Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1938)
- Date
- 1938-09-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 39 Der Israelit 29. September 1938 christlicher Akademiker neben den alten Synagogen und dem Friedhof auch die große Lubliner Jes c h i w a. Die herrliche moderne Einrichtung fand die Bewunderung der Gäste. England. Eine Aktion des Rabbinerverbandes in England* London, 28. Sept. Wie schon berichtet, hat die Agudas J i s - r o e 1 bei der englischen Regierung Einreiseerlaubnis für 50 Jeschiwabachurim aus Wien und der Provinz bewirkt. Nunmehr hat die Agudath Harabbanim einen Appell an die jüdische Bevölkerung in England. gerichtet,- die nötigen Mittel zur Ermöglichung der Versorgung der Jeschiwajünger aufzubringen. Die Bachurim sollen in der Jeschiwa „Or Jisroel", die vom Keren Hathora"geleitet wird; untergebracht werden. Zehn Jünger sind bereits in London eingetroffen! die vorläufig vom Ksrsn Hathora ausgehalten werden. Amerika. Jünger aus Deutschland und Oesterreich an amerikanischen Jeschiwoth. New York, 22. Sept. Auf Initiative der Agudas Jisroel hat die M e s s i w t a (Zentrale der Thora-Lehrstätten) in Amerika von der Regierung die Erlaubnis bekommen, 25 Hörer aus Deutschland und dem früheren Oesterreich in die Jeschiwoth aufzunehmen. Es wurde , beschlossen, 15 Jünger aus Deutschland und 10 aus dem früheren Oesterreich ins Land zu bringen. ' Eine Seier Thora zum Andenken an die Märtyrer in Erez Israel. New York, 22. Sept. Bekanntlich haben die Poale Agudas Jisroel in Erez Israel vor einiger Zeit mit dem Schreiben einer Thorarolle zum Andenken an die Märtyrer in Erez Israel begonnen. Zur Zeit wird in Amerika mit bestem Erfolg eine Aktion zugunsten dieses Unternehmens durchgeführt. Personalien; Fulda, 23. Sept. In diesen Tagen ist Herr Dr. Kalmann Kahan nach "R übergesiedelt — In einer Abschiedsfeier, die durch die Zeitverhältnisse im engen Rahmen gehalten wurde, wurde ihm der Dank für seine hiesige Wirksamkeit ausgesprochen. Unser Raw schilderte, wie Dr. Kahan als Iwrithlehrer hierher gekommen sei, es aber bald verstanden habe, Erwachsene wie Jugendliche und Kinder im minn ni»^, um sich zu scharen und durch sein tiefgründiges Wissen auf jüdischem, und allgemeinem Gebiete, Klarheit seines Lernens, die Echtheit seiner Jiroh, die Reinheit seines Charakters und den Takt seines Auftretens immer mehr sie in der Emu - noh zu stärken und einen Mittelpunkt für alle an der Tauroh interessierten Kreise zu bilden. .Insbesondere aber habeer sich ein unvergängliches Verdienst durch die 3]/2 jährige Tätigkeit als, Dozent an unserer nx>ur erworben. Er sei. nicht nur der Lehrer, sondern der echte Freund aller önina gewesen, für deren Ergehen und Zukunft er sich warm interessierte und sorgte. Diese Ausführungen wurden ergänzt durch Darlegungen des Herrn Siegfried Fulda, der namens des Kuratoriums der Jeschiwoh, Herrn Dr. K. für seine unermüdliche Hingabe und Pflichttreu« dankte. , Herr Meinhold Nußbaum schilderte die umfassende Arbeit, die Dr. Kahan als Bundesleiter des N. A. geleistet habe und wie seine Beziehungen zu den führenden Persönlichkeiten der Orthodoxie, aber auch seine enge Verbundenehit mit der chaluzischen Jugend eine -wesentliche Hilfe zur Förderung des Chaluziuth und unserer Kibbuzim geworden sei. Zum Schlüsse dankte Dr. Siegbert K a t z namens des Esra für die in dessen Rahmen geleistete Jugendarbeit. Dr. Kahane selbst dankte in bewegten Worten unter Anschluß an mm "nn und zeitgemäße Worte unserer cp^na- Es begleiten ihn die besten Wünsche der Fuldaer rönp zu segensvollem Wirken in Der Kofer Hajischuw (Sicherheitsschutz) in Erez Israel und die Agudas Jisroel. Tel Awiw, 22. Sept. Auf Einladung der hiesigen Poale Agudas Jisroel sprach der politische Leiter der palästinensischen Aguda, R. Mosche Blau, über die Lage und insbesondere über die Stellung der Aguda zum Sicherheitsschutz und dem diesem Schutz dienenden Fonds unter dem Namen Kofer Hajischuw. Obwohl, so sagte der Redner, dieser Kofer Hajischuw vom Waad Leumi gegründet und die Agudas Jisroel in seiner Leitung nicht vertreten ist, wird die Aktion auch von Agudakreisen kräftig unterstützt, da die Notwendigkeit einer solchen Abwehraktion nirgendwo bestritten werden kann. Gerade die Agudaleitung hatte als erste die Notwendigkeit einer solchen Gründung anerkannt und es auch ausgesprochen, obwohl es ihr nicht möglich war, sich an die Spitze der Führung zu stellen. Ist auch der Kofer Hajischuw an und für sich eine dringende Notwendigkeit, so kann leider nicht verschwiegen werden, daß einige Begleiterscheinungen nicht ganz im Einklang mit den Erwartungen der Orthodoxie stehen, Es ist tief ZU bedauern, daß Mitglieder des Sicherheitsschutzes, die vom Kofer Hajischuw unterhalten werden, Entweihungen des Sabbatgesetzes und anderer Gesetze auch da begehen, wo sie unter dem Gesichtspunkt;?, von VBi mf>s nicht' unbedingt notwendig wären( So könne man sehen, wie jüdische Polizisten, ganz ohne Not und Grund am hellen Sabbattage öffentlich und ostentativ durch die Straßen fahren. Ein Grund, sich aus der Aktion auszuschließen, sei dieses nicht, aber die Aguda stehe in unablässiger Verhandlung mit der Leitung des Kofer Hajischuw, um jene üblen Begleiterscheinungen nach Möglichkeit abzustellen. Die Tätigkeit des Verteidigungsfonds, Tel Awiw, 20. Sept. Der Verteidigungsfond (Kofer Hajischuw) hat bisher für Wachtdienst und Arbeit in bedrohten Stellungen 1200 Freiwillige hinausgeschickt. Die weiteren Verstärkungen werden erst abgehen, wenn über die Unterbringungsmöglichkeiten in den betreffenden Siedlungen und über den weiteren ziffernmäßigen Bedarf an Hilfskräften Berichte vorliegen. Für den Büro-Dienst haben sich in Tel Awiw 500 Freiwillige zur Verfügung gestellt, denen auch die Einhebung der indirekten Steuern übertragen worden ist. Es sind bisher folgende indirekte Wehrabgaben in Kraft getreten; Eine Lotteriesteuer, eine generelle Lustbarkeitsabgabe, eine Synagogenabgabe, die beim Verkauf der Betsitze für die hohen Feiertage eingehoben wird, eine Raucherabgabe, die bei jeder Zigarren-, Zigaretten- und Tabakpackung — Einzelverkauf von Zigaretten gibt es in Palästina nicht — ISRAEL zu bezahlen ist. Weiter wurde auf sämtliche Importwaren eine Abgabe gelegt. Eine eigene Kommission von Landwirten und Wirtschaftssachverständigen sorgt dafür, daß nicht unter irgend einem Titel eine Erhöhung der Lebensmittelpreise erfolgt. Alle diese Notopfer gelten, wie verlautbart wurde, für die nächsten sechs Monate. Zahlreiche landwirtschaftliche Siedlungen sind mit Material für die Aufrichtung von Steinmauern, mit Geräten und mit Zäunen versehen worden. Die Landstraße nach Ramath-Hakowesch erhielt zur Verhinderung der Eingrabung von Landminen ein festes Betonpflaster, Die Siedlung Mischmar Hajarden, die beim Wasserholen aus den ziemlich weit entrernten Brunnenanlagen wiederholt schwere Verluste erlitt, wurde mit einem eigenen Wasserwerk ausgestattet. Für drei Städte wurden die notwendigen Geldmittel für Verstärkung und bessere Ausrüstung des Waohtdienstes bereitgestellt. Auch zur Befestigung des Süd-Bezirkes wurden größere Beträge zur Verfügung gestellt. Rabbiner Dr. Esra Münk in Jerusalem« Jerusalem, 20. Sept. Rabbiner Dr. Esra M u n k , früher in Berlin, eine der ersten führenden rabbinischer Persönlichkeiten in Deutschland und Mitglied des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel, der seit einiger Zeit in Palästina weilt, hat nun seinen dauernden Wohnsitz in Jerusalem genommen. Brief aus Erez .Israel. Jerusalem, 25. Sept. Der ewige Terror. — Ein jüdischer Richter. — Schlechte Finanzlage. .— Eintagsstreik. — Jüdische Autobusse im Dienste der Militärverwaltung. — Opfer einer strategischen Maßnahme. Das Wochenende stand wieder im Zeichen des •wilden Terrors und forderte eine Reihe von jüdischen und arabischen Opfern, Eine Gruppe jüdischer Arbeiter, die die jüdische Kolonie „Neß Zion" bewachte, wurde von einer Bande aus dem Hinterhalt überfallen, wobei die Hilfspolizisten Elieser G o 1 df a r b und Jakob Herzlsohn getötet wurden. Während Ersterer gleich tot war, konnte Herzlsohn noch mehrmals das Gewehr gegen die Angreifer richten, bevor er zusammengebrochen ist. In Jerusalem wurde der 24jährige Arje R e fn e r ermordet. Am gleichen Tag wurde auch der Polizist Jakob B ei er, der eine Gruppe jüdischer Arbeiter begleitete, tödlich getroffen. In der Gegend von Berseba fand man A. Kalamei, einen jüdischen Angestellten eines Tel Awiwer Advokaten, erschossen auf der Straße liegen. Große und schwere Gefechte zwischen englischen Truppen und Terroristen spielten sich in der Hauptsache in der Nähe von Nazareth, Tiberias und Jericho ab. Aus Nablus wird gemeldet, daß dort die Verwaltung allmählich ganz in die Hände der Militärbehörden übergeht, die mit der Entwaffnung der Araber begonnen haben. Viele jüdische Polizisten und Hilfspolizisten wurden neu eingestellt. Die jüdische Forderung zur Unterstützung des jüdischen Sicherheitsschutzes und zur erweiterten aktiven Beteiligung der Juden an den militärischen und Polizeiaktionen, findet Verständnis und Anerkennung in den Regierungskreisen. Erfreulich ist es, daß die leidige Diskussion über die „Hawlaga" ganz zum Schweigen gekommen ist. Die Regierung hat Dr. Benjamin Levi als städtischen Richter in Jerusalem ernannt. Dr. Levi kam vor vier Jahren aus Deutschland ins Land. Nach der letzten Veröffentlichung der Palästinaregierung schloß der Finanzbericht der Regierung für August mit einem Defizit-von 110.000 Pfund. Gegen 304,000 Pfund Einnahmen stehen Ausgaben im Betrage von 414.000 Pfund. Selbstverständlich sind diese starken Rückgänge in einem Lande, dessen Finanzverwaltung in früheren Jahren starke Ueberschüsse zeigte, auf die Unruhen zurückzuführen, die eine Verminderung der Einnahmen im gleichen Maße wie das stete Wachsen der Ausgaben bedingen. In Haifa wurde ein Streik proklamiert, dem sich alle arabischen Kaufleute und Arbeiter anschlössen. Im Hafen haben die jüdischen Arbeitel* die Arbeiten der Araber übernommen und durchgeführt. Der Streik war als Protest gegen die verschärften Maßnahmen der englischen Polizei gedacht und dauerte nur einen Tag. Die arabischen Zeitungen, die eine Zeitlang ihr Erscheinen eingestellt hatten, erscheinen zum großen Teile wieder. Die Unruhen und die Unsicherheit auf den Straßen trafen schwer die jüdische Autobusgesellschaft. Nur dank einem getroffenen Abkommen mit der Militärverwaltung, der sich die Gesellschaften zur Verfügung stellten, konnten sie vor dem finanziellen Zusammenbruch verschont bleiben. So hat die Gesellschaft „Agad" in den letzten zwei Jahren 50 Proz. ihrer Einnahmen von der Militärverwaltung bezogen. Eine große Anzahl jüdischer Chauffeure sind auch bei der Führung der MilitärautQS beschäftigt. Die jüdischen Chauffeure sind Hier sehr gesucht. I In der Schechunath Brenner an der Grenze zwischen Jaffa und Tel Awiw sind aus strategischen Gründen 31 Holzbaracken abgebrochen worden, wodurch 45 jüdische Familien obdächlos geworden sind. Die Regierung weigert sich, ihnen'ein« Entschädigung zu zahlen. Die Tel Awiwer Stadtverwaltung gewährte den Heimlosen eine gewisse Unterstützung, die bei weitem nicht ausreicht- Die Verhandlungen mit der Regierung gehen weiter.