Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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ffT -ir ... »■ m — .281 - ' daran verdient habt, ohne je auf einem Rabbinerstühl gesessen zu haben, höret, euere Enkel nennen euch Dilettanten, und ihr habt lediglich aus^Kurzweil das Thora-Studium betrieben, wie sie — euere Enkel — einige Piecen auf dem Piano herunterklimpern! Ihr habt damit nicht ein göttliches, ein an ganz Israel gerichtetes Gebot: „Du sollst darin forschen Tag und Nacht", erfüllt, sondern euere Langeweile verjagt! Wohl ist euch diese Kurzweil bisweilen sehrkostspielig und hoch zu stehen gekommen; denn ihr habt ihr euer ganzes Leben, euer Hab und Gut, manchmal auch ein Bischen warmes Herzblut geopfert; wir, euere Enkel, nennen das Dilettantismus! Daß der Laienstand im Jndenthnme, wenn nicht mehr, doch wenigstens eben so viel Sterne erster Größe dem Horizonte jüdischer Literatur geliefert hat, als der Rabbinerstand, das brauchen wir hoffentlich nicht erst zu beweisen. Wer nur ein jüdisches Jahrbuch gelesen, wird es wissen. Fürwahr, es ist sehr sonderbar! Als wir noch in historischer Unwissenheit herumtappten und meinten, daß alle Männer, deren Namen in denen großen Folianten Vorkommen, lauter gebückte und gebeugte Rabbi's waren, die aus ihrer Klause nie hinauskamen und von dem Weltenlanf so wenig als von spanischen Dörfern wußten; da eilte jeder, dem-Gott das Licht des Geistes gegeben, und der ans dem Fond religiösen Gefühls die Liebe zum Thora-Studium zu schöpfen vermochte, zu den Füßen dieser Rabbr's, und forschte und lernte, so weit seine geistige Kraft reichte. In unserer Zeit dagegen, wo wir Alle die historische Gewißheit haben^ daß es unter jenen Männern Minister, Hofärzte, Naturforscher und Kaufleute gab, die stannenswürdige und unserem Schristthume zur Zierde gereichende Werke an's Tageslicht gefördert haben, und wir dadurch die Ueberzeugung gewonnen, daß Thora-Studium mit den höchsten Spizen bürgerlicher Beschäftigung sich sehr gut vereinigen läßt; ja daß diese, in materieller Unabhängigkeit, frei von hierarchischer Befangenheit, lediglich im Dienste des Rechtes und der Wahrheit, sehr oft ihre Stimme erhoben, der ganz Israel folgte: ist es noch nicht genug, daß man dem Thora-Stndinm den Rücken wendet, ja man nennt sogar diejenigen, die ihm noch obliegen, Dilettanten! So streicht man mit einem Federstriche, einem Ausdruck zu lieb, ein göttliches Gebot ans den 613 Geboten, ein Gebot, dem Israel seinen Ruhm und seine Weisheit zu danken hat, ein Gebot, das es vor geistiger Versumpfung und der Nacht der Finsterniß bewahrte und in das elendste Dorf und in die erbärmlichste Hütte den Baum der Erkenntniß pflanzte. Geht noch einen Schritt weiter, und die Ausübung der ganzen jüdischen Lehre wird Dilettantismus genannt werden" Wir wollen den geehrten Correspondenten noch an eine Thatsache erinnern, die er hoffentlich nicht bestreiten wird. Der weitaus größere Theil der kleinen und winzigen Zahl der Gönner und Freunde, deren sich die neuere jüd. Literatur in Ungarn rühmen kann, ist unter denjenigen zu suchen, die in ihrer Jugend Thalmud studirten. Ganz natürlich! der geweckte, gymnastisch, geübte Geist, der für Wissenschaft erschlossene Sinn brauchte nur die leiseste