inland. Von den Karpathen. Obwol du lieber Ben Chan, noch wenig in jene Gebirge ein- und vorgedrnngen bist, und man vor den geistsprühenden Funken deiner Esse dort noch Furcht empfindet, und zittert, daß fie nicht manches dürre Reis am Baume des Judenthums ergreifen und verzehren, und das Morsche und Unhaltbare zerstören mögen, wirst du dennoch von einem deiner Freunde, der dort eine kleine Reise gemacht, einen Bericht über einige der dortigen Kttltusgemeiuden in deine Spalten aufzunehmen, hoffentlich nicht anstehen. Und so mögen dieselben hier Revue pasfiren. Gr.-Tapolcfan, eine Gemeinde von circa 150 Familien noch ganz nach altem Schnitte und vorhundertjähriger Form einer Kehilla. Hier sungirte der berühmte Rabbi Wolf Löwi, Verfasser des Werkes: ״Schare Thora", bevor er nach Verbo ging, und seit seinem Abgänge — 23 Jahre — fitzt im Amte R. Wolf Hirsch, ein natürlich an dem Alten und Herkömmlichen streng Hangender, übrigens aber gutmüthiger Greis. Das Thalmudstudium wird da noch sehr eifrig betrieben. Die ״Morenus" find da verhältnißmäßig sehr zahlreich vorhanden, und wird allabendlich auf mehreren Seiten ״Schiur" gelernt. Worin überhaupt diese Gemeinde *sich unter ihren vaterländischen Schwestergemeinden anszeichnet, ist, daß hier nicht nur Thalmudgelehrte (Lomdim) von Professton, sondern viele Reiche und Wohlhabende diesem Studium den großen! Theil ihrer Zeit widmen, wie es überhaupt nichts Seltenes ist, daß junge Geschäftsleute Abends ihre Geschäfte, oder Handwerker ihre Handwerk verlassen, um dem ״Schiur" beizuwohnen. Daß bei solchen Verhältnissen ein Schrecken und eine ungeheure Scheu flch gegen alles Neue und Zeitgemäße, wenn auch noch so Harmlose und Zweckmäßige kundgibt, ist leicht einzusehen, und darum kreiset der Sommer, trotz seines hohen Alters, noch immer in ungeschwächter Kraft an den Thüren um, ״in Schul zu klopfen"; daher tönet noch immer klang- und sangvoll die Stimme des Mizwosausrufers durch die Räume des Gotteshauses, und wird man mit allen eigenen und väterlichen Titeln und Attributen höchsteigenen Namens von ״Chasan Singerl und Baß" zur Thora hinaufgerufen oder besser hinaufgeschrieen. Dennoch gelang es dem einfichtsvollen und energischen Vorsteher, Hrn. Samuel Löwbeer, schon vor ungefähr drei Jahren an Stelle der ״Chedarim" eine ordentliche, geregelte, dreiklasfige Schule in's Leben zu rufen, die auch bis jetzt unter der Leitung dreier Lehrer, eines Thalmudlehrers und des Direktors, Hrn. Weiß, bei einer Anzahl von 120 Kindern, unter denen 40 der Thalmud-Thora angehören, so ziemlich gedeiht 9*