Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 1 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 3 — Die Rtage üker Ikndifferenlismus Ein Wort;nr Verständigung an Leser und Mitarbeiter. Der Rathschluß Gottes besteht ewiglich, Die Pläne seines Herzens auf Geschlecht und Geschlecht. (Ps. 33, 11.) Der Jndifferentismus der heutigen Zeit! Wer hätte hierüber nicht schon oft Klagen gehört? Wer versuchte jemals, rathend und ermimternd, wünschend und hoffend über jüdische Angelegenheiten zu reden, ohne auf den herrschenden Jndifferentismus hingewiefen zu werden? Wessen Eifer für die höheren Angelegenheiten Jsrael's suchten nicht wohlmeinende Freunde abzukühlen durch die Erinnerung an diesen unversöhnlichen Feind alles Guten? Die Herrschaft des Jndifferentismus, sagt man, breitet sich immer mehr aus. Nicht nur in großen Städten, auch in Landgemeinden wußte sich derselbe Eingang zu verschaffen. Nicht nur in den Kreisen reicher Lebemänner, auch in den unteren Schichten gilt sein mächtig gebietendes Wort. Wer in der Geschichte vergangener Zeiten kein Fremdling ist, den kann diese Klage nicht überraschen. Sie ist nicht neu, stammt nicht von gestern her. Sie blieb keiner Epoche gänzlich unbekannt. Zu allen Zeiten ließen sich Stimmen vernehmen, welche den herrschenden Mangel religiöser Wärme beklagten, und die böse Gegenwart in Vergleichung mit einer längst entschwundenen Vergangenheit schonungslos verdammten. Die Anklagepunkte blieben zwar im Einzelnen nicht immer dieselben, mit dem Wechsel der Zeiten wechselten natürlich auch sie; die Anklage selbst wurde aber niemals zum Schweigen gebracht. Der Zorn auf die Gegenwart loderte fort; keine Zeit war so glücklich, seine Flamme'erlöschen zu sehen. 1*