Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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305 — Sprüchen Salomo's klingt sie nur sehr schwach dürch: ״Rühme dich nicht des morgenden Tages, denn du weißt nicht, was der heutige erzeugen kann (27, 1)". Um so nachdrücklicher lehrt die jüngere Spruchweisheit: ״In all deinem Thun denke an dein Ende, so wirft du nie in eine Sünde willigen (Sir. 6, 36)". ״Von Morgen bis Abend ändert sich die Zeit, und was der Herr will, geht schnell in Erfüllung. Der Weise ist in Allem vorsichtig, und in den Tagen, wo er noch sündigen kann, hütet er sich vor Vergehung (das. 18, 25. 26)". Die steigende Macht der Reflexion ist hier nicht zu verkennen. 8. Gottes Barmherzigkeit. Der Unmuth denkt bei Betrachtung der schnellen Flucht des Lebens an die damit verbundene Rechenschaft und Verantwortlichkeit. Die Demuth schöpft daraus den Trost, daß das höchste Wesen mit dem Erdensohne, dessen Dasein so nichtig ist, nicht strenge in's Gericht gehen werde. Hieher gehören gewissermaßen schon die Worte Abrahams: ״Siehe doch, ich habe mich unterfangen zu meinem Herrn zu reden, da ich doch Staub und Asche bin (1 B. M. 18,27)". Ganz klar spricht diese Tröstung ein Psalmist aus: ״So entfernt der Aufgang ist vom Untergang, entfernt er von uns unsere Missethaten; wie ein Vater sich erbarmt der Kinder, so erbarmt sich der Herr derer, so ihn fürchten. Denn er kennt unser Gebilde, ist eingedenk, daß wir Staub sind (103, 12—14) a1)"• In gleichem Sinne Sirach: ״Die höchste Lebenszeit des Menschen ist hundert Jahre. Wie ein Wassertropfen aus dem Meere, wie ein Sandkörnlein, so gering sind seine Jahre gegen die. Tage der Ewigkeit. Deshalb hat der Herr Nachsicht mit ihnen und gießet seine Barmherzigkeit über sie aus (18, 8—10)״. 9. Die Pilgerschaft. Eigenthümlich der Psalmendichtung ist die bereits angedeutete Betrachtung des Menschen als Fremdlings auf Erden: ״Höre mein Gebet, o Herr, und mein Schreien vernimm, zu "1 S. oben S. 297.