Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 5O8 77^7- Solch schöpferischer, nachhaltiger Wxksamheit chsrd wol jeder gerne den Tribut seiner Bewunderung zollen. Allein wem gebührt diese Bewunderung, wer hat gerechten, geschichtlich begründeten Anspruch darauf? Bildet ja die Frage nach der Zeit der großen Versammlung und nach den Umständen, die ihr Wirken und Walten begünstigten, ein historisches Problem, das seiner Lösung harrt bis auf den heutigen Tag! 2. Die Anachronismen. Ans dem Thalmud, der bisher als einzige Quelle für den Gegenstand unserer Forschung galt, erfahren wir, daß die große Versammlung Profeten in ihrer Mitte hatte, und daß der Hohepriester Simon der Fromme Mitglied derselben war *). Diese Auskunft klingt nun freilich sehr deutlich und präzis, allein es ist damit sehr wenig gewonnen. Die historische Forschung fragt nun erst wißbegierig: von welchen Profeten und von welchem Hohenpriester ist Hier die Rede? — Während der zweiten Tempelperiode, in welcher jedenfalls die große Versammlung blühte, war bekanntlich der Name Simon mehreren Hohenpriestern eigen. Die älteren rabbinischen Chronologen dachten sich die jüngsten Profeten des Bibelkanons, Haggai, Secharja und Maleachi, als Theilnehmer an der großen Synode. Simon den Frommen hielten sie für einen Zeitgenossen Alexanders des Macedoniers. Die Unmöglichkeit der Zeitgenossenschast des Leztem mit jenen Profeten konnten sie nicht einsehen, indem ihnen die ganze Dauer der persisch-, jüdischen Epoche zu Einem Menschenalter zusammengeschrumpst war. Nach dieser Anschauung konnte Simon die lezten Profeten und auch den makedonischen Eroberer von Angesicht zu Angesicht gesehen haben. Aus der Hand dieser Chronologie erhielten Daniel und seine Genossen, und mit ihnen alle Notabilitäten der Perserzeit, Sitz und Stimme bei der großen Synode. Die Ehre des Vorsitzes bei derselben wurde dem Schriftgelehrten Esra zugedacht. Diese anachronistische Vorstellung blieb Jahrhunderte hindurch alleinherrschend. Wir begegnen derselben unter geringen Modifika- ') Megilla 18, ». Aboth 1, 8.