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Ben Chananja · 1858-01-01 · 2 (1858) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
2 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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— 54 — wird Vers 30. wol schwerlich anders übersetzen, als: „Den Weg des Glaubens wähle ich; deine Rechte Hab ich vor mir!" Je unbefangener wir den Geist der Bibel auffassen, und je natürlicher und einfacher unsere Eregese ist, desto klarer leuchtet uns die Wahrheit folgender Sätze entgegen: Die Gott gesandten Lehrer der Vorzeit leiteten ihre Mitbürger und Zuhörer einerseits zwar hin zur Betrachtung der Werke Gottes und zur Anschauung derselben als einer Offenbarung des mächtigen, weisen und gütigen Schöpfers; das Heidenthnm mit seinen Kundgebungen ward von ihnen auch als Thorheit und Unvernunft bekämpft: aber andererseits sezten sie den Glauben an ihr Wort voraus, und rechneten sie auf willige Aufnahme und Aneignung alles dessen, was sie im Namen ihres unendlichen Senders verkündeten und lehrten. Der Profct hatte nicht nöthig, dies immer ausdrücklich zu erklären; schon sein Auftreten war eine Wiederholung der alten Apostrophe: „Wenn ich den Namen des Ewigen anrufe, gebet unser m Gotte die Ehre *)!" Und wenn in den Psalmen die Thora oder das Wort Gottes gepriesen wird, so geben die heiligen Sänger deutlich zu erkennen, daß sie gerade in dem Offenbarungöglaiiben Trost und Beruhigung gefunden haben. Selbst das Buch Hiob abstrahirt von diesem Glauben nicht, um der Selbstüberhebung der menschlichen Vernunft das Wort zu reden; vielmehr wird hier die erhabene Idee durchgesührt, daß über die Weltregierung und die Vertheilung der menschlichen Schicksale dem Sterblichen kein Urtheil, sondern allein das Bekenntniß seiner Unwissenheit und demütige Ergebung gezieme. 3. Der religiöse Glaube in der nachbiblischen Literatur. Je mehr während der griechischen Periode Reflexion und Zweifel erwachten und sogar in die nationale Literatur drangen, desto nachdrücklicher warnten die Weisen der Nation vor unnützem, ja gefährlichem Grübeln, desto wärmer empfahlen sie Glauben und Demut. „T r achte nicht — sagt Ben-Sira — nach Dingen, die ') s. B. M. 3S, 4.

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