Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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286 — derselben entgegengesetzte damit zu verbinden. Wir halten es überhaupt gar nicht für räthlich, Kinder dieser Klaffe mit Gesetzesdeutungen bekannt zu machen, die sich nicht nach dem einfachen Schristworte wie von selbst darbieten, sondern eine Menge weit hergeholter Prämissen nöthig machen. Das sei Aufgabe der Religionslehre in. den höher», reifer» Klaffen. In Nro. 23 der Fibel hat der Vers., mit echt dramatischer Freiheit, eine historische Person stngirt, die in den Quellen mit keiner Sylbe erwähnt wird. Wir meinen die Mutter des Märtyrers Eleasar, von der in besagtem Lesestücke ein Langes und Breites erzählt wird. Weder Josefus in seinem Buche von den Makkabäern 5, 6., noch 2. V. Makkab. c. G. — andere historische Quellen giebt's nicht für diese Epoche — wissen etwas von dieser Mutter zu erzählen. Wenn Franz von Sales — Nro. 23 in der Fibel für kath. Volksschulen — eine fromme Mutter gehabt, die heilsamen Einfluß auf seine religiöse Erziehung geübt, so muß nicht deßwegen auf Kosten historischer Wahrheit auch dem Priester Eleasar eine solche angedichtet werden! Wir haben zwar keine Beweise für das Gegentheil, und wahrscheinlich war Eleasar's Mutter eine fromme Israelitin, wie überhaupt die Frauen jenes heldenmüthigen Zeitalters sich von den Männern Israels im Märtyrerthum nicht überbieten ließen; aber wenn die Geschichte von ihr schweigt, so laßt auch uns schweigen! — Die jüdische Geschichte bietet eine zu reiche Auswahl dessen, was fromme Mütter für die Erhaltung der Religion und die religiöse Erziehung ihrer Kinder gethan, als daß man zu fingirten Personen greifen müßte, um unfern Töchtern diese Pflicht einzuprägen. Bevor wir nun von dem geehrten Bearbeiter der jüd. Lesestücke in unfern Lesebüchern, den wir nicht einmal dem Namen nach zu kennen die Ehre haben, Abschied nehmen, wollen wir ihn um Entschuldigung bitten, wenn er, und vielleicht mit ihm viele Andere, unsere Kritik zu streng finden werden. Wir lassen ihm Gerechtigkeit widerfahren, und erkennen es an, daß er es in allen Stücken gut gemeint, und in vielen auch gut gemacht habe, wofür er Dank von der israel. Schule in Oesterreich verdient. Aber er wird auch dieser die Berechtigung, nach dem Ihrigen zu sehen, zuerkennen, damit das, was den Kindern, auf deren Hauch, nach dem sinnigen Ausspruch unserer Weisen, die Welt besteht, in zarter Jugend und für's ganze Leben gelehrt wird, tadellos sei! Abr. Hochmut!), Bezirks-Rabbiner. Neuestes aus Synagoge, Schule und Literatur. Jglau, im Mai. Hr. Elias Hellmann ist im Begriffe, aus eigenen Mitteln einen Bauplatz zu einer Synagoge zu kaufen. Die hiesigen israes Litischen Einwohner wollen sich zu einem Kultusvereine konstituiren. Hr. Franz Flesch in Brünn ist vo^ denselben ersucht worden, über die in dieser Angelegenheit zu thuenden Schritte Auskunft zu geben.