Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 2 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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— 95 Breslaö, 8. Jänner. Dem hiesigen Gerichte ist vom Ministerium der Befehl zugegangen, gegen den LandraLH v. Fede wegen seines gesetzwidrigen GeVahrens am Kreistage (S. oben S. 39) mit aller Strenge einzuschreiten. Auch sind von mehreren christlichen Rittergutsbesitzern, zum Theil von Hochadeligen, Erklärungen eingelauseu, die das Benehmen des Ländrathes und der übrigen antijüdischen Wortführer entschieden verdammen. An Entgegnungen fehlt es natürlich auch nicht; der Federkrieg wird noch immer fortgesetzt*). 2. x. Pesthev Briefe. II. L. W. Die am 18. v. M. vorgenommene Neu- Wahl des hiesigen israel. Knltusgemeinde-Vorstandes ist mittelst Statthalterei- Erlasses vom 29. v. M., Z. 7135, bestätiget worden. Bei dem Umstande, daß die Urwähler zum großen Theile dieselben waren, welche den frühern Vorstand repräsentirten, konnte die Wahl nicht anders ausfallen, als sie wirklich ausstel. Einer allgemeinen Sympathie hat sich diese Neu-, oder vielmehr Ergänzungswahl nicht zu erfreuen. Dies beweist schon die Thatsache, daß selbst mehrere der gewählten Ausschlußmitglieder, und unter diesen die intelligentesten, erst durch die Intervention einer einflußreichen Person bewogen werden mußten, die ihnen zugedachten Ehrenämter anzunehmen. Ohne hier näher auf die Zusammensetzung der 12 Vorsteher und 18 Ausschußmitglieder einzugehen, müssen wir doch unser Bedauern darüber äußern, daß der Intelligenz und der Bildung so wenig Rechnung getragen worden ist. Dies ist allerdings leicht zu erklären, da die Befähigung eines Vorstehers von dem Betrage abhängig gemacht wird, welchen derselbe in die Gemeindekaffe zahlt. Die Herren sollten aber bedenken, daß gebildete und intelligente Inden allenthalben die Hebung und Belebung des Judenthums in viel höherem Maße fördern, als reiche Juden. Heutzutage ist es namentlich Bildung nnd Jntetligenz, welche die jüdische Sache nach jeder Richtung hin würdig zu vertreten vermögen. Die hiesige Gemeinde, welche die Wiener Gemeinde als ihr Vorbild betrachtet, möge auch in dieser Beziehung nicht Zurückbleiben, und als die größte jüd. Gemeinde Ungarns ihren kleinern Schwestergemeinden mit gutem Beispiele vorangehen. Unfern vollen Beifall zollen wir der Gründung folgender Sektionen: 1. Zur Ausarbeitung der Gemeinde-Statuten und Instruktionen; 2. zur Revision und Regulirung der Gesammtgemeinde-Verbuchnngen nnd der Kommunal- Vermögens-Verwaltung; 3. zur Ueberwachung und Verwaltung der Fleisch- Aceise; 4. zur Armenbetheilung; 5. zur Kultussteuer-Relarate und Einkassirung; 6. zur Regulirung und Ueberwachung der Liturgie im Tempel; 7. zur Begründuug und Leitung der Thalmud-Thora-Anstalt; 8. zur Besorgung sämmtlicher ökonomischer Gegenstände; 9. Vorstand und Kommission des israel. Spi- *) S. 39. d. t. h, ist in der Breslauer Korr, statt Feltsch ״Jeltsch" zu lesen: Der Schluß des Art. muß lauten: ״Die That verurtheilt und rächt sich selbst." Red.