Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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— 144 — vom Einfachen zum Zusammengesezten hier beobachtet wurde; ob der Verfasser die Einfachheit und Biegsamkeit der hebr. Sprache dazu benüzt hat, um schon die ersten Laute an Wörtern und paffenden, kurzen Sätzen üben zu lassen; ob dabei, worauf es hier vorzüglich ankömmt, auf die religiös-gemüthliche Ausbildüng des Kindes Rücksicht genommen wurde; mit einem Worte: ob hier eine auf Anschauung gegründete Unterrichtsweise zu Grunde liege; darüber möge der geneigte Leser selbst entscheiden, indem wir ihm sowol die Anordnung des Ganzen, als auch die Behandlung der einzelnen Stufen desselben mit einigen fast unwillkürlich sich dabei anfdrängenden. Bemerkungen in kurzen Umrissen vorführen. Die Laut- und Buchstabenlehre (Nro. 1—6) erscheint von der Leselehre gänzlich getrennt. — Wir erlauben uns ^abei nur eine Frage: Wird das richtige Auffaffen der Konsonanten ohne entsprechende Uebung an itub mit Vokalzeichen nicht ungemein erschwert? — Worin die doppelte Aufstellung des Alfabets ihren Grund habe, wollen wir dahingestellt sein lassen. Die erste Leseübung (Nr. 7) beginnt mit mehrsilbigen Mangel- und fehlerhaft dargestellten, zum Theil auch unhebräischen Wörtern, die ohne Plan und Zusammenhang, und wie auf's Geradewoht zusammengesteltt erscheinen. Das erste Wort dieser Leseübung (wenn ""״2ת1ר״ als solches gelten kann) enthält schon das Dagesch in seiner zweifachen Anwendung! Dasselbe gilt von vielen andern Wörtern dieser und der folgenden Uebungeu, von denen übrigens noch viele falsch vokalisirt sind und bei denen das Dagesch willkürlich weggelassen wurde. In Nro. 9 werden die ersten Sylben der Wörter סלם und למקום als einfache Sylben dargesteltt, was doch offenbar nicht der Falt ist, da der erste Buchstabe der folgenden Sylbe das Dagesch forte bekommen muß, welches hier freilich wieder weggeblieben ist. In Nro. 10 wird das Schwa — bekanntlich ein schwieriger Punkt in der hebr. Leselehre — gleich Anfangs an mehrsylbigen wieder unzusammenhängenden Wörtern geübt und das Schwa nach 1 in ונתנם וסעדה וצעקי als Schwa quiesceus dargestellt! In Nro. 14 soll das Dagesch geübt werden, nachdem schon in Nro. 12 das דד als Uebung vorgekommen ist. Als Stoff zu den jüdisch-deutschen Leseübungen wären speziell jüdische Festgebete für das kindliche Alter angemessener gewesen, als Gleichnisse und Sentenzen, die weit über den Horizont des kindlichen Begriffsvermögens hinausreichen. Wir begnügen uns mit diesen wenigen einfachen Bemerkungen. Der aufmerksame Leser wird übrigens noch manche Lücke finden, deren Ausfüllung sehr wünschenswerty wäre. Die hebr. Sprache ist nicht die Muttersprache des Kindes; fie soll und kann aber von dieser unterstüzt werden. Mit Bedauern vermissen wir daher unter Andern in der vorliegenden, übrigens prächtig ausgestatteten Fibel einige Sprüche und kleine Gedichte samnlt ihren Uebersetzungen, um diesen an stch trockenen Gegenstand auch dem Gemüthe und dem Gedächtnisse des Kindes leichter zuzuführen. Das Kind soll in seinem Büchlein auch Bekanntes und Interessantes finden, wenn es dasselbe liebgewinnen und auch zu Hause öfters zur Hand nehmen soll. Wer mit dem Wesen der hebr. Sprache nur einigermaßen vertraut ist, wird auch überzeugt sein, wie dieselbe vorzugsweise geeignet ist, dem kindlichen Gemüthe zugeführt und dem Gedächtnisse eingeprägt zu werden, wenn der Unterricht in derselben ein naturgemäßer, und, was hier vorzüglich zu beachten ist, ein auf religiöser Anschauung gegründeter ist.