Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 9 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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424 — Die isr. Haupt- und Unterrealschule zu Liptau St. Nikolaus. Historische Skizze von Sigmund Lohn, SchuldirekLod daselbst. In einer ziemlich abgelegenen, von Fremden wenig besuchten Gegend, die rings von rauhen, schroffen Urgebirgen umgeben ist, hat sich ungefähr seit 1740 aus mährischen Ansiedlern eine jüdische Gemeinde gebildet, welche im Lause der Jahre zu einer der bedeutenderen des Landes herangeblüht ist. Hier, eingeklemmt zwischen dem deutschen und polnischen Elemente, war ein bedenteudes Streben und eine geistige Regsamkeit niemals zu verkennen. Die gewiegte Schrift- und Thalmudkunde Polens lauterte sich hier an der Klarheit m!d den! Formensinne Deutschlands, welche aus Mähren ihren Einzug nahmen. Immer hat St. Miklüs durch sein Beth-Hamidrasch ein gewisses Ansehen im schriftgelehrteu Judenthnme behauptet; zahlreiche Schüler und mehrere Rabbinen Ungarns gingen von hier aus. Der bekannte Verfasser des שמן לוקח ') und der gelehrte N. Sinai, Vater des jetzigen Rabbiners, lebten dahier. Der betriebsame und ruhige Kaufmann sezte von jeher seine Ehre darin, neben dem Talente des geschäftlichen Verkehrs ein schlagfertiger Pilpulist zu heißen; und noch früher als in andern Gegenden rühmte sich die hiesige Gemeinde, Männer zu besitzen, welche mit echtem Schönheitssinne die heilige Sprache Israels pflegten, und denen keine bedeutende Erscheinung der jüdischen Wissenschaft und Dichtung entgehen durfte. Doch die Lehrhäusec der alten Richtung verfiele» oder standen einsam unv von wenigen Schülern besucht. Die Sehnsucht eines jüngeren Geschlechtes, die neue Losung der vielseitigen und allgemeinen Bildung forderte auf, eine Anstalt von ganz anderer Bedeutung und tieferem Inhalte zu gründen. Es war eine ganz besonders glückliche Vereinigung von günstigen Elementen, daß im Jahre 1845 hier mehrere denkende Männer zusammentreteu konnten, um eine Gemeindeschule nach den reifsten Anforderungen der Zeit in's Leben zn rufen, , und daß es ihnen in einem Anläufe gelang, den Widerstand divergierender Meinung zu besiegen und den Gemeindebeschlnß dnrchzusetzen, welcher den Bestand dieser Schule für die Zukunft sicherte. Damit war aber noch lange nicht jede Gefahr für das Aufkommen der jungen Pflanzung beseitigt. Liegt doch in der Natur des Menschen ein tiefer Zug von Selbstsucht, welcher dem Guten und Nützlichen mehr schadet, als Verkehrtheit der Anschauungen und Vorurtheile jemals zu schaden vermögen. Auch ') Eine biografische Skizze desselben und ein vollständiges Verzeichniß seiner Schriften wäre uns sehr willkommen. Leb.