Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2542917-2543094-2543099--0765-2544452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 147 vielgepriesenen Wundermann auf, um Hilfe und Heilung aus seiner Hand zu empfangen. Und stehe, kein Bittsteller wurde zurückgewiesen. R. Mose war bereit, jedem Begehren zu genügen. Nicht nur Kranke an Leib und Geist entließ er mit trostvollen Verheißungen; auch Gatten, die ihr eheliches Zerwürfniß beklagten, oder stch nach Bater- und Mutterfreuden sehnten, verließen im Besttze ihrer Talismane mit frohen Hoffnungen den Wundermann. Derselbe ertheilte selbst bedrängten Schuldnern seine Schutzblättchen, um dadurch die Strenge ihrer Gläubiger zu mildern, und dieselben in einer geduldigen, nachsichtsvollen Stimmung zu erhalten. Die Konsumtion der Amulete beschränkte stch auch nicht auf chaßidäische Kreise. Es gab einzelne Häuser, wo das Familienhaupt als gebildeter Weltmann glänzte, der Sohn auf die Jagd ging, die Tochter mit dem ersten adeligen Fräulein des Ortes vierhändig Sonaten spielte, und wo die sorgsame Hausfrau den Lieblingen ihres Herzens dennoch Ujhelyer Talismane verschaffen zu müssen glaubte. Und sie hatte bei Anwendung derselben nicht einmal nöthig, an den kranken Perikles oder an den gesunden Fürsten Gortschakoff zu erinnern! Der Begehr nach kabbalistischen Rezepten wurde am Ende so groß, daß der Heilkünstler zwei Schreiber halten mußte, um die Formeln, welche er in jüdischer Kursivschrift entworfen hatte, dem kabbalistischen Brauche gemäß, mit hebr. Quadratbuchstaben auf Pergament abschreiben zu lassen. Wenn man in das Kabinet trat, aus welchem R. Mose die Wunderstretfen holte, glaubte man sich in eine kleine Apotheke versezt. Unwillkürlich fiel das Auge auf einen Kasten von mäßiger Größe. In demselben sah man sechzig Schublädchen angebracht, welche zur Aufbewahrung des Amuletenvorkaths bestimmt waren. Die Ujhelyer Heilkunst behauptete, über sechzig spezifische Mittel verfügen zu können. Bei komplizirten Leiden wurden mehrere Streifen verabreicht (Mosed. Thebel 78 ff.). Bevor das Amulet dem Hilfesuchenden übergeben wurde, sprach R. Mose ein Gebet darüber, nach der Uebernahme wurde der Empfänger gesegnet. Lezterer Akt ward jedoch nicht für unumgänglich nöthig gehalten, indem auch Heilungen in die weite Ferne nicht eben zu den Seltenheiten gehörten. Für die Amulete sowol als für die zahlreichen nachgesuchten Pidjonim 10* wiSm