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Ben Chananja · 1858-01-01 · 7 (1858) · p. Seite 291

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
7 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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291 — Doch da stürzten wilde Horden, Brausend, gleich dem wilden Meer, Deine Freiheit frech zu rauben, Ueber deine Fluren her. Riffen dir vom Haupt die Krone Mit tyrannisch blut'ger Hand, Schleppten dich mit wildem Hohne In ein fernes fremdes Land. Bald wohl schien am Himmelsbogen Wieder dir der Sonne Strahl, Bald wohl legten sich die Wogen, Und es wichen Schmerz und -Qual; Unter Freud- und Jubelklängen Zogst du in die Heimat ein, Unter Halletujahsängen Sahst du deinen Tempel weih'n. Bald doch folgten neue Leiden, Wieder brach des Schicksals Macht In das Land der fel'gen Freuden, Wandelnd sie in dunkle Nacht, Und es traf des Zornes Schwere Hart und unglücksvolt dein Haupt, Sahst der Priester, der Altäre, Deines Tempels dich beraubt. Fielest heim der Macht zur Beute, Die dich riß vom Heimatsherd, Zogest klagend in die Weite, Stets verfolgt von Feindesschwert. So seit Hunderten von Jahren Riß dich dein Geschick stets fort, Unter Leiden und Gefahren Riß es dich von Ort zu Ort. Kaum war dir an einem Orte Wohlstand, Segen aufgeblüht, Zog schon durch die dunkle Pforte Neid und Haß von Wuth erglüht. Ew'ges Jagen, ew'ges Fliehen, So stand es im Schicksalsbuch; Mochtest du wohin auch ziehen, Stets verfolgte dich der Fluch. Schwer, mein Volk, hast du getragen, Schwer war deines Herzens Leid, Deine Thränen, deine Klagen Rannen in den Strom der Zeit. Doch dir ist ein Trost geblieben: Segensprießend war dein Fluch; Denn auch dies war längst geschrieben Durch der Allmacht Weisheitspruch. Nicht umsonst hast du gelitten, Warst der Völker roher Spott; Für'tz Gesetz hast du' gestritten, Für das Recht, für deinen Gott. Darum darfst du nimmer klagen, Ward doch eine Sendung dir: Weithin Gottes Wort zu tragen, Aufzupflanzen fein Panier. Dies der Trost für deine Wunden, Für dein tief zerrissen Herz, Für die Qual in trüben Stunden, Für den glühend heißen Schmerz. Und du bist nicht aufgerieben, In dir kreist der Lebenssaft;. Dir ist noch der Geist geblieben, Und des Wirkens rege Kraft. M Wohl hast du noch viel zu ringen; Doch einst leuchtet auch dein SteM Mag dich noch manch Leid umschl^^. Ist der Morgen doch nicht fern.^^ Wo in Nacht die Schatten sinken, Einig man den Einigen Meist; All' aus einer Quelle trinken, Die da Bruderliebe heißt: 19*

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