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Ben Chananja · 1858-01-01 · 6 (1858) · p. Seite 274

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
6 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 274 (sequence 34)
Language
German
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274 — haben keinen geistlichen Oberhirten. Bei aller Einsicht und Opferwilligkeit des leitenden Kultusvorstandes scheut er doch den Kamps mit der Partei, die gegen einen „Prediger" opponiren würde. Eine in dem ersten Hefte des geschäzten „Ben-Ehananja" enthaltene Notiz über den Religionsunterricht veranlaßt auch mich zu einigen Bemerkungen *). Man kann Lehrern die Erläuterung der Neligionsgebräuche und ReDk gionsgesetze, bei dem Bibelunterrichte, dem Unterrichte in der bibl. GeschictM und der Uebersetzung der Gebete nicht heiß genug empfehlen; noch dringender aber erscheint es, daß die Lehrer ihr eigenes praktisches Leben im Einklänge bringen mit der Lehre, die ihrem Munde entfließt. Das Beispiel des Lehrers wirkt mächtiger auf die Kinder, als jede andere Umgebung. Der geliebte Lehrer wird so leicht dem jungen Menschen ein Ideal für sein ganzes künftiges Leben. X Uoder. Aus dem Großwaedeiner Berwaltungsgebiete. Wiewol die Straßen hier nicht sehr einladend sind zu Vergnügungsreisen, giebt es doch des Bemerkenswerthen so Mancherlei, was Sie, Herr Redakteur, entschädigen dürfte, für die Unannehmlichkeit, mich auf einer kleinen Rundreise zu begleiten. Wir machen zuerst Halt zu Makü, der einzigen Mnttergemeiude in dem ehemaligen Csanüder Komitate. Sie ist eine der ältesten, wie ein vor mehreren Jahren zufällig entdeckter Stein auf dem jüd. Friedhof beurkundet 2); während die andern Grabsteine nicht über das Alter von 170 Jahren hiuausreichen. Bis zur jüngsten Reorganisirung unserer politischen Verhältnisse stand die hiesige Gemeinde unter dem jeweiligen Bischof von Csanäd, und wurde mit vieler Humanität behandelt. Die Juden hatten hier niemals eigene Gassen, waren besitzfähig; sie wohnen also von jeher auf eigenem Grund und Boden, welches Recht ihnen auch noch ungeschmälert blieb. Die Gemeinde zählt an 380 Familien und besitzt seit 1850 eine dreiklassige Volksschule, an welcher Herr Steinhardt als dirigireuder Oberlehrer mit bestem Erfolge wirkt. Daß aber gerade hier, wo eine der gefeiertesten Autoritäten aus der alt-orthodoren Schule den Rabbiuatsstuhl inne hat, der hebräische Unterricht total darnieder liegt, ist eine Anomalie, deren Erklärung um so leichter wird, da diese Erscheinung leider gar nicht vereinzelt dasteht. Der opferwillige Kultus-Vorstand sieht sich in seiner lobenswerthen und thatkräftigen Strebsamkeit gehemmt. Dem ehrlichen Referenten entfällt oft die Feder, aus Furcht, durch ein übel verstandenes Wort eine Flamme zu nähren, die er so gern Niederhalten möchte. ') Aus Mangel an Raum können wir dieselben nur in einem gedrängten Auszuge geben. Üed. 2) Wir bitten um die Kopie dieser Grabschrift. Ued.

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