Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 302 Patrioten. Ihrem Volke und ihrer Heimat gehört ihr Schwert und ihre Harfe. Nur der gottvertranende Blick in eine schönere Zukunft ihres Volkes auf der Heimat heiligem Boden ist daher geeignet, sie über die Betrübnisse einer denlüthigenden Gegenwart zu erheben. Die heiligen Lieder, in welchen eine solche Zukunft erfleht oder als bevorstehend geschildert wird, sind nicht Erzeugnisse spekulirender Schulweisheit oder behaglicher, künstlerischer Schöpfungslust, sondern Frucht einer lebendigen, das Herz des Dichters durchdringenden Empfindung, die in der jeweiligen Gegenwart wurzelt. Es sind politisch-religiöse Gelegenheitsgedichte im edelsten Sinne des Wortes. Und ob auch die einzelnen Gelegenheilen und Veranlassungen, aus deren Schoße sie hervorgegangen, noch immer nicht mit historischer Gewißheit und Genauigkeit angegeben werden können, so ist doch die bezügliche Forschung weit genug gediehen, um es vollkommen gerechtfertigt erscheinen zu lassen, daß die Kämpfer und Dulder der chaldäischen und syrischen Zeit sich nur an den Anker irdischer Hoffnungen klammerten: an die Aussicht ans die ethische und bürgerliche Wiedergeburt ihres Stammes und ihres Vaterlandes! Das irdische Heil und den weltlichen Glanz beider hatten sie stets vor Augen, »veil sie beide mit aller Inbrunst und Hingebung liebten. Diese Liebe ist aber ein edles, sittliches, heiliges Gefühl. Nichts ist daher alberner, als hier von knechtischer Lohnsucht und sinnlichem Eudämonismus zu reden! 6. Die Unsterblichkeit der Seele. Die innere Seligkeit. So entschieden auch die Gelegenheitsrede und die Gelegenheitsdichtung im biblischen Alterthnme vorherrscht, so enthält der Psalter doch Lieder, welche ihren Ursprung keiner speziellen Gelegenheit verdanken. Ein solches Lied ist der 49. Psalm: ״Er ist ein Lehrgedicht, und von allen historischen Beziehungen entblößt 17)''. Der Sänger desselben ״hat einen tiefen Blick in den wahren Adel und die allen äußern Wechsel überdauernde Herrlichkeit des ") Hitzig Ps. S. 47.