Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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— 283 — Aber auch die Männer des Fortschritts können bei dieser zu erwartenden Zwangslosigkeit und Nichtbeschränknng der Autonomie der Gemeinden ganz ruhig und ohne Furcht sein, daß die alte rinseitige Bildung unserer Nabbinen wieder überhand nehmen werde. Wenn unsere Gemeinden, wie der Herr Eorrespondent richtig bemerkt, heute, wo noch kein Seminar besteht, sehr wol wissen, wo sie ihre Nabbinen zu suchen haben, und welchen Männern sie die Leitung und Vertretung ihrer relig. Angelegenheiten anvertrauen sollen, so werden sie es beim Bestände eines Seminars, wenn nicht besser, doch eben so gut wissen, und auch dann: „wird Astes auf seinem Orte in Frieden sein". Abr. Hochmut!), Bezirksrabbiner. Preßburg, 15. Mai '). Der heutige Tag ist für unsere Knltnsgemeiude und unsere Synagoge ein Tag besonders -freudiger Erinnerung. „Ben Chananja" wird nicht nur den zerstreuten Söhnen und Töchtern Preßburgs, sondern auch seinen übrigen Lesern einen angenehmen Dienst erweisen, wenn er das Andenken an das Ereigniß auffrischt, dessen Zeugen die Mitglieder der hiesigen jüd. Kultnsgemeinde vor 56 Jahren waren. Die Prager jüdisch-deutsche Monatschrift berichtet hierüber: „Ans Preßburg hören wir die fröhliche Nachricht: Gestern als der 15. Mai 1802 war für uns ein Tag der Freude und ' der Wonne. Wir genossen das unaussprechliche Glück, beide k. k. Majestäten2) und die anwesenden Herren Erzherzoge in unserer Synagoge zn sehen, deren Inneres sehr brillant beleuchtet und ausgeschmückt war, und zu deren Eingang eine prächtige Ehrenpforte führte. Die erhabenen Gäste wurden mit Vivatrnfen, Trompeten- und Pankenschatl empfangen, und verweilten über drei Viertel Stunden daselbst, während welcher Zeit wir ein ans diese Feierlichkeit verfaßtes Gebet absangen. Wie gerührt waren wir nicht von der Herablassung Seiner k. k. Majestät, mit welcher Allerhöchstdieselben Sich nach Beendigung des Gebetes mit den Aeltesten unserer Gemeinde zu unterhalten geruhte. Diesen Tag werden wir durch ein marmornes Denkmal in unserer Synagoge verewigen". Lezteres ist auch wirklich geschehen. n- Szegedin, 23. Mai. In Folge eines hohen Ministerial-Erlasses wird die Frage über den Judenzirkel, — d. i. den Kreis, innerhalb dessen die jüdischen Einwohner und Kontribuenten Hänser besitzen dürfen, — bei dem hiesigen Gemeinderathe zur Sprache kommen. Die zahlreichen christlichen Hausbesitzer, deren Häuser außerhalb des Zirkels liegen, wünschen natürlich die gänzliche Aufhebung des Zirkels, weil durch die ermöglichte Konkurrenz jüdischer Käufer auch ihre Häuser im Wertste steigen würden. Auch fehlt es nicht an 1) Von einem andern Korresp. Ned. 2) Kaiser Franz und die Kaiserin Maria Theresia. Der Kaiser- Franz hatte sich Freitag am 13. Mai in die Reichsversammlung begeben, und die k. Anträge dem Palatin Erzherzog Joses überreicht. Der Besuch der Synagoge^ fand am darauf folgenden Sonntage statt. Med.