Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 5 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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196 — nicht zwei Menschenherzen einander gleichen. Sobald sich aber Viele zu solchen freiwilligen Uebungen vereinigen, und eine Gemeinde bilden, hört ihr Thun auf, das Werk freier, individueller Selbstbestimmung zu sein, und sinkt zur legalen Pflichterfüllung herab. R. Pinchas Horwitz, mein Lehrer R. Nathan Adler und R. Salomon Chaßid haben daher keine Gemeinde gestiftet 4)״. Mit dieser Verwerfung des korporativen Chaßidäerthumes geht R. Moses seinem Ujhelyer Kollegen, dem Gründer einer chaßidäischeu Gemeinde, offenbar hart an den Leib. Außerdem nimmt er den deutschen Ritus in Schutz, wiewol er die Sefardim glücklich preist, daß Ihnen R. Jsak Loria, ״das Licht des Ostens die Ge- Heimnisse der Andacht enthüllt hat". ״Dies", fährt er nun fort, ״waren meine Aeußerungen. Niemals habe ich aber gegen einen großen Mann, wie Sie es sind, ein ungebührliches Wort gesprochen. Sollte ich in den abgegebenen Aeußerungen geirrt haben, fo wollen Sie mich belehren, und mir den Weg der Wahrheit zeigen. Gerne will ich mich von Ihnen zurecht weisen lassen. Ich hoffe aber, daß auch Sie sich versöhnlich zeigen, und mich in Ihr Gebet einschließen werden (CH. S. das.)". Wer könnte diese Worte lesen, ohne der Demuth, die sich darin knndgiebt, die gebührende Anerkennung zu zollen? Minder befriedigend ist die Unterscheidung, welche R. Moses zwischen dem individuellen und korporativen Chaßidäismns statuirt. Die Theorie, daß das Chaßidäerthum oder die höchste Frömmigkeit sich in der Vermehrung religiöser Observanzen manifestire, kann zwar vom Standpunkte der deutschen und französischen Chaßidäer, als deren treuen Nachfolger wir R. Moses bezeichneten, nicht bestritten werden. Allein der verehrte Rabbi 'erwog nicht, daß die Kundgebungen subjektiver Askese und Andacht von Anderen beobachtet und nachgeahmt werden, ja auch in die Kodizes übergehen. Solchergestalt wird allmälig das als Pflicht angesehen, was ursprünglich Ausdruck individueller Gemüthsstimmung war. Müßte aber da die Zahl der werkheiligen Observanzen nicht in's Unendliche steigen? — Abgesehen davon ist der korparative <) CH. Sof. O. CH. 197.