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Der Israelit · 1938-09-22 · Heft 38 (22.9.1938) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 38 (22.9.1938)
Date
1938-09-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 124 X und wer in Sorge, wer in Freude und wer in Kummer, wer in Gesundheit und wer in Schmerzen leben soll, wer erhöht und wer erniedrigt, wer reich werden und wer verarmen soll," Wenn dem Wirklich so ist, wird mancher denken, was soll da all unser Mühen und Sorgen, was soll unser Wünschen Und Hoffen, ja, was soll unser Beten und Fasten, wenn am n*"l es bestimmt, am y"> es besiegelt wird, wie es im kommenden Jahr uns ergehen" soll. Doch nein, so darfst du nicht denken. Buße, Gebet und Almosen wenden das böse Verhängnis ab. Und nun, 1. Kinder, laßt euch mal <?Jn schönes Gleichnis erzählen. iDWn Viele Jahre standen npIXI n^flrrt mwn friedlich nebeneinander. Aber eines Tages — am n"^ war's — entstand zwischen ihnen ein heftiger Streit. Ein jedes von ihnen wollte weit mehr sein als die beiden anderen. Zuerst begann die naWIl ihr Loblied zu singen: Daß ich weit mehr und wertvoller bin als ihr beiden, seht ihr schon an der äußeren Stellung. Das Schönste und Beste stellt man immer voran. Jedoch ich will von der äußeren Stellung absehen, ich will auch nicht von der großen Kralt der Buße sprechen, wie sie vermag aus einem schlechten Menschen einen guten Menschen zu machen. Ich will auch nicht selber davon sprechen, wie G'tt meinetwegen dem Menschen seine Sünden verzeiht, ich will andere für mich reden lassen, Zunächst die Geschichte, oder besser gesagt, die müflfl von 3«"'. Schwer hatten die Menschen in der Stadt Ninive gegen G'tt gesündigt, sie waren so tief gesunken wie einmal die Menschen in Sodom. Als aber der Prophet Jonah verkündete: „Noch 40 Tage und Ninive geht unter," da setzten sie sich in Sack und Asche, fasteten und taten Buße. Und G'tt sah ihre Wandlungen, daß sie von ihrem bösen Wandel zurückgekehrt waren, und er bedachte sich wegen des Bösen, das er ihnen zu tun gedachte, und tat es nicht. „Kehre zurück, Israel, zum Ewigen deinem G'tte." „Kehre zu mir zurück, und ich erlöse dich." „Kehre um, kehre um von deinen bösen Wegen, warum willst du untergehn. Haus Israel!" So sprachen einst vor Jahrtausenden die Propheten zum Volke, so sprechen sie heute noch zu uns in diesen Tagen. Und von unsern Weisen ,ist uns manch schönes Wort über die Buße überliefert worden. Rabbi Abahu sagt: Höher als der Fromme und G'ttesfürchtige, höher steht der reuige Sünder. Rabbi Elieser hielt einst seinen Schülern einen Vortrag über die Buße, am Schlüsse sagte er: Tue einen Tag Buße vor deinem Tode. „Ja," antworten ihm die Schüler, „weiß denn der Mensch, wann er sterben wird?" „Darum tue heute Buße, vielleicht stirbst du morgen," bei lehrte Rabbi Elieser seine Schüler. Die Buße war geschaffen, noch ehe sdie Weit ins Dasein ward gerufen, denn so heißt es Ps. 90: Ehe die Berge waren, gezeugt und geschaffen waren Erde und Welt, sagtest du: „Kehret| um, ihr Menschenkinder." nbsn Und nun begann auch die rftön ihr Loblied: zu singen: Ich will dir, so sagte das Gebet zur' Buße, deinen Ruhm nicht schmälern. Gewiß, es; ist etwas Großes um die Buße, wie traurig wäre es um den Menschen bestellt, wenn es keine Rückkehr zu G'tt gäbe. Und ich will nicht mehr sein als du, bin aber auch nicht weniger. Ich stehe in der Mitte, bin von rechts und links von euch beiden geschützt. Jedoch auch ich will von der äußeren Stellung absehen, will auch nicht selbst davon sprechen, welche Kraft ein Gebet besitzt, wie es vermag den Menschen zu trösten und aufzurichten, so er in Sorge ist. Auch ich will die Geschichte für mich reden lassen. Weist du hin auf die rtlüfln von y>, so weise ich hin auf die tjlüSH von ,T""V Hanna ging in das Stiftszelt, ihr Gemüt war bedrückt, und sie weinte sehr. Sie betete zu G'tt, nur ihre Lippen bewegten sich, aber ihre Stimme wurde nicht gehört. Hanna ging aus dem Stiftszelt und war nicht mehr traurig. Der fromme König Chiskiah war schwer erkrankt, und G'tt ließ ihm durch den Propheten Jesaja sagen: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben". Chiskia wandte sein Gesicht zur Wand und betete zu G'tt. Da sprach G'tt zu Jesaja; „Gehe zum König Chiskia und sage ihm: Ich habe dein Gebet erhört, du wirst wieder von. deiner Krankheit genesen." . Sein Sohn Menasse war ein g'ttloser Mensch.! Im Tempel ließ er ein Götzenbild aufstellen, er j diente dem Baal und verführte das Volk zu allem \ Bösen. Da kam der König von Babel und führte < ihn in die Gefangenschaft. In seiner Not betete" er zu G'tt, G'tt erhörte Sein Gebet und führte ihn wieder nach Jerusalem zurück. Moses betete zweimal 40 Tage zu G'tt, am 10. Tischri sagte G'tt: *nrrVo« Ich will verzeihen. Und die Weisen sagen uns: G'tt hat Wohlgefallen an dem Gebet der Frommen, darum schickt er Leiden über sie. Rabbi Schimon sagt: „Da wir keinen Altar und keine Opfer mehr haben, ist uns nur noch das Wort unserer Lippen geblieben.' „Nehmet mit Euch Worte und kehret zu G'tt zurück," so spricht der .Prophet. EMKA. (Fortsetzung folgt.)

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