Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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— 476 — Im Trauerhause hielt Herr Prediger Bach eine gediegene Leichenrede, in welcher er neben andern vorzüglichen Eigenschaften, J.'s seltene Philantropie hervorhob, mit welcher er unzähligen Hülfsbedürftigen, die ihm nun beweinen, nicht nur Arzt, sondern Freund, Helfer und Retter in der Noch war. Aus dem Gottesacker sprach ein Studierender der Medizin im Namen vieler seiner Kollegen, deren Mäzen der Seelige war, einen schönen Nachruf. ' 3. 3. L. Gv.-KanLfcha, 19. September. Vorgestern standen wir erschüttert am Sarge eines unserer beliebtesten Aerzte. Unser Kommunalarzt, der med. Dr. Hermann Arnstein, ist in seinem 36. Lebensjahre mit Tode abgegangen. Der Todesfall erregte nicht nur in unserer Gemeinde, sondern in unserer ganzen Stadt die wärmste Theilnahme. Ein unabsehbarer Leichenzug folgte der Bahre. Rabb. Fasset hielt eine ergreifende Trauerrede, welche nicht nur dem allgemeinen Schmerze den richtigen Ausdruck gab, sondern auch dem Tage, 3״rPJ?, sehr angemessen war. 3. L. Lemberg, 5. September. Der durch sein gemeinnütziges Wirken rühmlich bekannte Zipper starb vorgestern, 62 Jahre alt. Eine unabsehbare Menge von Männern und Frauen folgte dem Sarge des allgemein geachteten Mannes. Z. war nicht verehelicht. Den größten Theil seiner Zeit widmete er der Wohlthätigkeit. Seine besondere Lieblingsbeschäftigung war die Unterstützung aufstrebender Talente, und mancher jüd. Künstler von großem Rufe verehrt in dem Seligen seinen Wohlthäter. Für Jsrael's Ehre glühte sein Herz. Unseren frommen Anstalten war er eine mächtige Säule. Für den Tempel allein brachte er 22000 fl. zusammen. Zu Gunsten der von ihm gegründeten Bespeisungsanstatt wurde bei seiner Beerdigung in Folge der Aufforderung des Predigers Schwabacher eine Kollekte gemacht 1)*. Kis-Zell, 12. September. Gestatte mir. lieber ״Ben-Chananja", dir einige Notizen zu geben, die ich auf der Reise von Wien über Preßburg, Raab, Papa nach Kis-Zell gesammelt habe. Mein nächstes Reise-Ziel war Preßburg, die alte Gemeinde, wo jüdische Wissenschaft ehemals so stark gepflegt wurde. Synagoge und Schule, zwei h. Institute, die einem jeden echten ist. Schulmanne am meisten am Herzen liegen, waren es auch, die meine Aufmerksamkeit am meisten auf fich zogen. Es war gerade Samstag; die Synagoge war überfüllt; ein neuer Kantor figurirte. Ich bin viel zu wenig musikalisch, als daß ich mir ein kompetentes Urtheil über ihn erlauben dürfte. Nur so viel sei gesagt: seine Stimme ist lieblich und angenehm, und er hatte viele Zuhörer, die sich ebenfalls hören ließen. ״Das ist aus Norma!" kreischte eine Stimme. ״Jezt verarbeitet er ') Auch ich sende dem braven Zipper meine besten Segenswünsche in das Jenseits nach. Seine ausführliche Biografie würde die neuere Geschichte der israel. K.-Gem. zu Lemberg einschließen, und von allgemeinem Interesse sein. Low.