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Ben Chananja · 1858-01-01 · 4 (1858) · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
4 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 191 (sequence 47)
Language
German
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— 191 — den Rabbi Salomo Iehuda RapoPort zu Lemberg Ln Galizien, einen Mann, der mit der ausgebreitetesten jüdischen Gelehrsamkeit den Scharfsinn Bentley's *) verbindet, und den auch unter den christlichen Gelehrten bekannten vr. Zunz in Berlin zu nennen * 2).״ Andere lieben es allerdings, eine gewisse Geringschäznng der nachbiblischen jüdischen Literatur znr Schan zu tragen. Dieser Sünde gegen den Geist der Wissenschaft pstegt aber die Strafe auf dem Fuße zu folgen. So erzählt Ewald seinen Lesern, daß die Pharisäer die Phylakterien an Arm und Hals (!) trugen *). Viel fataler geht es dem Hrn. Pros, und Kirchenrath Witter. Er belehrt seine Leser: ״Die von Kühnöl nachgeschriebene Stelle, Berach. Fol. 28, 2. non licet homini gustare quidquam autequam oraverit orationem suarn steht Gern, babyl. 6, 1, 1. und bezieht sich nicht auf das Morgengebet, sondern aus das Segeusprechen über das Effen (Realwrtrb. II. S. 57 der 2. Aust. Anm. 3)." Nun ist aber Kühnol'6 Berufung ziemlich richtig, wiewol er sich viel schlagender auf Berach. Fol. 10, 2. hätte berufen sollen. Dies ist jedoch eine unerhebliche Spezialität. Charakteristisch ist hingegen das monströse Citat: ״Gem. babyl. 6, 1, 1", aus welchem kein Gelehrter klug werden kann. Der Hr. Kirchenrath sezte offenbar voraus, daß Berachoth (der erste Traktat der Mischna und der beiden Gemara's) nicht zur babylonischen Gemara gehöre. Er hatte also von der Einrichtung des Thalmuds nicht die leiseste Ahnung. Dies verhindert ihn aber nicht, über Nabbinen und jüdische Literatur die wegwerfendsten Nrtheile abzugeben. Zu läugnen ist es zwar nicht, daß der Hr. Kirchenrath Manches aus der Schule schwazt, für dessen Mittheilung ihm gerade jüdische Leser Dank wissen sollten (Realwrtrb. II. S. 342). Unbeschadet dieser Dankbarkeit bleibt indeß die Berichtigung des Kühnöl'schen Citat's im höchsten Grade lächerlich. Der Herr Red. des Kirchen- und Schulblattes, der den Thalmnd natürlich ohne Vergleich besser versteht, als der Kirchenr. W., wird uns ohne Zweifel hierin vollkommen beistimmen. Auch wird es ihm hoffentlich angenehm sein, aus unseren Bemerkungen zu ersehen, daß wir die Werke christlicher Gelehrten ohne alles Vorurtheil benüzen. Uns wird der Herr Red. dagegen sehr verbinden, wenn er in den Spalten seines Blattes nicht mehr wiederholen läßt, daß die schottische Mission sich zuerst der verachteten Juden angenommen habe! Weit entfernt, uns ntit denr prot. Kirchen- und Schulblatte über diesen Punkt in eine unfruchtbare Polemik einzulaffen, erlauben wir uns nur die Bitte, bei Beurtheilnng der schottischen Mission fortan an das nicht zu vergessen, was der Herr Kirchenrath Winer aus der Schute geschwazt hat. Die Vorbereitungen zur Wahl unseres künftigen Rabbiners sind seit Kurzem in vollem Zuge. Neun Kandidaten werden vorläufig genannt. Unter diesen ist aus nahe liegenden Gründen weder die Altorthodorie noch die radikale ') B. Richard, gest. 14. Jnli 1742, ein berühmter Kritiker. Ued. 2) I. d. H. S. 5. J) Gesch. IV. S. 416.

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