Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 2 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 72 -- eine in's Einzelne gehende Vergleichung anzustellen. Die Berührungspunkte find in der eigentlichen Liturgie mit Ausnahme des Schema sehr geringe. Der Organismus des rabbanitischen Siddurs geht dem karaitischen ganz und gar ab. Um so mehr lohnt es sich der Mühe, das Rituale der Karäer mit Aufmerksamkeit zu betrachten, und demselben die karaitischen Gebräuche abzulauschen. Im Interesse der zahlreichen Leser des Ben-Chauanja, denen das karaitische Siddur nicht zugänglich ist, werden wir auch befiiffen sein, aus die durch Gedanken und Ausdruck hervorragenden Stücke besonders aufmerksam zu machen. 12. Zuvörderst fragt es sich: Enthält das vorliegende Rituale ausschließlich karaitische Elemente? — Diese dem Anscheine nach fast überflüsstge Frage muß mit einem entschiedenen Nein beantwortet werden. Auf ein Gedichtchen, das wol Gebirol zum Verfasser hat, haben wir bereits hingewiesen. Viel merkwürdiger ist der Umstand, daß Bd. I. S. 397—402 Gebete vorkommen, welche wörtlich dem chaßidäischen Schaare Zion entlehnt find! In dem Mittwochgckete heißt es S. 400: ואסכרה שחלית ביזם זה תשמור ממנה תינוקות של עמך ב״י שלא תסול בסיהם * *). stets zu den Zierden Jsrael's gezählt werden. Uebrigens geräth selbst Hr. Di׳. K. nur wenn er hebräisch schreibt in antikaraitischen Eifer. In seiner deutschen Note (I. 125) spricht er gemäßigter, ohne übrigens dem Karaismus Gerechtigfeit widerfahren zu lassen und ihm die ihm gebührende Stelle in der jüdischen Religionsgeschichte anzuweisen. In Rap.'s Autwort ist der Seitenhieb merkwürdig, welcher dem Biografen R. Iehuda's des Mischnasammlers im Chalnz verfezt wird. Rap. nennt denselben geradezu einen Karaiten!! Ued. *) Die Krankheit אסכרה wird im Thalmud nicht selten genannt. Welche Krankheit wird nun unter dieser Benennung verstanden? In den älteren Ausgaben des Aruch wird das Wort gänzlich vermißt. Mnssafia hat es wol zuerst ausgenommen. Nach ihm stammt es entweder von dem hebräischen סכר, versperren (s. Sabb. 33, b), weil durch die Askera die Kehle gesperrt wird, oder es ist griechischen Ursprungs: övvay/7] angina, Bräune. Ihm folgt Burtorf: Synaache, unde vulgus meclicorum squinantia, genus morbi acuti, qno fauees angimtur et obturantur (Leric. p. 1479). Nach Sachs (Beitr. II- 41) ist es eti/aya, ein Geschwür, nach thalmudischem Sprachgebrauche besonders im Halse. Die Auffassung des rabbinischen Mittelalters hat Landau (Marpe Ber. 40, a) zu erklären versucht. Die Beschreibung, welche der Thalmnd von der Askera giebt: ״sie sängt in den Eingeweiden an und endet im Munde", bleibt bei alt den erwähnten Versuchen unerklärt. Auch ist die Askera des Thalmuds keine ausschließliche Kinderkrankheit. Bei einer künftigen Untersuchung, welche von einem gelehrten Arzte geführt werden sollte, wird zu erwägen sein, ob nicht אסכרה nach einer nicht ungewöhnlichen Buchstaben-Transpofition (S. 1. Iahrg. S. 372) durch ä^cua ״aus dem Unterleibe" erklärt werden könnte. Hr. med. Di׳. Altstädter, dem wir die oben angeführte^ Lhalmudische Beschreibung mittheilten, vermuthet, daß der Ileus (Pa88io iliaca, Chordaphus, Miserere, Darmgicht, Kothbrechen) darunter verstanden werden könne. Die Behauptllng 'קשה שבכולן א0כ und die Worte דלאהורי נשרא (Berach. 8, a) dürsten für diese Vermuthung sprechen. Doch soll damit der weitern Forschung nicht vorgegriffen werden. Ued.